Kapitel Zwei: Lust auf einen Kaffee?

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Erstaunt starrte Sylvie Loki an. Sie versuchte sich seine Frage in Erinnerung zu rufen. Hatte er sie gerade ernsthaft gefragt, ob sie mit ihm einen Kaffee trinken wollte?

Noch immer sah Loki abwartend auf sie hinab. Die Sekunden begannen sich unangenehm in die Länge zu ziehen, je länger Sylvie schwieg. Allmählich begann er sich zu fragen, ob er zu weit gegangen war. Das Bedürfnis Zeit mit ihr zu verbringen, war einfach so über ihn gekommen, dass er sie so etwas Belangloses gefragt hatte. Was sollte er tun, wenn sie verneinte? In seinem Kopf begann er sich schon verschiedene Szenarien zurechtzulegen.

,,Warum nicht", kam unvermittelt von ihr. ,,Ein Kaffee kann nicht schaden."

Beinah erleichtert atmete Loki auf. Zu seinem Glück brauchte er keins seiner Szenarien. Er ging auf die Eingangstür zu, um sie ihr aufzuhalten. Ohne ein Wort huschte sie ins Innere. Sylvie blickte sich erst einmal um, schließlich war all das Neu für sie. Er ließ ihr die Zeit, bevor er in eine Richtung deutete. Sie setzten sich an einem kleinen Tisch einander gegenüber. Auf dem Tisch lag ein weißes Spitzendeckchen. Eine Weile warteten sie, bis eine Kellnerin je eine Tasse dampfenden Kafffee vor ihnen abgestellt hatte. Fast zeitgleich griffen sie nach der Dose mit dem Zucker, wobei sich ihre Finger kurz berührten. Überrascht zogen Sylvie und Loki ihre Hände zurück.

,,Es tut mir leid...", begannen beide zeitgleich.

Sylvie schlug die Lider nieder, während Loki unsicher auf seine Unterlippe biss. Die Situationen, wenn sie zusammen waren, waren mehr als merkwürdig.

Er räusperte sich kurz. ,,Du zuerst."

Rasch kam Sylvie der Aufforderung nach und griff nach der Dose. Mit einem lauten Geräusch platschten die Zuckerstücke in den Kaffee.

,,Milch?", fragte sie.

Loki schüttelte mit dem Kopf. ,,Nur Zucker."

Sie schob die Dose mit dem Zucker auf seine Tischseite, wobei sie akribisch darauf bedacht war nicht noch einmal seine Hand zu berühren. Eine unangenehme Stille legte sich über sie. Die Atmosphäre zwischen ihnen war spannungsgeladen. Jeder der beiden war darauf bedacht keinen Fehler zu machen, sich bloß keine Blöße zu geben. In Gedanken versunken starrte Sylvie aus dem Fenster, um das bunte Treiben draußen zu beobachten. Loki nippte an seiner Tasse, wobei er Sylvies Profil betrachtete. Die Menschen interessierten ihn nicht. Von ihnen hatte er genug gesehen, aber sie zog ihn in ihren Bann. Er hätte sie den ganzen Tag einfach nur weiter so betrachten können. Ihre hübschen dunkelblonden Locken umrahmten ihre Gesichtszüge perfekt. Doch Loki hatte das Rätsel um Sylvie wohl noch nicht gelöst. Ihr Charakter, ihre Talente und ihr Vorgehen waren auch nicht wirklich deckungsgleich mit seinen. Während er den Gedankenstein brauchte, um andere seinem Willen zu unterwerfen, schien mentale Kontrolle ein naturgegebenes Talent von Sylvie zu sein. Es wurde auch immer wieder deutlich, wie unterschiedlich ihre Planungsstrategien waren. Außerdem glaubte er einfach nicht, dass Sylvie die ganze Zeit die Wahrheit sagte, wenn überhaupt.

,,Wonach suchst du?", fragte er unvermittelt.

Für den Bruchteil einer Sekunde löste Sylvie den Blick von dem Treiben, um Loki in die Augen zu sehen. Diese Sekunde fühlte sich für ihn an wie eine Ewigkeit, bis sie den Blick wieder abwandte.

„Alles, was ich suche, ist ein tieferes Verständnis des furchterregenden Gottes des Unfugs."

Ihre Antwort brachte ihn tatsächlich zum Schmunzeln, denn er wusste, dass sie log.

„Ok schau, du vertraust mir nicht? Auf eines kannst du vertrauen. Ich liebe es, Recht zu haben."

Unwillkürlich begann Sylvie zu Lachen. Der Klang ihres Lachens gefiel ihm. Er beschloss es öfter hören zu wollen, darum redete er einfach weiter, auch wenn er sich um Kopf und Kragen reden würde.

Lady LokiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt