Blöd
Fiona öffnete die Augen. Sie spürte, wie warme Sonnenstrahlen ihr Gesicht streichelten. Um nicht von ihnen geblendet zu werden, drehte sie ihren Kopf nach links und öffnete langsam die Augen. Neben ihr lag jemand. Sie konnte das Gesicht nicht erkennen, da der Kopf desjenigen zur anderen Seite gerichtet war. Alles, was sie wahrnahm, war ein leises Schnaufen.
Vorsichtig fuhr sie mit ihrer Hand über die warme Schulter der Person neben ihr. Die Haut fühlte sich unfassbar weich und zart an, fast wie Seide. Sie fuhr weiter vor und mit den Fingern über das ausgeprägte Schlüsselbein, als der Kopf in ihre Richtung schellte und sie ein paar blaue Augen müde anblickten. Felix.
„Warum bist du schon wach?" fragte er mit rauer Stimme und wischte sich die Müdigkeit aus den Augen.
„Die Sonne hat mich geweckt." entgegnete Fiona.
„Mhm." machte Felix und drehte sich mit dem Rest seines Körpers zu ihr. „Müssen wir aufstehen?"
Fiona überlegte kurz. Sie wusste es nicht. Welcher Tag war heute? Welcher Monat? Welches Jahr? Und überhaupt, warum war sie hier? Mit ihm? Mit Felix. Wie war das passiert?
„Ich weiß es nicht." antwortete sie schließlich. „Was ist passiert? Warum bist du hier?"
Felix lachte. „Was ist denn das für eine Frage?"
„Eine ganz normale. Glaube ich." antwortete sie.
„Du bist wohl noch etwas müde. Komm her." vorsichtig legte er seinen Arm um sie und zog ihren Körper zu sich heran. Sie erkannte seinen Geruch und die wohlige Wärme seines Körpers. Seine Arme umschlossen ihren Körper und sie fühlte sich in ihnen plötzlich ganz klein. Ihre Gesichter waren nur Millimeter voneinander entfernt. Der Drang, ihn nur einmal zu küssen, war riesig. Einmal nur wollte sie seine perfekt geformten Lippen auf ihren spüren.
„Tu es." flüsterte Felix und grinste. Sein Atem kitzelte in ihrem Gesicht. „ich kenne diesen Blick. Küss mich doch einfach."
„Ich kann nicht." entgegnete Fiona ebenso leise. „Ich... das hier ist nicht echt. Du solltest nicht hier sein."
„Ich bin nur hier, weil du mich hier haben möchtest." sprach Felix. „Weil du das hier möchtest."
„Ich will das nicht." sprach sie, ihr Blick weiter auf seine Lippen fixiert, die ihr plötzlich langsam näher kamen.
Seine folgenden Worte nahm sie nur noch dumpf in ihrem Kopf war.
„Küss mich."
Fiona schreckte auf, saß kerzengrade in der Mitte ihres Bettes und starrte direkt in den Spiegel an der Wand gegenüber. Ihr Herz raste und ihre Hände zitterten. Ein Traum. Es war nur ein Traum.
Sie versuchte, sich zu beruhigen, in dem sie ihre Atmung kontrollierte. Es war schon hell draußen geworden, die Sonne schien durch ihr Fenster. Wie spät war es? Sie blickte zu der kleinen analogen Uhr auf ihrem Nachttisch. 7:30 Uhr. In einer Stunde hatte sie schon den ersten Termin mit einem ihrer Auftraggeber. Und später... später dann den Termin mit Felix.
Fiona schüttelte sich. Was war das für ein komischer Traum? Irgendwas musste ihr Gehirn da durcheinander gebracht haben. Das musste an dem FaceTime-Anruf mit Felix in der vorherigen Nacht gelegen haben. Sein blöder Spruch von wegen, er könne sich an den Anblick der sich ihm bot, gewöhnen. Das musste es sein. Sie atmete einmal tief ein und wieder aus.
Blöder Spruch. Blöder Traum. Blöder Felix.Kurz vor 11 Uhr morgens. Fiona stand mit einem Coffee To-Go Becher in der Hand an der Adresse, die Felix ihr nach ihrem Telefonat noch geschickt hatte. Kurz hatte sie überlegt, einfach umzudrehen und wieder zu gehen. Vielleicht war es doch nicht so eine gute Idee, mit Felix gemeinsame Sache zu machen. Grade auch, weil sie keine Lust auf noch so einen verrückten Traum hatte wie den der letzten Nacht.
„Oh, hey." ein braunhaariger Typ mit frechem Grinsen und pink-meliertem Shirt stand plötzlich in der Tür, vor der sie stand und blickte sie überrascht an.
„Hi." entgegnete Fiona und ging einen Schritt beiseite, um den Mann nach draußen treten zu lassen.
„Bist du Fiona?" fragte er, während er sich eine Zigarette anzündete.
Sie nickte. „Bin ich."
„Wow, du bist ja pünktlich." lachte er und warf dabei einen Blick auf den Bildschirm seines Handys, welches er kurz darauf in seine Hosentasche gleiten ließ. „Ich bin Julian."
„Du bist Felix' Bruder?" fragte sie ungläubig.
„Ja. Wieso? Sehe ich nicht so aus?" fragte er grinsend.
„Irgendwie nicht, aber irgendwie... schon." antwortete sie und musterte Julian. Im Gegensatz zu Felix hatte er braune Augen. Seine Gesichtszüge waren anders, aber das Lächeln war das Gleiche.
„Ich weiß, was du meinst. Ich bin der Hübschere von uns beiden." lachte er.
Fiona verdrehte gespielt die Augen. „Langsam erkenne ich die Ähnlichkeit." sprach sie und stimmte seinem Lachen mit ein.
„Felix hat schon erzählt, dass du ein paar nice Ideen für neue Klamotten hast. Darf ich?" fragte er und deutete auf die blaue Mappe in Fionas Händen.
„Klar." sie nickte und händigte ihm ihre Skizzen aus.
„Mhm..." machte er, während er sich einige der Zeichnungen ansah und Fiona konnte nicht so recht erkennen, ob er diese als gut oder schlecht empfand. „Gefällt mir." murmelte er schließlich. „Siehst gar nicht danach aus, als wäre das so dein Style."
Fiona blickte an sich herunter. Aufgrund ihres vorherigen Termins trug sie noch immer eines ihrer Businesskleider, welches nicht wirklich für den Termin mit Julian und Felix passend war.
„Normalerweise ist das auch nicht der Stil, den ich unter meinem Namen rausbringe. Ich habe da aber Bock drauf, also hat Felix mir angeboten, dass über euer Label zu veröffentlichen." erklärte sie.
„Unentgeltlich habe ich gehört." grinste er und gab Fiona ihre Mappe zurück.
„Glaub mir, ich zahle mit meinem Stolz und meiner Würde." murmelte sie. „Und natürlich bekommt ihr was vom Gewinn ab. Ich möchte nicht, dass ihr das umsonst macht."
„Das klärst du am besten mit Felix nochmal. Er meinte, er tut das, um dir einen Gefallen zutun und will nichts vom Gewinn haben. Ihn davon zu überzeugen, doch etwas dafür anzunehmen, überlasse ich schön dir." sprach er und schnipste seinen Zigarettenstummel auf die Straße.
„Das schaffe ich schon." erwiderte Fiona selbstsicher und Julian grinste.
„Du kennst meinen Bruder nicht besonders gut, oder?"
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Überwiegend Macho (Felix Lobrecht FF)
FanficFiona ist 32 Jahre alt, gelernte Modedesignerin und aufgewachsen zwischen Junkies und Plattenbausiedlungen. Sie selbst kommt aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Anders, als ihre ehemaligen Klassenkameraden, von denen sie dachte, sie nie wieder sehen...