No tears left to cry

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Wir führten in der Gruppe ein bisschen unbedeutenden smalltalk über das Wetter und die Anreise. Ich fand diese Gesprächsthemen nicht gerade interessant, hörte aber gespannt zu und versuchte mich ebenfalls wie Victoria und Ethan reinzusteigern. Thomas hingegen versuchte mich aktiv in ein Gespräch zu integrieren und stellte mir Fragen, wobei ich manchmal das Gefühl hatte er wollte mich interviewen. Ich fand es eigentlich sogar ganz schön, dass er so aktiv Interesse an mir hatte, ganz im Gegenteil zu Damiano, welcher von Zeit zu Zeit mir einen skeptischen Blick zuwarf und sonst eher an seinem Getränk interessiert war, als ob er sich und seine Wahl in Frage stellen würde.

Nach etwas einer halben Stunde von diesem etwas werden smalltalk raffte sich Damiano auf und schlug etwas vor:" I don't know about you guys but this conversation is boring. I think we should do something instead."

"And what would that be?", fragte ich etwas misstrauisch.

"I don't know, I thought you guys could come up with an idea!", erwiderte Damiano.

"Why are we all here? We are musicians, let's make some music together.", schlug Ethan vor. Ethan ist, von dem was ich bis jetzt erfahren habe, eher der ruhige Typ, aber wenn er etwas sagt, dass hat er immer recht oder hat eine gute Idee, wie eben jetzt.

Wir stimmten alle zu, nur ich war etwas planlos, was als Nächstes geschehen würde. Gehen wir in ein Studio? Machen wir neue Lieder? Covern wir? Oder singen wir alle zusammen Karaoke? Meine Fragen klärten sich ziemlich direkt, als Thomas und Victoria aufsprangen, um ihre Instrumente und Ethan's Drumsticks zu holen.

"So, we're going to cover some songs, what could sing without preparation?", fragte Ethan gespannt.

Um ehrlich zu sein überforderte mich das Wissen und der Druck nur noch mehr, aber irgendetwas in mir hatte Ehrgeiz ausgelöst. Ich wollte endlich mal zeigen, was ich kann, nur leider geht es mir wie vielen in solchen Momenten so, dass mir einfach nichts einfällt, also nannte ich ohne zu zögern das letzte Lied, was ich auf meiner Reise angehört hatte.

"Ehm, I'd take 'I see red' by Everybody Loves an Outlaw.", antwortete ich, um kurz danach zu realisieren, was ich gerade gesagt habe. Das wohl schwerste Lied für meine Tonlage aus meiner Playlist... na toll, hab ich mir ja wieder super eingebrockt. Auf Damiano's ungläubigen und vielleicht auch leicht herablassenden Blick gehe ich hier mal lieber nicht ein. Der Typ nervt mich mit seiner Art ehrlich gesagt auch nur noch.

Natürlich kamen in dem Moment Victoria und Thomas mit ihren Instrumenten wieder und sie freuten sich sichtlich über meine Songwahl.

Ohne zu zögern oder zu proben, spielten alle drei das Lied an, als hätten sie ihr Leben nichts anderes gemacht. Mir blieb keine Zeit mich mental vorzubereiten, geschweige denn meine Stimme aufzuwärmen, trotzdem sang ich erst etwas leise, aber dann immer kraftvoller los.

Nach den ersten paar Worten schloss ich einfach meine Augen und tauchte in meine eigene kleine Welt ab. Ich vergaß, dass um mich herum lauter fremde Menschen und unzählige Augenpaare auf mich schauten und mich wahrscheinlich mit Blicken löcherten. Ich fühlte das Lied ab diesem Zeitpunkt nur noch.

Leider war das Lied auch schon wieder so schnell fertig, wie es begonnen hatte und ich öffnete meine Augen wieder, etwas enttäuscht, dass ich meine Welt verlassen musste. Doch die Enttäuschung verflog, als ich die glücklichen Gesichter der gesamten Band sah, ja, der gesamten Band. Auch Damiano lächelte mich anerkennend an und alle gaben mir einen kleinen Applaus, woraufhin ich etwas rot wurde.

"Thank you guys, it's okay, it was probably not that good...", fing ich etwas unsicher an.

"Are you kidding me? For real, it was good, quite impressive even.", unterbrach mich Damiano und schaute mir in die Augen. Diese verdammten Augen.

Ich konnte den direkten Augenkontakt nicht lange halten und schaute etwas verlegen nach unten. Wir spielten noch ein paar weitere Lieder. Damiano und ich wechselten uns mit singen ab, trauten uns jedoch nicht an ein Duet heran, er versprach, dass wir es das nächste Mal definitiv machen, dann würde er sich sogar darauf vorbereiten.

Er lächelte mich sogar an und ich hatte das Gefühl er würde mich endlich auf seiner Ebene angekommen sehen, wobei das eigentlich ziemlich arrogant war. Dieses neu gefundene Gefühl verflog jedoch schnell wieder, als Tix die Lobby betrat und ich mich schnell verabschiedete. Ich konnte förmlich sehen, wie Damianos Blick wieder kalt und, ja, tut mir leid, abgehoben wurde. Ich hatte jedoch nicht viel Zeit lange darüber nachzudenken, da ich zu Tix lief, ihn begrüßte und gespannt ansah.

Deswegen hasse ich dichWo Geschichten leben. Entdecke jetzt