Annabeth:
„Au!“ Genervt wische ich den herabhängenden Zweig, der mir gerade direkt ins Gesicht geschnalzt ist, aus dem Gesicht. „Alles okay Neunmalklug?“
Percy läuft vor mir und dreht sich jetzt besorgt um. „Jaja“, murre ich. „Bleib einfach auf dem Weg, wir sind gleich da!“
„Welcher Weg?!“
Der sogenannte Weg hat sich schon vor ungefähr drei Kilometern in Gestrüpp und kratziges Dickicht verwandelt. Nicht mal ein Trampelpfad ist hier zu sehen. Ich konnte wandern ja noch nie wirklich leiden, aber als Percy mir von dieser angeblich wunderschönen Wanderstrecke vorgeschwärmt hat, hat sich sogar bei mir ein bisschen Motivation gemeldet. Diese ist dann mitsamt dem richtigen Weg und meiner guten Laune flöten gegangen. Und jetzt schlagen wir uns seit zwei Stunden durch den Wald. Und in meinem Kopf denke ich mir schon circa dreiviertel der Strecke besonders grausame Strafen und Mordmethoden für Percy aus, mit denen ich ihn nachher für diese Folter von Wanderung bestrafen kann.
Percy behauptet zwar, er kennt den Weg, aber hier sieht alles gleich aus. Sind wir hier nicht vorhin schon mal vorbeigekommen? Percy bleibt stehen, kratzt sich am Kopf und starrt auf die Karte in seiner Hand. Bilde ich mir den ratlosen Ausdruck in seinen Augen nur ein?
„Ich schwöre dir, wenn wir uns verlaufen haben wirst du den morgigen Tag nicht mehr erleben, du Hohlkopf!“
„Ach ja?“ Percy sieht mich belustigt an. „Wie willst du dann jemals wieder hier rausfinden?“
Mist! Das hatte ich nicht bedacht…
„Ich bringe dich einfach um, wenn wir hier wieder draußen sind. Dafür dann besonders langsam und qualvoll.“
Böse stiere ich ihn an. Er blickt mich beschämt an. „Dann bin ich froh, dass ich wenigstens noch so lange zu leben habe, denn ich habe die Karte die ganze Zeit falsch herum gehalten. Wir sind nicht nur in die falsche Richtung gelaufen, sondern ich habe auch absolut keine Ahnung, wo wir uns gerade befinden.“
Das ist doch wohl jetzt nicht sein Ernst! „Wie kann man nur so unglaublich blöd sein?! Verdammt noch mal, das gibt’s doch wohl nicht!“
Er bricht in Gelächter aus. „Entspann dich, ich weiß, wo wir sind!“
„Das will ich verdammt noch mal auch hoffen, du Idiot,“ knurre ich und wir setzen uns wieder in Bewegung. Warum hatte ich noch gleich dieser Wanderung zugestimmt? Ach ja, der werte Mister Jackson hat behauptet, es würde erstens nur eine Stunde dauern und zweitens wäre die Aussicht grandios. Hat ja toll geklappt. Seit zweieinhalb Stunden stiefele ich jetzt hier durch die Gegend und eine grandiose Aussicht habe ich nur auf die kratzigen Zweige, die mir bei jedem zweiten Schritt ins Gesicht peitschen.
Bald bin ich so weit, dass ich meine gesamte Existenz in Frage stelle. Und, bei den Göttern, warum ist Percy immer noch so gut gelaunt? Ich schwitze, die Sonne brennt auf uns nieder und alles juckt. Und…
„Aahhhh, Hilfe!“ Ich mache einen Satz nach vorne und klebe jetzt praktisch an Percys Rücken. Der dreht sich erschrocken um, zieht sein Schwert und hält sofort nach möglichen Angreifern Ausschau. Als er keine entdeckt, blickt er mich fragend an. „Was ist denn los?“ Zitternd deute ich auf eine Spinne, die gerade dabei ist, ein Netz in die Baumkronen über uns zu spannen. „D-Da war eine Spinne“
Ein Schauder läuft mir über den Rücken. Percy nimmt mich in den Arm. „Schhh, alles ist gut. Ich beschütze dich. Die Spinne tut dir nichts!“ Vorsichtig nicke ich. Wir stehen noch eine Weile so da, eng aneinandergeschmiegt, aber irgendwann wird es zu warm und ich löse mich aus seiner Umarmung.
„Gehen wir weiter?“, fragt Percy und ich seufze. „Habe ich denn eine andere Wahl?“ Percy schüttelt den Kopf. „Nein. Aber wir sind gleich da.“ Und gleich ist dieses Mal tatsächlich gleich. Kaum eine viertel Stunde später treten wir aus dem Dickicht der Bäume hinaus auf eine kleine Lichtung.
Hier wächst Gras und unzählige kleine Blümchen und die Bäume werfen ihre Schatten auf einen kleinen Bach, der mitten auf der Lichtung in einen kleinen Teich mündet. Mir bleibt die Luft weg. So etwas schönes hätte ich in diesem Monster von Wald niemals erwartet. Percy breitet nahe beim Wasser eine Picknickdecke aus, aber ich kann mich immer noch nicht rühren. Dann tritt er hinter mich und umarmt mich von hinten. „Gefällt es dir?“ Ich nicke bloß. Mein Gehirn hat wohl irgendwo zwischen den Blümchen, der Picknickdecke und dem Bach den Geist aufgegeben.
Nach einem gemütlichen Picknick mit Sandwiches, Keksen und Apfelschnitzen liegen wir auf der Decke und schauen in die Baumwipfel. Zwischen den Blättern scheint die Sonne durch und malt ein magisches Muster auf den Boden. Irgendwie ist das alles hier furchtbar kitschig, aber gleichzeitig so romantisch und süß, dass der kitschige Anteil mir nichts mehr ausmacht.
Und, und das würde ich niemals vor Percy zugeben, der Marsch durch den Wald hat sich definitiv gelohnt, auch wenn ich davon noch in drei Jahren Kratzer im Gesicht und ein Trauma wegen dem Zwischenfall mit der Spinne haben werde.
Percy hält meine Hand, küsst mich und flüstert mir süße Liebesbekundungen ins Ohr. Alles, was ich brauch befindet sich hier neben mir auf dieser Picknickdecke und dieser Moment führt mir das einmal mehr vor Augen.
Als es langsam dunkel wird, packen wir wieder zusammen. „Das war wirklich schön, danke.“ Ich lächele. Percy lächelt auch. „Mir hat es auch Spaß gemacht.
Du weißt aber schon, dass wir den ganzen Weg jetzt wieder zurücklaufen müssen, oder?“ Schockiert sehe ich ihn an. Das hatte ich in der Zwischenzeit nämlich schon wieder verdrängt.
Hey :)
Der Oneshot ist zwar heute nicht so lang, aber ich wollte mich bei euch einfach mal für unglaubliche über 2000 Reads bedanken. Im Ernst, ihr seid unglaublich, danke danke danke danke!!!♡
Und bevor ich euch jetzt noch ein drittes Mal frohe Ostern wünsche, sage ich lieber gute Nacht und wünsche euch morgen einen schönen Tag :)
DU LIEST GERADE
PERCABETH
Fiksi Penggemarder Titel sagt eigentlich schon alles :) einfach ein paar Percabeth Oneshots
