Einige Tage zuvor...
Terry stand vor der Lagerhalle, welche nun komplett von den Flammen verzehrt wurde. Die Feuerwehr würde nicht kommen. Einerseits war dies ein Kriegsgebiet und andererseits wäre es ein Zeichen der Schwäche gewesen, wenn sie Hilfe brauchten. Also was das Gebäude dem Untergang geweiht und nichts konnte daran was ändern. Er schaute sich um. Die Lage war fürchterlich. Vor ihm am Boden, lag das was vom Boss übrig war. Ein verbrannter, verdrehter Klumpen. Er fühlte keinerlei Traurigkeit über seinen Tod. Im Gegenteil. Das hatte für ihn nur Vorteile. Er war die Nummer Zwei in der Nachfolge gewesen und nun nahm er den obersten Posten ein.
Klar, sie hatten einen Haufen Männer verloren und ein Vermögen war in Flammen aufgegangen. Aber am Ende waren sie nicht. Die Leute hatten jetzt eher noch mehr Angst vor ihnen. Ein verwundetes Tier ist am gefährlichsten. Seine Truppe würde nun noch enger zusammenrücken und ihre Position verteidigen. Das er das Mädchen verloren hatte, dass stieß ihm übel auf. Die kleine war ein erstklassiger Fang gewesen. Sie konnte ziemlich nerven mit ihrer Art, aber er war optisch um im Bett immer auf seine Kosten gekommen.
Die Unterstützung die sie ihnen eingebracht hatte, die monatlichen Zahlungen, würden nun ausbleiben. Aber dafür konnten sie dann den Namen der Gang auch wieder ändern. Jemand hatte mal vorgeschlagen, er solle die Gang in drei T umbenennen. Terrys Terror Truppe. Erst hatte der Witzbold gelacht und Terry lachte nachdem er für diesen Witz eine Schelle kassiert hatte. Sein Fahrer stand hinter ihm am Auto. Das war noch so ein Ding. Sie hatten es nicht geschafft diesen Fluchtwagen einzuholen. Er musste was schnelleres haben.
Er hatte es selbst ja mitansehen müssen. Wie dieses Auto mal eben einen Teil seiner Elite tötete und die meisten schwer verletzt hatte. Und dann war der Wagen auch noch mit den Mädchen gefüllt gewesen die für den Export vorgesehen waren. Es hätte ihm nicht so bitter aufgestoßen wenn sie in den Flammen verbrannt oder im Rauch erstickt wären. Aber das sie jetzt wieder frei waren, dass sie abgehauen waren, dass war wirklich mehr als er ertragen konnte. Es würde neue Beute geben, keine Frage. Und die würde er dann nicht entkommen lassen.
Aber sein Fahrer hatte eben leider recht behalten. Der Fluchtwagen war ihnen einfach davon gefahren und als sie eine von den Bullen geschützte Zone erreichten, da half es auch nichts das er diesem Feigling eine Knarre an den Kopf hielt. Er hatte angehalten und umgedreht. Im Nachhinein konnte Terry ihn verstehen. Aber trotzdem zuckte sein Finger doch wieder bei dem Gedanken. Er hätte ihm einfach den Kopf wegblasen sollen.
Hinter ihm hörte er genau diese Stimme, die eben noch gebettelt hatte das er umdrehen durfte: „Boss.... Da will dich jemand sprechen.“ Das klang gut. Boss. Hatte einen schönen Klang. Er drehte sich nicht um, sondern winkte nur ab. „Nicht jetzt, ich muss mir überlegen wie ich den Karren aus dem Dreck ziehe.“ Das müde Lachen hinter ihm, ließ das Blut in seinen Adern gefrieren. Die Stimme dazu machte es nicht besser: „Aber Terry... Ich bin extra den weiten Weg gekommen.“
Er drehte sich schlagartig um und sah sich dem Mann gegenüber, den alle nur das Einauge nannten. Er war ein grusliger Anblick. Ein Mensch in den sechzigern, das Gesicht von Falten gefurcht und ein Lächeln in dem keinerlei Humor steckte. Aber das schlimmste, war die Sache mit dem Auge. Er hatte nur noch das linke und machte sich nicht die Mühe diese leere Augenhöhle mit einer Klappe zu verdecken. In Zeiten in denen künstliche Augen besser als die natürlichen sein konnten, war sowieso die Frage warum er sich kein neues Auge einsetzten ließ. Legenden gab es zu Hauff, warum. Und jede war abgedrehter als die letzte. Und die drei Trolle die neben dem Mann standen, machten es noch ein wenig schlimmer. Es waren seine Bodyguards, angeblich ehemalige Elitesoldaten und alle durch Implantate zu lebenden Panzern aufgerüstet.
Das Einauge lächelte ihn eiskalt an. „Also Terry... Ich wollte mit eigenen Augen sehen was hier passiert ist.“ Er zündete sich theatralisch eine Zigarre an. Nahm einen genüsslichen Zug. „Ihr hattet... Einen! Einen Job! Einfach nur auf dieses Mädchen aufpassen. Bis ich was anderes sage. Und habt ihr euren Job erfüllt?“ Terry schluckte und sagte leise: „Wir haben... Die hatten uns überrascht....“ Das Einauge schnitt ihm das Wort ab. „Nein! Ihr hab diesen einen Job nicht hinbekommen. Und wenn ich mich hier so umsehe, ihr hab gar nichts! Ihr hab nichts hinbekommen.“ Er schüttelte den Kopf und sah die Zigarre an.
Dank eurem Versagen habe ich nun extremst viel zu tun. Ich muss Anrufe machen und Spuren löschen. Ich muss mal eben über Hundert Konten löschen und auf andere verteilen. Es werden viele Leute auf der Strecke bleiben. Mein Ruf leidet sehr darunter. Ich habe nicht mal die Zeit, diese Zigarre in Ruhe zu rauchen.“ Er sah Terry mit seinem verbliebenen, Eis blauen Auge an. „Und dennoch bin ich den langen Weg hergekommen. Extra um das zu besprechen.“
Er machte ein paar Schritte auf Terry zu, drehte die Zigarre in seiner Hand um und drückte sie ihm mit dem kalten Ende zwischen die Lippen. Terry zog an ihr, er wagte nicht zu widersprechen. „Die... Is gut...“ Murmelte er dem Einauge zu. „Ja, ist eine Cubanische. Echter Tabak. Kein Füllmaterial und keine Chemie. Handgerollt.“ Terry nahm noch einen Zug und hustete. Er wollte sie zurück geben. Das Einauge lächelte ihn an und kniff ihn in die Wange, als wenn er ein kleiner Junge wäre. „Nein, die ist für dich. Genieße sie.“ Dann drehte er sich um und marschierte an seinen Bodyguards vorbei zurück zu seinen Auto. Er hielt nur einen Moment an um ein Kommando zu geben, welches die Drei ungeduldig nickend bestätigten: „Lasst ihn noch auf rauchen....“

DU LIEST GERADE
Der Sterbende Zeuge
Science FictionDer Ex-Cop Robert übernimmt einen schwierigen Auftrag. Es bleibt ihm nicht viel Zeit und die Spur führt in die schlimmsten Kreise... Es ist die Welt von Shadowrun... Eine dunkle Zukunft in der die Technologie ungeahnte Höhen und der soziale Abgrund...