Gastfreundschaft

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Gastfreundschaft

Fiona war grade dabei, für Lara, Ana und sich, ihre berühmte vegetarische Lasagne zu kochen, als es an der Wohnungstür schellte. Sie wusch sich fix die Hände, trocknete sie in einem der Geschirrtücher und lief zur Tür.

„Hi." sprach Patrick, der breit grinsend vor ihr stand. Einen schwarzen Rucksack in der einen und eine graue Transportbox in der anderen Hand. Er musterte sie kurz. „Du trägst diese verwaschenen Lumpen immer noch?"

Fiona schaute perplex an sich herunter. Sie trug eines ihrer alten Iron Maiden Shirts, in denen sie sich immer am wohlsten fühlte. „Oh eh, ja. Ab und zu. Als Schlafshirt." log sie.

„Ich dachte, du würdest wieder eines deiner hübschen Kleider für mich tragen."

„Ich wusste ja nicht, dass du jetzt schon kommst." entgegnete Fiona peinlich berührt. „Ich dachte, du kommst erst heute Abend?"

„Planänderung, leider. Muss einen Flug früher nehmen, sonst kann mich niemand vom Flughafen in Porto abholen. Also, ich habe hier drin eigentlich alles, was du brauchst. Futter, Spielsachen und seine Decke. Auf der schläft er immer." er hielt ihr den großen Rucksack hin, den Fiona ihm ab nahm. „Ah, im Auto habe ich noch das Katzenklo und das Streu und ehm... ach ja, hier ist Bentley."
Patrick stellte die Transportbox vor Fionas Füße ab. „Nochmal vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, auf ihn aufzupassen, solange ich weg bin. Hätte ihn sonst in eine Pension gegeben, aber man weiß ja nie, wie die Tiere dort behandelt werden. Bei dir weiß ich, dass er es gut haben wird."

„Auf jeden Fall!" nickte Fiona und warf einen Blick in die Box. Bentley schaute sie mit seinen gelbgrünen Augen durch die Stäbe hindurch an und maunzte.

„Ich hole noch schnell den Rest hoch." sprach Patrick, sprintete die Treppen hinunter und kam wenige Minuten später wieder rauf. „So, ich glaube, das wär's. Wenn irgendwas sein sollte, sag mir sofort Bescheid. Aber er ist ja eigentlich recht umgänglich..."

Fiona lachte. „Mach dir keine Sorgen, wir kommen schon klar."

„Gut." lächelte er. „Also dann, Zeit sich zu verabschieden."

Er ging einen Schritt auf Fiona zu und küsste sie sanft, dann legte er seine Stirn gegen ihre. „Drei Wochen werden schnell vergehen, oder?" fragte er mit geschlossenen Augen.

„Ich hoffe es." murmelte sie leicht geknickt. „Wir schreiben ganz viel, ja? Und telefonieren auch. Ruf mich über FaceTime an und zeig mir alles!" forderte sie und Patrick lachte, als er von ihr abließ.

„Das werde ich."

„Gut." die beiden sahen sich noch einen Moment an.

„Okay, ich muss jetzt wirklich los. Mach's gut und bis in drei Wochen." er drückte ihr noch einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und verschwand die Treppen runter.

Fiona trug alles, was Patrick ihr da gelassen hatte, in den Flur der Wohnung. Dann nahm sie die Transportbox, stellte diese in die Ecke des Wohnzimmers und öffnete die Tür. Vorsichtig trat Bentley auf sanften Pfoten heraus. Skeptisch betrachtete er die neue Umgebung.
„Ich passe gut auf dich auf, während Herrchen weg ist." murmelte Fiona und streichelte dem Kater sanft das Köpfchen.

Um ihm die Zeit zu geben, sich ohne Stress an alles zu gewöhnen, ließ sie Bentley durch den offenen Wohn- und Essbereich laufen und alles erkunden, während sie sich in der Küche weiter um die Lasagne kümmerte.

„Wir sind wieder da!" tönte Laras Stimme durch die Wohnung.

„Macht bitte schnell die Tür wieder zu, wir haben einen Gast!" entgegnete Fiona aus der Küche heraus.

„Was denn für einen— Huch!!" Lara stolperte in die Küche und wäre beinahe in ihre Mitbewohnerin hinein gelaufen. Erschrocken sah sie sich um, aber der graue Fellball, der ihr grade noch zwischen den Beinen lang gestrichen ist, war verschwunden.
„Über was bin ich da grade gefallen?"

„Bentley." antwortete Fiona stumpf und Lara hob die Augenbrauen.

„Bitte? Was ist ein Bentley?"

„Ein Auto." erklärte Felix, der ebenfalls in die Küche trat. „Cooles Outfit." fügte er sarkasmusfrei hinzu.

Fiona verdrehte die Augen. „Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ehrlich jetzt: hast du kein Zuhause?"

„Doch, ein sehr Schönes sogar. Kannst mich da gerne mal besuchen kommen." grinste er breit.

„Brauche ich nicht, bist ja eh immer hier." entgegnete sie desinteressiert. „Um auf deine Frage zurück zu kommen: Bentley ist der Kater von Patrick."

„Natürlich ist er das." nuschelte Felix amüsiert. „Nur ein Typ wie er nennt seine Katze Bentley."

„Ach ja? Wie würdest du deine Katze denn nennen?"

„Ick hab keene. Aber wenn, würd' ick sie sicher nich' nach nem Auto benennen. Wir hatten früher mal ne Katze, die hieß Katka." erklärte er.

„Sehr einfallsreich." sprach Fiona unbeeindruckt, wandte sich dem Ofen zu und machte damit deutlich, dass das Gespräch für sie beendet war.

„Und wo ist jetzt dieser ominöse Kater?" fragte Lara und sah sich erneut um.

„Hier hinten!" rief Ana aus dem Wohnzimmer. Sie und Bentley hatten es sich bereits auf dem Sofa gemütlich gemacht. Zufrieden schnurrend lag der Kater auf ihrem Schoß und ließ sich hinter den Ohren kraulen.

„Der ist ja niedlich!" quietschte Lara, als sie sich den beiden näherte.

„Ja, oder?" fragte Fiona, die sich in den Türrahmen lehnte. „Er wohnt jetzt drei Wochen hier. Habe Patrick versprochen, auf ihn aufzupassen, solange er in Portugal ist."

„Können wir ihn behalten?" fragte ihre beste Freundin und zog einen Schmollmund.

„Ich glaube nicht, dass Patrick damit einverstanden wäre." lachte Fiona.

„Was riecht hier eigentlich so gut?" unterbrach Felix das Gespräch.

„Ich habe Lasagne gekocht. Ist gleich fertig." antwortete sie.

„Das wäre doch nicht nötig gewesen." grinste er.

„Gut, denn du kriegst auch nichts ab." entgegnete Fiona und ging wieder in die Küche.

„Wie jetzt?" fragte er entgeistert und folgte ihr. „Du solltest ein bisschen mehr Gastfreundschaft zeigen." sprach er, während Fiona den Ofen öffnete. Als sie einen Schritt nach hinten trat, um dem heißen Dampf auszuweichen, lief sie, mit dem Rücken voran, direkt in Felix hinein.

„Hast du gehört?" sprach er, seinen Mund gefährlich nah an ihrem Ohr. Sein Atem kitzelte an ihrem Hals und verpasste ihr eine Gänsehaut. „Du solltest gastfreundlicher sein."

„Meine Gastfreundschaft zu dir liegt darin, dich nicht den Balkon runter zu schubsen." zischte sie. „Außerdem wirst du das Essen sowieso nicht mögen. Ist vegetarisch."

„Was für ein Zufall." sprach er und fuhr mit einem Finger ihren Arm entlang. „Ich esse sowieso kein Fleisch."

Fiona schluckte. Seine Berührung elektrisierte sie. Felix spürte das und konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

„Gibt's jetzt endlich essen? Ich verhungere!" rief Lara aus dem Wohnzimmer. Fiona kam wieder zur Besinnung und brachte schnell zwei Meter Abstand zwischen sich und Felix, der sie nur weiter grinsend ansah.

„Ist fertig!" rief sie und wandte sich wieder dem Ofen zu.

Überwiegend Macho (Felix Lobrecht FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt