Nathalies Tag fing wie jeder andere an.
Wie immer hatte sich sich morgens, in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett gewälzt, um ins Badezimmer zu verschwinden, wo sie sich eine Dusche erlaubt hatte, welche ihr helfen sollte, ihre müden Geister zum Leben zu erwecken. Wobei ihr das erst gelang, als sie bei ihrer ersten Tasse Kaffee am Küchentisch saß. Wie wundervoll sich der erste Schluck am morgen anfühlte. Für einen Sekunde schloss sie die Augen um ihn noch mehr zu genießen.
Mit einem zufriedenen Nicken richtete sie ihren Blick auf ihr Tablet. Es würde noch ein paar Pläne für die ganzen Termine gemacht werden müssen.
Und da war auch noch das, was Karasu gestern gesagt hatte. Noch immer ließ es ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Sie wusste wer sich hinter der Maske verbarg. Nur sie war nur sein Ziel unklar. Er hatte den Wunsch bereits geäußert. Hinter was könnte er jetzt noch her sein? Die Weltherrschaft? Chaos?
Nathalie nahm einen weiteren Schluck aus ihrer Kaffeetasse.
Es machte sie traurig an Tyler zu denken. Er war ein so netter Junge gewesen, aufrichtig, ruhig aber keineswegs gemein in irgendeiner Hinsicht. Was um alles in der Welt war nur mit ihm passiert, dass er sich so verändert hatte? So sehr, nicht ein mal sie hatte ihn wieder erkannt. Obwohl Tyler anscheinend bereits seit Jahren ein Arbeitspartner von Gabriel gewesen war und sie ihn immer hin schon kannte, als beide noch nicht einmal das kleine Ein mal Eins beherrschten. Wieso um alles in der Welt hatte sie ihn also nicht erkannt? Nicht in all den Jahren, auf der Gala oder in Shanghai. Es machte sie Wütend und erfüllte sie mit Scham.
Doch war ihr auch klar, dass sie sich aus den Augen verloren hatte, nach dem sie zur Uni gegangen war. Irgendwas musste also in der Zeit passiert sein, wodurch er sich so verändert hatte.
"Morgen.." begrüßte sie Celine verschlafen, die nur so an die Kaffeemaschine getappt kam. Was Nathalie aus ihren Gedanken ausbrechen ließ, ihre Schwester jedoch nur mit einem kurzen Nicken begrüßte.
Mit einem weiteren großen Gähner schüttete sich Celine ebenfalls etwas in ihre Tasse, bevor sie sich zu ihr drehte. "Du bist schon so früh am arbeiten?..."
"Ich muss Nachforschungen anstellen.."
"Über Karasu oder Hawk Moth?.."
"Karasu, es gibt noch zu viele Sachen die keinen Sinn ergeben."
Celines Blick wurde ebenfalls ernster, als die Erinnerungen an den vergangenen Tag hochkamen. Sie quälten Celine noch immer. Karasu alleine war Beängstigend genug. Doch mit ansehen zu müssen, wie ihre sonst so selbstbeherrschte Schwester so die Kontrolle verlieren konnte, dass hatte ihr wirklich Angst gemacht. Mit einem Blinzeln verbannte sie die Erinnerungen daran und drückte den Knopf um das Radio an zu machen. Sie wollte ihren frühen Morgen nicht schon direkt mit schlechten Erinnerungen verderben.
"...-die aktuellen Meldungen, kommen wir zu dem Wetter in Paris. Das Hoch Katharina macht sich weiter bemerkbar, so können wir auch heute auf puren Sonnenschein hoffen. Bei Höchstwerten von bis zu 25°C."
"Also haben wir heute auch wieder schönes Wetter!" stellte Celine freudig fest. Nathalie beneidete sie, wie schnell sich ihre Gemütslage verändern konnte und wie sehr sie sich über die kleinen Dinge freuen konnte. Wie zum Beispiel gutes Wetter, Sonnenschein für 3 Tage in Folge. "Dann kann ich den Unterricht heute, nach draußen verlegen! ~" erzählte Celine weiter, was Nathalie zum lächeln brachte. Adrien hatte es immer geliebt mit ihr im Garten zu lernen, es half ihm sich besser zu konzentrieren. Was sich auch in seinen Leistungen widerspiegelte.
In einem Zug leerte Nathalie ihre Tasse, bevor sie diese ins Waschbecken stellte und nach ihrer Tasche griff. "Da wünsche ich dir dann viel Spaß dabei. Ich versuch heute nicht zu spät nach Hause zu kommen."
"Das will ich auch hoffen! Ich mach heute mein leckeres Curry! Da bist du besser dabei!" ermahnte sie Celine, was Nathalie dazu brachte ihre Hand zu heben. "Ich verspreche es." sprach sie, bevor sie die Wohnungstür aufschloss und hinaus zu ihrem Auto trat. Die Sonne strahlte ihr schon entgegen. Es war wirklich ein schöner Tag.
Ein normaler Tag. Wie immer.
Was jedoch nicht normal war, war Gabriels Verhalten.
Verwirrt beobachtete Nathalie ihn von der großen Halle aus, durch die offene Tür seines Arbeitszimmers. Sie wusste, er war schon immer eine sehr ruhige Persönlichkeit gewesen. Doch wenigstens hatte er es bis heute immer hin bekommen, Nathalie wenigstens morgens wenn sie zur Arbeit kam zu begrüßen. Nicht aber heute.
Steif und mit einer Hand in der Hüfte stand er vor seinem Bildschirm, vollkommen abwesend und desinteressiert, was um ihn herum passierte.
Mit einem Räuspern machte sich Nathalie erneut bemerkbar. "Guten Morgen, Mr. Agreste!" wiederholte sie erneut und dieses mal in einem lauteren Ton, der ihn endlich dazu zwang sich zu ihr um zu drehen.
"Ich bin beschäftigt. Siehst du das nicht?" gab er nur kühl zurück.
Hatte sie ihn mit irgendwas verärgert? War es wegen der Aktion mit Adrien? Aber das hätte er bereits angesprochen, hätte es ihn gestört. Wenn es um die Arbeit oder seinen Sohn ging, war Gabriel nicht jemand, der einem die kalte Schulter zeigte, um darauf aufmerksam zu machen, dass ein Problem vorhanden war. Nein er würde es direkt ansprechen, um es aus dem Weg zu räumen.
Mit einem seuftzer nahm Nathalie ihr Tablet zu Händen "Sir, Sie haben heute ab 10 Uhr ein Meeting zur Bespre-"
"Sag das ab."
"Bitte?.."
"Sag es ab. Ich bezahlte dich doch dafür das du das tust, oder nicht? Was noch?"
"..Heute um 14 Uhr wird an Adriens Schule das gestrige Ereignis wiederholt, da der Akumangriff zu lang dauerte. Das die Erziehungsberechtigen der Kinder ihre jeweiligen Berufe vorstellen können."
"Dafür besteht keine Notwendigkeit" gab Gabriel erneut kühl mit jeglichem desinteresse in jedem Wort, was Nathalie endgültig die Geduld verlieren ließ.
"Adrien würde sich sehr freuen.."
"Ich habe keine Zeit"
"Ich sollte doch eben den Termin absagen" zischte Nathalie nun hervor, in einem Ton, den Gabriel ihr wohl gerade noch so durch gehen lassen würde.
"Bemüh dich nicht, Nathalie" sprach nun Adrien der die Treppe herunter getrottet kam, seine Schultasche, die er sonst so energisch trug, hing nun schlaff von seinen Schultern, genau so wie sein Kopf der stur auf den Boden gerichtet war. "Ich habe es auch schon versucht, aber er hört nicht zu..."
Nathalie konnte spüren wie der Griff um ihr Tablett stärker wurde. Wenigstens ihre Gesichtszüge konnte sie noch kontrollieren. Obwohl sie ihm am liebsten das Tablet an den Kopf werfen würde. Nicht das sich Gabriel sonderlich dafür interessierte, was sie gerade tat oder wie sein Sohn ganz offensichtlich nicht in der besten Verfassung war.
Hastig stopfte sie das Tablet in die Tasche zurück, welche sie sich ebenfalls im die Schulter warf, um ihre freie Hand auf Adriens Schulter zu legen. "Komm Adrien. Die Schule wartet." erklärte sie, bevor sie mit ihn quasi aus der Villa schubste.
"Sollte mein Bodyguard mich nicht fahren?" blinzelte er Nathalie verwundert an.
"Ich hab den Vormittag frei. Ich fahr dich" erklärte sie und bevor Gabriel noch protestieren konnte, knallte sie die Tür der Halle zu.
DU LIEST GERADE
Hedgehogs Dilemma
Fanfictionein Hedgehogs-Dilemma beschreibt die Situation in welcher eine Gruppe von Igeln die gegenseitige Nähe suchen, um sich in kalten Nächten warm halten zu können. Jedoch müssen sie immer einen gewissen Abstand zueinander halten, da sie nicht vermeiden...
