Starr blickte Loki die Wand vor sich an, während seine Finger das Glas ein wenig fester umklammerten. Es war eine Frage mit der er nicht so schnell gerechnet hätte. Die Wirkung des Weines schien sie nicht so sehr abzulenken, wie Loki es geplant hatte. Er wusste nicht so recht, was er ihr antworten sollte. Seine Pläne waren nie in Stein gemeißelt.
,,Loki?", wiederholte Sylvie erneut. Nun ein wenig drängender. Der leichte Anflug von Benommenheit, durch den Alkohol war viel zu schnell verflogen.
Der Abend hatte so vielversprechend begonnen, doch nun würde er in einer Loki typischen Katastrophe enden. Der Plan ihre Zunge mit dem Wein zu lockern war gründlich nach hinten los gegangen. Er musste keinen Blick auf sie werfen, um ihren Zorn über sein fortwährendes Schweigen zu spüren. Es brannte förmlich auf seiner Haut. Ihre Wut wurde zu ihrer Waffe und diese Tatsache war gefährlich. Es machte sie gefährlich. Das Glas in ihrer Hand begann kleine, feine Risse zu bekommen, bevor es zerbarst. Die winzigen Splitter und die restliche Flüssigkeit verteilten sich am Boden. Mit angespannter Miene betrachtete Loki die immer größer werdende Pfütze, die sich rasch ausbreitete. Die dunkelrote Färbung erinnerte ihn an die Farbe von Blut. Langsam hob er den Blick, um zu ihr zu linsen. Sylvie hatte noch kein Wort gesagt, doch ihr Unterlippe zitterte verdächtig. Der Vulkan stand kurz vor dem von Loki gefürchteten Ausbruch. Und tatsächlich keine Sekunde später sprang Sylvie ruckartig auf. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
,,Ich hätte es wissen sollen! Du hast keinen Plan."
Sofort hob Loki in dem Versuch sie zu beruhigen die Hände. Es war ein Angebot auf Frieden oder Waffenstillstand, doch Sylvie ignorierte seine Geste einfach. Blind vor Wut lief sie auf die einzige Tür in ihrer Nähe zu, die zum Schlafzimmer führte. Sie riss die Tür schwungvoll auf und ließ sie mit einem lauten Knall ins Schloss fallen. Unwillkürlich zuckte Loki, der es nicht gewagt hatte sich von dem Sofa zu erheben, zusammen. Das laute Geräusch hallte noch in seinen Ohren. Während Sylvie von ihrer Situation gefrustet an der Tür hinab sank.
Warum hatte sie nicht einfach auf ihr Bauchgefühl gehört?
Warum hatte sie ihm vertraut?
Jetzt saß sie auf dem ihr fremden Planeten fest, in einer Zeitline von der sie keine Ahnung hatte und das auch noch mit diesem Idioten, den sie von Sekunde zu Sekunde mehr begann zu hassen. Schließlich war es er, der ihr all das eingebrockt hatte. Die Wut ließ eine Ader an ihrem Hals pulsieren. Es war nicht ihre Intention gewesen vor ihm zu flüchten, es war mehr aus dem Impuls geschehen Schlimmeres zu verhindern. Sie war sich sicher, dass sie Sachen gesagt oder getan hätte, die zu einer Eskalation geführt hätten. Ihre Faust traf auf das Parkett. In der Stille des Raumes begann sie nachzudenken. Und wieder einmal war es Loki, der ihr zu erst in den Sinn kam. Loki war ein sehr gerissener Charakter, der oft nach seinem Vorteil handelte und dabei sowohl Freund als auch Feind war, wie es ihm passte. Er redet gerne, wobei seine Kommentare von witzig bis zu beißend reichten. Der Asgardianer hatte eine tiefgründige Seele, denn er dachte über vieles nach und hatte eine besondere Sicht auf manche Dinge. Dieser Loki war sehr neugierig und wollte immer erkunden, was um ihn herum vorging. Es war eine der nervigsten Eigenschaften an ihm, denn sie spürte, dass er sie erkunden wollte. Plötzlich holten Schritte sie aus ihren Gedanken. Es waren seine Schritte, die sich unaufhaltsam der Tür näherten. Schlagartig beschleunigte sich ihr Herzschlag, als seine Schritte verstummten. In erwartungsvoller Spannung lauschte Sylvie.
Vor der Tür blieb er stehen, während er die Hand ausstreckte, um mit dem Handrücken die Tür zu berühren. Warum er das in diesem Moment tat, wusste er selbst nicht. Eine Weile blieb es still, bis er leise zu sprechen begann.
,,Es war nicht meine Absicht dich wütend zu machen."
,,Das ist etwas, dass du sehr gut kannst", zischte sie zurück, wobei ihre Stimme gedämpft war durch die Tür zwischen ihnen.
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Lady Loki
FantascienzaKann man einem Loki vertrauen? Sylvie und Loki begeben sich auf eine gemeinsame Reise, um die TVA zur Strecke zu bringen. Wobei beide verschiedene Interpretationen dieser Reise haben. Die Liebe braucht Mut; dem Hass reicht notfalls auch Feigheit, um...
