Kapitel 4.0

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Das angespannte, ja fast schon zu zerreißend drohende Muskelnetz, löste sich und ließ ab von seiner schnürenden Enge.

„Es ist schön dich wohlauf zu sehen." Sanft und wohlbehütet trug mich seine Stimme wieder einmal in das Land der Besinnung. Holte mich von dem rasenden und anstrengenden Rhythmus der Realität herunter. Sein lächeln zeichnete sich nun auch auf meinen Lippen nieder.

„Der Hunger ruft doch lauter, als ich annahm." Ein fast schon kindliches kichern entwich mir und verlegen schaute ich auf den knurrenden Magen, der seine Leere Kund gab.

„Ich bin gerade auf den Weg zum Speisen, wenn du magst kannst du mich gerne dorthin mitbegleiten." Schon als wäre es Routine, gestand er mir seinen Arm zu, unter den ich mich nur allzu gern unterhackte. Der samtige Stoff unter meiner Hand schmiegte sich wie ein Handschuh, um die langen schmalen Finger, die nun mir gehörten. Wohlig lief mir ein Schauer bei seiner Berührung über den Rücken. Es brauchte keine Worte, um die Warmherzigkeit zwischen uns zum Ausdruck zu bringen. Jeder Schritt mit ihm, ließ mich fast schon Schmerz und Verwirrung vergessen. Den kühlen Kopf, welcher sanft die gereizten Schläfen massierte, verdankte ich ihm. Es war als wäre er ein Heiler. Jemand der es nur mit seiner Anwesenheit schaffte, mein Leid zu mildern. Machte er das Unmögliche möglich?

Ich spürte seine wachenden Augen, welche immer wieder zu mir fanden und mich forschend beäugten. Wie Feuer, brannten sie auf meiner Haut. Lediglich das klirren meiner Schuhe, auf den glatten Boden ließ mich nicht vollkommen in die Träumerei verfallen.

Die Tür vor uns öffnete sich und offenbarte sein Inneres. Der Raum welches abertausende Pflanzen behütete und ein Duft aus tropischen Gerüchen beherbergte, begrüßte uns. Lang und schmal erstreckte sich die Tafel mit den goldverzierten Rändern vor uns. Helles braunes Holz, spiegelte das Licht welches auf seinen Boden fiel. Gestecke und Krüge, voller einladender Getränke stand auf dem nicht enden wollenden Tisch. Wie ein botanischer Garten strotzte der Saal in saftigem Grün. Hier konnten mehr als nur ein paar Leute speisen. Nein, hier musste oft das pure Leben spielen. Bei Wein und Fleisch, Freundschaften geschlossen werden.

Doch heute saß nur ein einzelner hier. Fast schon traurig ausschauend und lächerlich wirkend von dieser übermäßigen Pompösheit, erhob er sich als er uns sah.

„Bruder, du bist spät." Rief er energisch und seine braunen Augen funkelten wie sie es oft taten amüsiert auf.

„Ich habe einen Gast mitgebracht. Das ist mein Bruder Cahal." Wandte sich Blondschopf zu mir.

„Wir kennen uns bereits." Warf er ein, ehe ich zu einer Antwort ansetzen konnte. Überraschung zeichnete sich in dem Gesicht des Prinzen ab und doch behielt er seinen Kommentar für sich und nickte nur. Führend begleitete er mich zu dem Tisch und bot mir einen Platz unmittelbar in seiner Nähe an. Als hätte der Raum Augen und Ohren, stürmten unzählige Diener herein, als sich Cian ebenfalls auf den Stuhl niederließ. Wie fleißige Ameisen brachten sie Speisen und gingen schnellen Schrittes wieder. Essen welches noch dampfend und heiß in Schalen serviert wurde, ließen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Allerlei Fischarten, von dessen Existenz ich bisher nicht wusste, lag nun vor mir. Luden ein, von mir gekostet zu werden. Es war als wäre ich nach einer langen Fastenzeit endlich im Paradies angekommen und könnte mich nun in ein Koma wortwörtlich fressen. Ich versuchte meine Gier, nach diesen Köstlichkeiten mir nicht allzu sehr anmerken zu lassen und mich halbwegs wie ein zivilisierter Mensch zu benehmen. Doch meine Überforderung über das vor mir liegende Besteck, welches in jeder Art und Form zu geben schien, ließ Cahal aufschmunzeln. Unauffällig wies er mich an, mit welchem ich zu beginnen hatte. Kurzzeitig fühlte ich mich wie in einem nostalgischen Film zurückversetzt, wo man dem Mann aus der Unterschicht die Sitten und Etiketten der höheren Klasse erst einmal erklären musste. War das nicht in Titanic so gewesen?

Geister der SeeleWo Geschichten leben. Entdecke jetzt