,,Du glaubst Loki lebt?"
Die Fassungslosigkeit, die in Thors Worten mitschwang machte Sylvie wütend. Wie konnte er nur eine Sekunde daran zweifeln, dass Loki so etwas überleben könnte. Für einen flüchtigen Moment ballte sich ihre Hand unter der Decke zur Faust.
,,Ich glaube das nicht nur, ich habe ihn gesehen, an dem Ort, an dem ich war. Dorthin muss ich zurück, um ihm zu helfen."
Um ihn zu retten, wie er es bei mir getan hatte, dachte sie stumm.
Unwillkürlich packte Sylvie Thors Hand. Fragend sah er sie an. Nun beugte sie sich ein wenig näher zu ihm und senkte die Stimme.
,,Ich brauche deine Hilfe."
Für den Bruchteil einer Sekunde weiteten sich seine Augen, bevor er nickte.
,,Was soll ich tun?", flüsterte er zurück.
Sie wusste nicht, ob es funktionieren würde, aber sie musste es versuchen. Es war die einzige Chance für Loki.
Es war düster und kalt, wo immer er auch war. Der Nebel ließ ihm kaum die Hand vor Augen sehen, doch er war sich sicher gewesen, dass er sie gehört hatte. Wie sie verzweifelt seinen Namen gerufen hatte. Eine Weile, nachdem ihre Stimme verstummt war, hatte er sich auf die Suche nach ihr gemacht. Aber diese Spur verlief sich im Sande, mittlerweile glaubte er sogar, dass er sich das nur eingebildet hatte. Wunschdenken seinerseits. Eine unendliche Müdigkeit ergriff von ihm Besitz, von jedem einzelnen Knochen in seinem Körper. Seine Beine fühlten sich an wie Blei, das er nicht vom Boden heben konnte. Das Gefühl der körperlichen Schwäche konnte er einfach nicht abschütteln. Des letzten Rests seiner Stärke beraubt sank er mit den Knien auf den harten Erdboden. Dieser Ort war wie ein schwarzes Loch, ein Labyrinth, aus dem er keinen Weg hinausfand. Seine Kehle fühlte sich staubtrocken an. Das Verlangen nach Wasser war überwältigend. Loki wischte sich über die feuchte Stirn, während er in die neblige Dunkelheit starrte. All das, was er bis jetzt überlebt hatte, führte ihn also hier her, um zu sterben. Das war der Ort, doch das Gefühl von bereuen setzte nicht ein. Im Gegenteil, er fühlte sich dankbar, dass er sie getroffen hatte, dass er das Gefühl von Verbundenheit, von Verständnis, einmal in seinem erbärmlichen Leben spüren dürfte. Bei diesen Gedanken begann er zu Lächeln, ein wahrhaftiges Lächeln.
All das, war so Loki untypisch. Keine Sekunde hatte er darüber nachgedacht, sondern sich einfach in die Schusslinie geworfen, nur um sie zu retten. Früher hätte er das nicht getan, für niemanden. Sie war es, die sein gesamtes Wesen veränderte und sein Leben auf den Kopf gestellt hatte. Es kam ihm in den Sinn, dass er sich fast schon wie Thor anhörte. Die Liebe verdrehte seinen Kopf. Loki war also nicht mehr Loki.
Was machte einen Loki zu einem Loki?
Noch immer kniete er auf dem Erdboden, während seine Finger sich in die dreckige Erde bohrten. Doch je länger er über diese Frage nachdachte, desto mehr kehrte ein wenig seiner alten Stärke zurück. Er mochte zum Verlieren verdammt sein, aber aufgeben kam nicht infrage. Selbst das würde er überleben, um zu seinem glorreichen Ansinnen zurückzukehren. All seine Kraft mobilisierte er, damit er sich auf die Beine stemmen konnte, um sich mit wackeligen Schritten weiterzuschleppen. Das Gefühl von Durst und das Kratzen im Hals ignorierte er. Jeder Schritt weiter in die Dunkelheit schmerzte, nirgendwo gab es einen Funken Licht. Es war der Gedanke, an sie, der ihn vorantrieb. Wenn es eine Tragödie war, wenn es pures Chaos war oder Narzissmus, sie zu lieben, dann war es das, was er wollte. Liebe brachte sogar Götter dazu dumme Dinge zu tun. Er würde Raum und Zeit, Himmel und Hölle überwinden, um zu ihr zurückzukehren. Seine Hand ballte sich zur Faust, als er weiter gegen die Dunkelheit ankämpfte, die ihre schwarzen Tentakel nach ihm ausstreckten.
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Lady Loki
Science FictionKann man einem Loki vertrauen? Sylvie und Loki begeben sich auf eine gemeinsame Reise, um die TVA zur Strecke zu bringen. Wobei beide verschiedene Interpretationen dieser Reise haben. Die Liebe braucht Mut; dem Hass reicht notfalls auch Feigheit, um...
