Ihr Atem stockte den Bruchteil einer Sekunde bei dem Anblick, der sich ihr bot. Ohne darüber nachzudenken umgriffen ihre Finger den Türrahmen. Denn dort stand nicht die Person, die sie sich erhofft hatte. Es war Thor, der so weiß war, wie die Wand hinter sich. Der Gott des Donners wirkte wie ein Häufchen Elend, als er sich durchs Haar fuhr. Plötzlich fand Sylvie es schwer zu atmen, und ihre Augen schraken vor dem Anblick zurück. Wie von selbst öffnete sich ihr Mund und es kam nur ein Wort daraus hervor.
,,Loki?"
Endlich huschte sein Blick zu ihr, als würde er sie erst jetzt wirklich wahrnehmen. Kurz schloss er die Lider, was in Sylvies Augen gequält wirkte.
,,Er ist fort. Wohin er so abrupt aufgebrochen ist, sagte er mir nicht."
Plötzlich und ohne Vorwarnung gaben ihre Beine unter ihrem Gewicht nach. Wie betäubt sank sie auf die Knie. Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Das konnte er nicht getan haben. So dumm konnte er nicht sein. Ihre Finger gruben sich in ihre Oberschenkel. Der Schmerz wich Wut und diese Wut traf sie mit einer Wucht. Unwillkürlich biss sie die Zähne zusammen. Sie würde ihn umbringen. Von dem Gefühl der Wut getrieben sprang sie auf die Füße. Ohne ein Wort an Thor zu verschwenden wollte sie an ihm vorbei, doch der Gott des Donners war schneller. Viel zu fest umfasste er ihr Handgelenk, um sie am fliehen zu hindern.
,,Du weißt, wohin er ist."
Ihr Blick kreuzte seinen.
,,Geh mir aus dem Weg."
Der Griff um ihr Handgelenk wurde noch ein wenig fester und begann zu schmerzen. Nach wie vor starrten sie sich in die Augen, während der Druck weiter zu nahm. Eine elektrisierende Spannung baute sich um die beiden auf, sodass die Luft zu flimmern schien. Keiner wollte nachgeben. Er wollte sie mit seiner Macht und Stärke zum Einknicken bewegen. Aber Sylvie hielt mit allem, was sie hatte dagegen. Wenn sie Loki schon nicht gänzlich vertraute, dann doch schon gar nicht Thor. Schon ein weiterer Blick in ihre Augen reichte aus. Ihm wurde klar, dass er keine Chance hatte eine Antwort zu bekommen.
,,Sylvie, du kannst momentan nicht klar denken", versuchte er es nun mit der sanften Masche.
Ihre Lippen waren fest zusammengepresst, als müsste sie sich davon abhalten, etwas zu sagen.
Aus unerfindlichen Gründen wurde sein Blick ein wenig freundlicher. Diesen Blick ertrug Sylvie nicht, sodass sie den Blick abwandt.
,,Es spielt keine Rolle, ob ich weiß, wohin er ist", presste sie zähneknirschend hervor. ,,Er hat seine Entscheidung getroffen."
Stur starrte sie vor sich hin und konzentrierte sich darauf, den Schrei, der in ihr tobte, nicht rauszulassen. Der Druck um ihr Handgelenk wurde wieder ein bisschen fester. Aus heiterem Himmel begann er sie durch den Flur zu ziehen. Dann traten sie durch eine Tür, hinter der sich ein Zimmer befand, das stark an einen Verhörraum erinnerte. Der Raum war leer, es gab keine Möbel. Wofür Loki dieses Zimmer wohl nutzte? Dieses Loft bot also noch einiges an Geheimnissen. Da traf sie die bittere Erkenntnis, dass sie aufgrund dessen, was sie gesagt hatte, jetzt für Thor auch eine von den Bösen war.
,,Ich nehme an, mit deinen übernatürlichen Kräften kämst du hier wohl raus", sagte Thor sehr leise, als rechnete er damit, dass sie jemand belauschte. ,,Du weißt, was du eben gesagt hast, ja?"
Sylvie nickte.
,,Das heißt, im Grunde verurteilst du Loki zum Tode."
Er sagte es nicht als Frage, aber sie antwortete trotzdem.
,,Ich trage nur die Konsequenzen für meine Taten."
Unerwartet zögerte er, schien noch etwas sagen zu wollen, aber dann zuckte er mit den Schultern und seufzte. Die Zeit zurückzudrehen war unmöglich.
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Lady Loki
Ciencia FicciónKann man einem Loki vertrauen? Sylvie und Loki begeben sich auf eine gemeinsame Reise, um die TVA zur Strecke zu bringen. Wobei beide verschiedene Interpretationen dieser Reise haben. Die Liebe braucht Mut; dem Hass reicht notfalls auch Feigheit, um...
