Kapitel 3.3

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Die Sonne gierte nach Aufmerksamkeit und trübte durch ihre Sonnenstrahlen mein Augenlicht. Die Stille breitete sich wie eine zähe Schicht zwischen uns Frauen aus. Als es begann langsam unangenehm zu werden richtete sich Chara auf, straffte ihre Schultern weiter nach hinten, was nur noch mehr dazu führte, als wirke sie Steif und Unwirklich. Mit einer simplen Handbewegung, dirigierte sie mich nach vorne zuschreiten und für einen Spaziergang mit ihr fortzugehen. Mein Interesse daran, hätte nicht weiter weg sein können. Dennoch wusste ich, dass ich schon allein aus Anstand hier nicht einfach so weggehen konnte, obwohl alles sich in mir danach verzehrte. Der kleine innere Krieg wurde beigelegt und ich folgte der Richtung auf die sie mich verwies. Konzentriert auf das knirschen unter meinen Füßen, wenn sie den Kies berührten, versuchte ich mich für alle möglichen Szenarien irgendwie zu wappnen. Ich wusste nicht einmal ob Worte meinen Mund verlassen konnten, ohne mich nicht selbst in Schwierigkeiten zubringen und um ein sinnvolles Gespräch zustande kommen zu lassen.

„Wie gefällt es Euch hier?" die Frage durchschnitt das Band der Stille, welches sich zwischen uns gewunden hatte. Wie sollte es einem hier schon gefallen, wenn die Dunkelheit jeden Zentimeter einnahm und man begann sich aufzulösen? Wie feiner Sand drohte, im Wind zu verwehen...

Sie hätte mir nur in die Augen schauen müssen und würde die Verzweiflung sehen. Doch sie sah nicht hin. Sah mich nicht, wie auch die anderen hunderte um uns herum. Eine simple Frage, auf die ich keine Antwort hatte. Eine Frage, die ich beantworten musste und doch kein passendes Wort fand. Ich räusperte mich und richtete meinen Blick zum Himmel.

„Es ist sehr eindrucksvoll hier. Ganz anders als ich es mir ausgemalt hatte." Ich dachte zurück an meine Zeichnungen. Gemälde die zeigten, wie die Fantasie in mir sich das Schloss ausgemalt hatte. Doch nun wusste ich, dass die Realität ganz anders aussah.

Den beißenden Blick auf mir spürend, musterte sie mich skeptisch wie ein Insekt, welches noch nicht den Grund klargestellt hatte, existieren zu dürfen. Als müsse sie Abwägen mir das Leben zu schenken oder mich mit einem Mal zu zerquetschen. Fast unerträglich war die Hitze die von ihren bedrohlichen Augen ausgingen. Noch nie hatte ich mich so klein gefühlt. Ich war nie jemand gewesen, der sich schnell unterkriegen lassen hatte. Oft war es mir sogar egal, welche Meinung andere über mich hatten, da ich es meist als Zeitverschwendung empfand mich auf solch unwichtigen Dinge zu konzentrieren.

„Und Ihr könnt Euch an nichts erinnern?" Mit einem Kopfschütteln verneinte ich ihre Frage, woraufhin sich einzelne Strähnen aus meinem, von Aelyn, geflochtenen Zopf lösten. Ich konnte mich an meine alte Welt erinnern. Eine Welt in der mir meine liebsten Sicherheit gewährten. Mich aus einer schnellen Zeit holten und mir halfen wieder aufzustehen. Sie gaben mir etwas, was immer bleiben würde. Etwas unberührtes und Wahrhaftiges. Liebe.

Mit schwitzigen Händen, purzelten sie nächsten Worte leise aus mir heraus.

„Nein, ich fühle mich wie eine Fremde, deren Welt es dem Untergang gleichgetan hat. Das Einzige was mir Hoffnung geschenkt hatte war die Zuflucht, die mir gewährt worden ist. Ich weiß nicht, was sonst geschehen wäre."

Und mit den Sätzen, ballte sich der Druck immer mehr, wie ein Zinnsack auf meiner Brust. Kurz flammte das Bild von Cian vor meinem geistigen Auge auf. Der Gedanke in Blondschopfs Armen gefangen zu sein, löste die Manifestierungen auf meiner Brust und verhalf mir weiter zu atmen. Noch einmal dachte ich an ihn. An sein warmes lächeln, welches mich auch in der schlimmsten Situation des Verlorenseins wiedergefunden hatte. Seine ruhige und besonnene Art, die meine Panik akzeptierte und legte. Ich musste ihm noch einmal meinen Dank aussprechen. Ihm zeigen, dass seine Taten nicht selbstverständlich waren und ich sie schätzte. Er war das was einer Vertrauensperson wohl am nächsten kam. Trotz seiner aufgesetzten eisernen Maske, steckten so viele Emotionen dahinter. Der versteinerte Ausdruck, war Fassade. Eine Fassade die nicht echt wirkte und doch behielt er sie bei. Er wollte sich nicht in die Karten sehen lassen, versuchte eisern seine Gedanken zu verbergen, um Fehlern auszuweichen. Vielleicht brauchte man genau das, um sich hier Gehör und Respekt zu verschaffen. Doch meinen hatte er schon auf einer anderen Art und Weise bekommen. Durch Güte und Barmherzigkeit. Das würde ich ihm nie vergessen.

Geister der SeeleWo Geschichten leben. Entdecke jetzt