15. - Finstere Engel

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Robert hatte wieder die Hinterhöfe benutzt. Es war ihm diesmal nicht halb so anstrengend vorgekommen. Vielleicht auch weil die Mauern hier etwas niedriger waren. Dieses mal war ihm aber niemand begegnet. Die Gang, welche für die Menschen hier oft Schutzpatron und Heimsuchung waren, zeigte Aktivität und Eltern ließen ihre Kinder erst wieder raus, wenn die Krise vorbei war. Das sich verirrte Kugeln und Querschläger am liebsten unbeteiligte Zivilisten als Ziel suchten, war ein Phänomen das viel zu wenig erforscht wurde. Robert erreichte die Lagerhalle. Die Planung schien soweit aufzugehen.

Die Mehrheit der Gang war zum Clubhaus geströmt um sich genaue Befehle zu holen. Hier am Lagerhaus war es eher ruhig. Aber durch die Vordertüre konnte er trotzdem nicht rein. Zuviel Aufsehen und zu viele Augen waren auf die Türe gerichtet. Er schaute über die letzte Mauer. Ein paar Männer als Wachposten auf der Rückseite. Zu riskant. Neuer Plan. Robert sprang über zwei andere Mauern und kam an der Seite der Halle raus. Keine Wachen und eine Feuerleiter nach oben. Ein Käfig umgab den Fuß der Treppe. Das war ihnen wohl schon genug Sicherheit. Kein Grund sich mit dem Schloss aufzuhalten, er kletterte einfach den Käfig hinauf. Der Konstruktor hatte sich zwar alle Mühe gegeben es zu verhindern, aber seine Kreation bot noch genug Punkte die wie eine Leiter wirkten.

Robert schlich das letzte Stück bis zum Dach. Gesamt war die Halle etwa drei Stockwerke hoch. Er schaute vorsichtig über die Kante. Ein Kiesdach mit zahlreichen Oberlichtern und einem Wachposten. Der Knabe stand mit dem Rücken zur Treppe und wippte mit dem Kopf. Er hatte die Ohrstecker seines Komlinks in den Ohren und hörte wohl Musik. Wippte zum Takt mit, so wie er sich dabei gab wohl Hiphop. Robert schaute sich nochmal was um. Keine weiteren Kontakte. Kein andere Dach von dem Aus dieses einzusehen war.

Er schlich sich hinter den Jungen und zog ein Messer. Die schwarze Klinge blitze nicht in der Sonne. Ideal für seine Zwecke. Die Musik war so laut gedreht das Robert schon ein paar Meter ihm den Rapper erkannte. Die Songs liefen ständig im Radio. Robert packte ihn und presste seine Hand auf den Mund des Gangers. Nur einen Sekundenbruchteil später durchstach die Klinge den Hals und ließ ihn zuckend in Roberts Hand brüllen. Robert schlitzte ihm die Kehle komplett auf und es dauerte nur wenige Augenblicke bis der Unglückliche das Bewusstsein verlor.

Robert ließ ihn zu Boden gleiten und wischte die Klinge ab. Der Teil der noch Polizist war, fragte entsetzt ob er ihn nicht einfach hätte KO hauen können. Aber Robert wusste längst das es nun nicht mehr um richtig oder falsch ging. Er war kein Bulle mehr und das hier war keine Razzia. Er war kein Held.

Durch die Oberlichter konnte er einen Blick ins innere der großen Halle werfen. Nicht sehr beeindruckend. Sie war kaum zu einem Viertel gefüllt und die meisten Kisten und Kartons schienen schon länger da zu stehen. Dann entdecke er drei Typen die Gewehre aus großen Boxen holten. Präzisionsgewehre, es fehlten ihnen nur noch die Zielfernrohre. Er hatte also recht gehabt. Die Gang bereitete sich auf ein Fest am Sportplatz vor. Sie hatten den Köder geschluckt. Alle ihre Planungen bezogen sich nun auf den kommenden Morgen. Robert schickte ein kurzes Dankgebet an die heilige Mutter des Blutvergießens, welche er grade erfunden hatte. Dann eilte er zu der Dachluke die ihn vom Dach ins Innere führen würde.

Endlich gab es nach. Erin hatte eine gefühlte Ewigkeit gebraucht um zwei Stücke Draht vom Bettgestell zu lösen. Sonst hielten sie die Matratze, und das wohl schon seit Großvaters Zeiten, so als wie die Bettgestelle aussahen. Sie sah sich das Schloss an der Fußfessel wieder an. Es hatte ein recht großes Loch für einen Schlüssel. Er sie auch gebaut hatte, er hatte sie mittelalterlich und einschüchternd gestaltet. Sicher war der Schlüssel den man Brauchte ziemlich groß.

Es war Blödsinn. Das machte das Schloss nicht sicherer, es machte es schwächer. Sie stocherte mit den beiden Stückchen Draht im Inneren herum. Ein sehr altes und archaisches Schloss. Sie brauchte länger als sie gedacht hätte. Musste die Stücke erst in die richtige Form biegen und brauchte einen Haufen Anläufe. Aber endlich klickte es im Inneren. Sie setzte nochmal sicherer an und zwang das Schloss langsam sie los zu lassen.

Der Sterbende ZeugeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt