Fertig mit dem Abschluss, der erste Umzug in die eigene Wohnung und ein neues Leben fing für mich an. Ganz schön viel Tumult für ein paar Monate, die mit Schweiß, Verzweiflung und reinster Neugier auf das Neue miteinher gingen.Das war der entscheidende Weg für das Erwachsenwerden. Jetzt musste man reif, klug und stark die richtigen Entscheidungen fällen.
Die Gesellschaft erwartet so früh wie möglich, das Kind sein abzulegen und dieses ‚Durchschnitts Leben' wie ich es so gerne nenne, zu führen. Ich habe noch längst nicht den Platz auf dieser Welt gefunden und doch traf ich die Entscheidung, den ersten Schritt in meinem neuen Kapitel zu gehen. Wie ich dieses Kapitel in meinem Leben bezeichnen wollte, wusste ich selbst noch nicht.
Meine Eltern hatten die letzten Kartons vor ein paar Stunden in meine Wohnung abgestellt und sich nach einer Tasse Zitronentee von mir verabschiedet. Seitdem war ich damit beschäftigt alles auszupacken und die Sachen an den richtigen Orten zu platzieren.
Ich schaute mich in meinem neuen und doch noch so fremden zu Hause um. Die kleine Wohnung, die etwas abgelegener von der Ortschaft lag, war letztendlich ein wunderschönes kleines rustikales Häuschen gewesen, was ich nun als Mein betrachten durfte. Die eckigen Fenster, waren ganz frisch blau angestrichen und gaben den Ausblick auf das Meer frei. Die frische Luft die hineinwehte, roch salzig.
Salzig... wenigstens etwas, was mir nicht fremd war.
Ich seufzte. War ich wirklich schon bereit in diese Fußstapfen zu treten? Einerseits wollte ich endlich unabhängig von jedem sein. Tun und lassen was ich möchte. Falsche und richtige Entscheidungen selbst treffen. Trotzdem hatte ich wahnsinnige Angst. Es ging mit einem Schlag dann doch ganz schön schnell und ich musste von jetzt auf gleich, jedes noch so kindliche Verhalten abschütteln. In gewissen Situationen wollte ich aber das Kleine Kind von früher sein. Ich wollte mich noch wie eines verhalten und zu Mama und Papa rennen, wenn ich Angst hatte. Doch das Einzige was mir blieb waren die Erinnerungen, an meine wundervolle und sehr Chaotische Kindheit. Ein Lächeln huschte mir über die Lippen.
Cassie bellte mir von der Wohnzimmertür aus zu. Ich blickte zu ihr und grinste sie frech an. Sie wedelte wild mit ihrem Schwanz und lief hastig, mit kleinen schnellen Schritten zu mir. Sie machte es sich neben mir auf der Couch bequem.
„Na du, wie gefällt dir unser neues zu Hause?" fragte ich sie und graulte sie kräftig hinter den Ohren, mit dem Wissen das sie diese Stelle besonders liebte. Sie hechelte vor Zufriedenheit und schaute mich glücklich mit ihren braunen Knopfaugen an. Es würde sich von jetzt an vieles ändern.
Ich fühlte mich leicht überfordert, in einer neuen Stadt mit neuer Wohnung. Wobei man diese Kleinstadt, wirklich nicht als Stadt bezeichnen konnte. Es wirkte fast wie ein winziges, verschlafenes Dorf, welches tief im Norden Irlands ruhte. Doch genau das war es, was ich hier liebte. Diese Ruhe, ohne ständig in der heutigen lauten Umgebung ausgesetzt zu sein. Aber vielleicht konnte das auch dazu führen, sich sehr schnell einsam zu fühlen.
Nein, ich schüttelte den Kopf, ich fühle mich nicht allein, ich könnte nie alleine sein. Denn ich hatte meine kleine treue Gefährtin bei mir, die sich genüsslich ihre Pfoten ableckte. Kann man also wirklich behaupten, dass man unzufrieden sein muss?
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Geister der Seele
RomantikErwachsenwerden verlangt einiges ab. Der Aufbruch in das Neue und Unbekannte beginnt. Doch wie ist es, wenn das Schicksal ohne Vorwarnung zuschlägt und dich in eine Zeit zurückversetzt in der Tod, Liebe und Rache, dein engster Begleiter sind!? Wirs...