Gäste

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Gäste

Als Fiona am Tag der Geburtstagsparty aus ihrem Büro nach Hause kam, traf sie fast der Schlag. Der Boden ihrer Wohnung war kaum noch zu sehen. Alles war über und über mit Luftballons gefüllt. Über dem Türrahmen zum Wohnbereich hing eine bunte Girlande.
Happy Birthday.
Von der Decke hingen Luftschlangen in allen Farben des Regenbogens. Sie kam sich vor wie auf einem Kindergeburtstag. Aus dem Wohnzimmer hörte sie Stimmen. Sie hing ihre Aktentasche an die Garderobe und trat hinein.
Im Wohnzimmer sah es nicht besser aus. Ana und Lara waren grade dabei, eine weitere Girlande über der Balkontür anzubringen.
32 never looked so good.

„Ah, hi Fiona!" grinste Ana sie an, als diese sie erblickte.

„Eh, hallo." entgegnete Fiona, sichtlich überfordert von der neuen Dekoration in ihrer Wohnung.

„Na, was sagst du?" Lara trat von der kleinen Leiter herunter und sah sie erwartungsvoll an.

„Ich... weiß ehrlich gesagt nicht, was ich sagen soll." lachte Fiona unsicher. „Meinst du nicht, dass das ein bisschen zu viel ist?"

„Zu viel?" empört sah Lara sie an. „Es gibt kein zu viel bei Geburtstagsfeiern."

Doch. Fiona war sich ganz sicher, dass es sehr wohl ein zu viel gab und das hier war der Inbegriff davon. Sie musste aufpassen, nicht einen der vielen Luftballons zu zertreten, als sie in die Küche schlurfte, um sich einen Kaffee zu machen.
Unmengen an alkoholischen Getränken standen auf der ganzen Arbeitsfläche verteilt. Fiona musste einige Havanna Club Flaschen aus dem Weg räumen, um an die Kaffeemaschine zu gelangen.

„Darf ich mal fragen, wie viele Leute du eingeladen hast?" rief sie zu Lara in's Wohnzimmer.

„Nicht so viele. Ein paar Kommilitonen, die Mädels aus meinem Yoga Kurs, ein paar Kollegen aus der Bar..." zählte sie auf. „Aber ich dachte halt, sicher ist sicher. Nicht, dass uns der Alkohol ausgeht."

„Das wäre fatal." lachte Ana.

In Anbetracht der Umstände, dass auch Felix kommen würde, gab Fiona ihr Recht. Das wäre tatsächlich sehr fatal. Sie müsste heute eine Menge trinken, um diesen Idioten zu ertragen.

„Du sagtest, Patrick würde auch kommen, oder?" fragte Lara, die in die Küche eintrat.

Fiona nickte. „Ja, der kommt nur ein bisschen später, weil er noch arbeiten muss."

„Habt ihr jetzt eigentlich mal geklärt, was das zwischen euch ist? Seid ihr jetzt zusammen?" fragte Ana, die Lara bei trat und Fiona neugierig ansah.

„Ich weiß nicht. So genau haben wir das bis jetzt nicht besprochen." antwortete Fiona.

„Naja, wir sind ja auch nicht mehr in der 8. Klasse, in der man den anderen noch diese dumme „Willst du mit mir zusammen sein?"-Frage stellt. Ich glaube schon, dass ihr euch als Paar ansehen könnt." erklärte Ana.

„Mhm." machte Lara sarkastisch. „Ein Paar, dass noch nie so richtig die Nacht miteinander verbracht hat."

„Wie?" fragte Ana verwirrt.

„Na, sie hat noch nie bei ihm geschlafen. In den ganzen zwei Wochen nicht. Er auch nicht bei ihr."

„Wieso denn das?" Ana wandte sich wieder an Fiona, die ihre heiße Tasse Kaffee in der Hand hielt.

„Hat halt bisher noch nicht gepasst." log sie. „Wir arbeiten beide viel."

„Lara und ich haben auch viel zutun und trotzdem schlafen wir fast jede Nacht beieinander."

„Ist ja schön für euch. Wir machen das eben anders." fuhr Fiona sie an und bereute es sogleich wieder. „Sorry, sollte nicht so böse rüber kommen wie es klang."

„Du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?" fragte Lara. „Ich bin deine beste Freundin. Wenn es da irgendwas gibt, worüber du reden möchtest..."

„Nein." entgegnete Fiona. „Also, ja. Ich weiß. Danke, aber da gibt's wirklich nichts. Ist alles gut. Es läuft gut. Ich brauche nur einfach immer auch noch ein bisschen Zeit für mich, das weißt du doch."

„Ich weiß." nickte Lara. „Das Angebot steht trotzdem. Immer."

„Danke." Fiona lächelte versöhnlich. „Braucht ihr noch Hilfe beim dekorieren oder ist soweit alles fertig?"

„Ich denke, wir haben alles, oder?" fragte Ana und sah sich um.

„Ich denke auch." entgegnete Lara freudig. „Jetzt müssen wir nur noch auf die Gäste warten."

„Alter, dit is' aber n bisschen viel Kinderjeburtstag, findeste nich'?" lachte Felix, der einer der ersten Gäste war, die erschienen waren. Skeptisch sah er vom Ballon Teppich hoch zu Lara. Wieder trug er ein, für Fionas Geschmack, viel zu weites Hemd, dessen Knopfleiste ebenfalls ein bisschen zu weit auf war und einen Blick auf seine durchtrainierte Brust frei gab. Sie fragte sich, was er wohl damit bezwecken wollte? War er in der Hoffnung, hier irgendein Weib abschleppen zu können, das dumm genug war, sich auf ihn einzulassen?
Seine Haut schien ebenmäßig und weich und schimmerte unter dem hellen Deckenlicht des Flures. Fiona schien wie hypnotisiert von dem Anblick.

... bis du zitternd unter ihm zusammen gebrochen bist und dein Körper pulsiert hat?

„Ist das dein Zimmer hier?" hörte sie Felix sagen und schüttelte sich kurz, um ihre Gedanken zu ordnen.

„Was?"

Felix stand im Türrahmen zu ihrem Zimmer und spähte hinein. Fiona machte zwei große Schritte nach vorne und langte zur Türklinke.

„Ja. Und ich glaube nicht, dass du darin etwas zu suchen hast." sprach sie, drückte ihren Körper gegen Felix, drängte ihn zurück in den Flur und schloss die Tür.

„Keine Pferde, hm?" mokierte er.

„Felix..." sprach Ana flehend. „Du kannst es nicht sein lassen, oder?"

„Na, was denn? Ick hab doch jar nichts gemacht." lachte er. Langsam hatte Fiona die Faxen dicke. Sie nahm all ihren Mut zusammen und bäumte sich vor ihm auf.

„Jetzt hör mir mal gut zu. Wenn du nicht sofort rückwärts wieder durch die Wohnungstür gehen möchtest, rate ich dir, dich von meinem Zimmer, und am Besten auch direkt von mir, fernzuhalten. Ich habe keine Lust auf deine ach-so-lustigen Kommentare und dein dämliches Grinsen will ich auch nicht sehen. Du bist nur hier, weil Lara gastfreundlich ist und ich ihre Party nicht crashen will. Aber höre ich heute nur noch einen falschen Ton von dir, vergesse ich meine guten Manieren und schmeiße dich eigenhändig raus. War das deutlich genug?"

Felix sah sie an. Seine blauen Augen wirkten dunkler als zuvor. Sein durchdringender Blick machte ihr Angst, aber niemals würde sie jetzt Schwäche zeigen und zurück weichen. Nach einer unerträglich langen Stille atmete er einmal tief durch und räusperte sich. „Dein Punkt wurde klar." murmelte er.

„Gut." zischte Fiona. Sie wandte sich zu Ana und Lara, die sie beide wie versteinert ansahen. „Trinken wir jetzt, oder was?"

Ohne auf eine Reaktion zu warten ging sie voran in Richtung Küche. Ana sah belustigt zu Felix. „Das war mal ne Ansage." lachte sie. „Die Süße hat Feuer. Leg dich besser nicht mit ihr an."

Felix sah Fiona nach und ein schiefes Grinsen legte sich auf sein Gesicht. „Jetzt erst Recht."

Überwiegend Macho (Felix Lobrecht FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt