„Aufwachen, es geht an die Arbeit!" Die Worte hallten durch Roberts Schädel und rissen ihn aus einem nicht sehr tiefen Schlaf. Er rieb sich die Augen und musste sich orientieren. Es war die lachende Stimme von Erin gewesen. Sie stand grinsend neben dem Auto und hatte gegen die Seitenscheibe geklopft. Robert schüttelte sich leicht und stieg dann aus dem Wagen. Nach dem Essen hatte er sich noch für ein paar Stunden Schlaf zurückgezogen und war überzeugt gewesen, das er jeden umbringen würde der versuchte ihn zu wecken. Aber Erins Lächeln war entwaffnend und er streckte sich kurz nach dem Aussteigen.
Er lächelte sie so schief an, wie seine Verfassung ihm eben gestattete und ging dann rüber rum Kofferraum. „Moment, ich muss noch was erledigen." Murmelte er. Erin grinste ihn an. „Kein Problem. Lass dir Zeit." Sie lehnte sich an das Auto und sah ihm zu. Es war mittlerweile recht dunkel geworden und Robert hatte ein Verlangen nach Basishygiene. Er zog aus einer Tasche im Kofferraum eine Flasche Mundspülung und Gurgelte den fiesen Geschmack weg. Dann lockerte er sein Shirt und gönnte sich ein wenig Deodorant.
Er überlegte kurz, ließ dann aber die Jeans und das T-Shirt an. Aber er schlüpfe wieder in den Trenchcoat. Die verborgenen Innentaschen füllte er nun mit Equipment. Ein Teleskopschlagstock, eine Scheibenförmige Granate mit Tränengas und eine Filtermaske gegen jenes Gas verschwanden in die diskreten Taschen. Das Schutzgewebe des Mantels war ebenfalls immer eine gute Idee. Vor allem wenn es um Gangs und illegale Aktivitäten ging. Er schloss den Kofferraum und nickte Erin zu. „Wir können dann los." Sie kicherte: „Und da sagt einer man müsse immer auf Frauen warten." Robert grinste leicht.
Erin stieß sich vom Wagen ab und führte ihn über ein paar Straßen und Hinterhöfe. „Diese Treffen gibt es seit bald fünf Jahren." erklärte sie ihm plaudernd. „Hat mit drei Freunden angefangen und ist dann langsam größer geworden. Jetzt ist einer von ihnen der Buchmacher, einer der Problemlöser und einer hält alles zusammen." Robert fragte nachdenklich: „Also ist es keine richtige Gang, sondern mehr ein..." Erin sprang ein und führte den Satz zu Ende: „Keine Gang, mehr ein Club. Es gibt keine Bruderschaft oder so. Wenn du mitmachen willst, dann schauen sie ob du ehrlich bist und ob du was drauf hast. Und wenn du wieder gehen willst, dann sagst du eben das du keinen Bock mehr hast und kannst gehen. Wenn du dein Geld da angelegt hast... Naja, bekommste dann eben wieder wenn es frei wird."
Robert machte sich im Geiste Notizen und änderte seine Taktik. Er würde weniger aggressiv auftreten und sich nicht ganz soviel Sorgen um seine Sicherheit machen müssen. Auch wenn das Wort Problemlöser in diesem Zusammenhang alles von Sicherheitschef bis Killer bedeuten konnte. Oft war es eher beides. „Wir sind gleich da!" Erin grinste und deutete auf das Ende der Gasse in welcher sie sich befanden. Jetzt erst hörte Robert die Musik. Ein dumpfer Techno und Elektro Beat.
Als sie die Gasse verließen, da wurde ihm klar das er die Sache komplett falsch eingeschätzt hatte. Es waren nicht ein paar Jungs und ihre Bikes, es war das reinste Volksfest. Auf den Bürgersteigen standen hauptsächlich Jugendliche zwischen fünfzehn und Zwanzig, aber auch ein paar ältere Leute. Er sah wenige Typen die ins Gangklischee passten. In einigem Abstand standen Motorräder herum. Keines von ihnen bestand noch aus Originalteilen. Sie waren eher Kunstwerke. Neonlichter funkelten indirekt aus den Verkleidungen und ihre Fahrer erklärten den stauendem Publikum was sie alles umgebaut hatten.
Aber auf der Straße standen die eigentlichen Stars des Abends. Es waren Maschinen die einfach hochgezüchtet waren und bei denen Aussehen völlig egal war. Robert konnte sich nicht vorstellen das eine Einzige von Denen die Straßenzulassung hatte. Das waren in liebevoller Heimarbeit geborene Rennmaschinen. Die Fahrer, alle sehr kleine und drahtige Typen, suchten aber doch etwas Aufmerksamkeit. Ihre Lederkombis waren mit kunstvollen Bildern geschmückt. Ihre Freundinnen wetteiferten indes, welche den kürzesten Rock, die höchsten Heels und die von Sonnenbank am stärksten gegerbte Haut hatte.
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Der Sterbende Zeuge
Fiksi IlmiahDer Ex-Cop Robert übernimmt einen schwierigen Auftrag. Es bleibt ihm nicht viel Zeit und die Spur führt in die schlimmsten Kreise... Es ist die Welt von Shadowrun... Eine dunkle Zukunft in der die Technologie ungeahnte Höhen und der soziale Abgrund...