Ruhig hatte sie sich ohne große Gegenwehr abführen lassen, obwohl es in ihr drinnen tobte. Ein Sturm, ein Feuer. Was aber noch viel weniger für sie zu ertragen war, war der Schmerz, den Loki ausstrahlte. Unsanft wurde sie von den Destroyern in vollkommene Dunkelheit gestoßen. Mit einem lauten quietschen schloss sich die Tür. Nun stand sie in der Finsternis und schlang die Arme um sich, wie um nicht auseinanderzubrechen. Die Kälte, die vom steinernen Boden ausging, kroch allmählich in ihren Körper, was sie erzittern ließ. Irgendwo war ein stetiges Tropfen zu hören, was den Kerker noch ein wenig mehr Kälte verlieh.
Wie hatte sie nur in diese Lage kommen können?
Plötzlich überkam sie das Gefühl der Schwäche, was sie auf die Knie sinken ließ. Die Härte des Bodens würde auf ihren Knien Blutergüsse hinterlassen. Doch das war nun nebensächlich. Wer wusste schon, wann sie das nächste Mal die Sonne sehen würde? Diese Erkenntnis ließ sie sich auf den Boden wie ein Embryo zusammenrollen. Sie war allem beraubt worden, sogar ihrer Würde. Endlich bahnten sich die lange zurückgehaltenen Tränen ihren Weg über ihre Wangen, wo sie am Boden zersprangen. Die gefürchtete Furcht, das Misstrauen zerfraß sie, um einen bitteren Beigeschmack zu hinterlassen.
,,Du hast Loki verzaubert", hörte sie eine Stimme aus der Dunkelheit.
Woher diese kam konnte sie nicht sagen, doch das war auch egal. Diesem Mann, diesem König hatte sie nichts zu sagen. Sie selbst wusste, dass es unmöglich war Loki zu verzaubern, schließlich hatte sie dies bereits versucht. Es blieb still, also war die Stimme fort. Gequält schloss sie die Augen, um ein wenig Ruhe zu finden. An Schlaf war nicht zu denken, denn das Tropfen trieb sie in den Wahnsinn. Sie begann sich an den Gedanken zu klammern, dass es bald aufhören würde, wenn sie der TVA übergeben worden wäre. Beinah ein tröstlicher Gedanke.
,,Sylvie."
Jene Stimme, sie musste träumen. Eine Handfläche berührte ihre feuchte Wange, was sie aufschrecken ließ. In der Dunkelheit stieß sie gegen die harte Mauer des Kerkers, was sie kurz nach Luft schnappen ließ. Ihr Puls raste, während ihre Augen verzweifelt versuchten etwas in der Dunkelheit auszumachen. Spielte ihr Verstand ihr bereits Streiche?
,,Loki", fragte sie in die Dunkelheit.
,,Ich bin hier. Ich wollte dich nicht erschrecken."
Allmählich kam er näher und als sie endlich seine Konturen ausmachen konnte, umklammerte sie seine Schultern. Er war wirklich hier... hier bei ihr. Neuerliche Tränen sammelten sich in ihren Augen, während sie ihr Gesicht an seiner Brust verbarg. Es war wirklich Loki. Der Geruch, der seiner Haut anhaftete, war unverkennbar. Die Furcht wurde ein bisschen weniger. Eine Weile streichelte er behutsam über ihren Rücken.
,,Wenn ich gewusst hätte, wie all das endet, ich hätte dich nicht hergebracht."
Jedes Wort, dass seine Lippen verließ, war ehrlich gemeint.
Sylvie brachte ein wenig Abstand zwischen ihre Körper.
,,Wie bist du hierhergekommen?"
,,Ich hatte ein wenig Hilfe von Thor und meiner Mutter."
Das war ihr Antwort genug. Sie wollte nicht mehr reden. Ihre Finger suchten sein Gesicht, um es zu umfassen. Ein, zwei Herzschläge ließ sie vergehen, bevor sie ihre Lippen auf seine presste. In der ersten Sekunde wirkte Loki ein bisschen überrumpelt, bevor er den Bewegungen ihrer Lippen folgte. Es war, als würden zwei Präsenzen verschmelzen, als würden ihre Lippen perfekt zueinander passen. Die Luft knisterte vor Begehren, als sich Sylvie ruckartig zurückzog. Sie lächelte in der Dunkelheit, denn sie wusste, dass Loki über den Verlauf des Kusses enttäuscht war.
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Lady Loki
Научная фантастикаKann man einem Loki vertrauen? Sylvie und Loki begeben sich auf eine gemeinsame Reise, um die TVA zur Strecke zu bringen. Wobei beide verschiedene Interpretationen dieser Reise haben. Die Liebe braucht Mut; dem Hass reicht notfalls auch Feigheit, um...
