,,Bruder", kam es Loki über die Lippen.
Thors Mundwinkel hoben sich, während er Loki amüsiert betrachtete.
,,In deinem Selbstmonolog war ich wohl der Letzte, den du erwartet hast."
Wie versteinert saß Loki noch immer auf dem Randsims des Daches. Plötzlich war da wieder diese Furcht, die es ihm schwer machte zu sprechen. Es waren die Erinnerungen, die ihn nicht mehr los ließen. Es waren die Bilder, die er niemals hätte sehen dürfen. Dass, was er gesehen hatte, veränderte seine Wahrnehmung über Thor. Es ließ ihn plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. Starr beobachtete er, wie Thor ihm allmählich näher kam. Eine gewisse Vorsicht lag in seinen Schritten, so als würde er auf einen Hinterhalt warten.
,,Wir sollten reden."
Seinen Worten ließ er eine Geste des Friedens folgen. Thor streckte Loki die Hand entgegen. Unschlüssig wie er sich verhalten sollte betrachtete Loki die geöffnete Hand.
,,Das seh' ich anders, offene Gespräche waren noch nie die Stärke in unserer Familie."
Unwillkürlich ließ Thor die Hand sinken, wobei er nun neben Loki stand und betrachtete den Glanz des nächtlichen New Yorks. Er mochte die Stadt viel mehr, als es Loki tat. Die Erde war ihm wichtig, nicht so seinem Bruder. Thor begann sich zu Fragen, warum Loki auf der Erde verweilte, wenn er sie doch zu hassen schien. Er könnte an jeden Ort, warum gerade Midgard. Aber er fragte nicht nach, denn es gab wichtigeres zu Besprechen.
,,Du musst nach Asgard zurück, um für deine Fehler buße zu tun."
Lokis Blick blieb hartnäckig auf die Stadt gerichtet. Gerade Thor sprach von Fehlern.
,,Ich wollte nie den Thron. Ich wollte immer nur dir gleich sein."
,,Ich weiß. Nur hast du dazu die falschen Mittel benutzt", sagte er in die Stille. ,,Du warst deinem König ungehorsam! Dein Schicksal liegt fortan in seinen Händen!"
Die noblen Worte seines Bruders ließen ihn die Augen verdrehen. Fieberhaft dachte er über seine Möglichkeiten nach. Er konnte noch nicht nach Asgard zurück. Der Gedanke, der ihm in den Sinn kam, fiel ihm schwer auszusprechen, doch Loki schluckte seinen Stolz hinunter.
,,Thor, ich brauche deine Hilfe."
Abrupt schossen Thors Brauen in die Höhe.
,,Du musst sehr verzweifelt sein, wenn Du mich um Hilfe bittest!?"
Oh ja, das war er.
Mit einer unglaublichen Leichtigkeit schwang Thor Mjölnir in seiner Hand, während er darauf wartete, dass Loki weiter sprach.
,,Es gibt da eine Frau..."
Der Hammer fiel geräuschvoll zu Boden, sodass Loki innehielt. Thor begann lautstark zu Lachen, wobei er sich mit den Handflächen auf die Knie klopfte.
,,Du und eine Frau wirklich?"
Warum hatte Loki noch einmal geglaubt Thor würde sich nicht über ihn lustig machen?
,,Ja", entgegnete er schnippisch.
,,Die will ich sehen", prustete Thor, wobei er sich nach dem Hammer bückte.
,,Meinetwegen, wenn du dann nicht mehr darauf bestehst mich nach Asgard bringen zu müssen."
Erst jetzt begann Thor zu begreifen, dass das kein Scherz oder ein Ablenkungsmanöver war. Es war Lokis vollster Ernst.
,,Hmm, wir werden sehen."
Mit einem tiefen Seufzer erhob sich Loki, um vor Thor die Feuerleiter hinabzusteigen. Zurück im Loft überlegte er wie er Thor vorstellen sollte. Er hatte keine Ahnung ob Sylvie irgend etwas über Thor wusste, noch wie er aussah. Doch sollte er sich einer Lüge bedienen, könnte es sein, dass sie ihn dafür hasste.
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Lady Loki
Science FictionKann man einem Loki vertrauen? Sylvie und Loki begeben sich auf eine gemeinsame Reise, um die TVA zur Strecke zu bringen. Wobei beide verschiedene Interpretationen dieser Reise haben. Die Liebe braucht Mut; dem Hass reicht notfalls auch Feigheit, um...
