Jeongguk
15.12; 18:15 Uhr
Awkward.
Was machte ich hier eigentlich? Es war nicht so, als wäre ich ein guter Gastgeber. Ich hatte noch nie jemanden bei mir hier unten gehabt. Warum hatte ich ihn überhaupt mitgenommen? So viele Fragen und ich wusste keine Antwort, außer, dass ich dumm war.
Irgendwer hatte mir in den letzten Tagen ins Gehirn geschissen, das musste es sein.
Ich musterte Tae und dass er sich neugierig umsah und das alles hier kein bisschen komisch zu finden schien, ließ mich nur noch awkwarder werden. Was war los mit ihm? Okay, in gewisser Weise war er ich und ich war er. Vielleicht fand er es deswegen okay. Fanden wir die gleichen Dinge gut? Ich hatte keine Ahnung.
"Du... hast hier WLAN?", fragte er irritiert und sah zu mir auf, während er sich die Tasse so drehte, dass er seine Finger daran wärmen konnte. Aus Ermangelung an Alternativen hatte er sich auf mein Bett gesetzt. Ich klickte mit der Zunge. Das war doch alles bescheuert.
Vor allem bekloppt machte mich aber, wie merkwürdig glücklich mich seine Anwesenheit machte. Was sollte das? Er schaffte es, mich von dem Summen in meinem Schädel abzulenken, zumindest ein bisschen. Das war komisch, denn sonst schaffte nichts das. Ich wünschte mir, dass er wirklich eine Weile bei mir bleiben konnte, aber vernünftig war dieser Wunsch nicht.
Warum zur Hölle von allen Dingen, die ich sagen konnte, bot ich ihm mein WLAN an?
Ich setzte mich neben ihn, um nicht mehr rumstehen zu müssen, doch erst als ich saß, registrierte ich, dass mein Aim schon wieder ziemlich dämlich war, denn ich saß nah neben ihm. Viel näher, als ich es eigentlich wollte. Wieso hatte ich das wieder getan? Warum zog es mich unterbewusst in seine Nähe??
Verwirrt von mir selber sah ich mich in meinem Versteck um und ließ es auf mich wirken. Was würde ich wohl denken? Was würde ich wohl denken, wenn ich er war? Ich machte mir normalerweise keine Gedanken darüber, was andere von mir denken können. Doch bei Tae war das was anderes. Seine Meinung war wichtig für mich. Mein Blick wanderte durch den Raum, den ich mir zu eigen gemacht hatte.
Ich hatte diese Baracke bereits vor ein paar Jahren gefunden und als ich gesehen hatte, dass sie von einem Waggon verstellt worden war, dachte ich einfach nur, dass es ein gutes Versteck abgeben würde, denn wer würde darauf kommen, dass im Keller eines alten Bahnhäuschens ein Serienkiller rumhocken würde? Den Strom klaute ich von den Oberleitungen der nahegelegenen Schienen. Das WLAN über Repeater. Ich brauchte es zum Arbeiten. Erst als ich darüber nachdachte, merkte ich, dass ich noch gar nicht geantwortet hatte.
"Ja", murmelte ich und deutete auf den kleinen Tisch, den ich in meinem Unterschlupf stehen hatte. Auf dem stand mein Laptop und diesen brauchte ich auch zum Arbeiten. Nannten wir es mal Recherche. Nannten wir es Kommunikation. Dies, das.
Ich zog meine Beine an und nippte an meinem Tee. Dieser Junge war verrückter als ich, oder? Dass ich mich nach ihm sehnte, machte doch irgendwie Sinn, aber andersherum ging das doch gar nicht klar. Es blieb nur darüber zu sinnieren, wer von uns mehr am Ende war. Er oder ich. Vielleicht ich, weil ich ein Monster war. Vielleicht er, weil er dachte, dass er dieses Monster brauchen würde. Noch schlimmer wäre, wenn er es nicht nur dachte, sondern dies ein Fakt wäre. Er tat mir irgendwie leid.
"Das hier sieht ziemlich süß und cozy aus", meinte er plötzlich und lehnte meine Aufmerksamkeit damit wieder auf sich, "nicht so, wie man sich den Unterschlupf eines Killers vorstellen würde." Nein, wirklich? Wie unerwartet. Welch Feststellung. Billant.
Na ja, immerhin hatte ich eine Antwort und scheinbar gefiel es ihm hier unten. Ich wusste nicht warum, aber es gefiel mir irgendwie, dass es ihm gefiel. Es war seltsam befriedigend. Ich lächelte schmal und er lächelte breit und fröhlich zurück.
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Metanoia
Fanfiction//Metanoia// [meh-ta-noy-ah] - Greek (n.) the journey of changing one's mind, heart, self, or way of life; spiritual conversation. Is it possible to rescue a broken soul? !bxb !echt nicht besinnlicher Aventskalender !angst und drama !but a fluff as...
