Ich verbrachte mittlerweile mehr Zeit in Egsy's Büro als sonst wo. Wütend stapfte er auf und ab, ließ sich hin und wieder dazu hinreißen mich abwertend anzusehen.
"Alles was ich von dir wollte war das du tanzt. Jetzt steht eine Klage im Raum und eine schlechte Rezension. Was bitte ist in dich gefahren?" , maulte er schließlich.
Wütend wischte ich eine Strähne aus meinem Gesicht. Ich hatte genug.
"Gehört also auch das bedrängen deines Personals zu unserem Service? Ich wurde mehrfach angefasst obwohl ich es nicht wollte. Ich bin kein verdammtes Freiwild, Egsy. Es reicht.", zischte ich.
Egsy tat etwas das er noch nie getan hatte. Er kam mir bedrohlich nahe um mir zu drohen.
"Du hast nur noch mich. Keine Sau stellt eine Verbrecherin ein! Wenn du also wieder aufmüpfig werden willst, dann überleg dir ob es dir das wert ist, denn du wirst allmählich zu einem Problem für meinen Club! Heute abend tanzt du mit Cole... Damit ich dich besser im Auge behalten kann. Und jetzt geh, bevor ich dich doch noch raus werfe."
Großartig. Einfach großartig. Das Egsy ein Arschloch war wusste ich schon immer. Das er mir nur Steine in den Weg legte und mich für seine Zwecke sogar erpressen wollte überraschte mich auch nicht mehr... Aber jetzt drückte er mir sogar noch Cole aufs Auge, obwohl das gewiss das kleinere Übel war. Mit Cole wurde ich fertig... Irgendwie.
Ich verließ sein Büro und besuchte Agatha an der Bar. Sie arbeitete mehr aus persönlichen Gründen, deshalb war sie bereits 2 Stunden vor Club Öffnung da. Cole hingegen war noch nicht aufgetaucht und ließ auch die nächste Stunde auf sich warten.
"SAM!", schrie Egsy aus seinem Büro. "Komm her!"
Agatha sah mich mitleidig an und wollte mich aufhalten, doch ich hatte heute schon genug Probleme und musste mir den endgültigen Zorn von Egsy nicht auch noch aufbrummen. In der Tür zu seinem Büro blieb ich stehen und sah ihn an.
"Cole ist noch nicht da. Weißt du wieso?", fragte er so beiläufig, als würde es ihn gar nicht wirklich interessieren. "Geh und hol ihn. Die Adresse gebe ich dir."
Oh. Mein. Gott.
"Egsy...", protestierte ich. "Ich bin kein Kindermädchen, also..."
-
Letztendlich ging ich doch auf die Suche nach Cole. Nicht freiwillig aber Egsy's Geschrei hatte mich fast taub gemacht, also tat ich zähneknirschend was er wollte.
An der Adresse angekommen - einem alten Backstein Gebäude das mehr einer Fabrik Halle als einer Wohnung ähnelte - suchte ich die Klingel. Plötzlich sprang die Tür auf und die Frau die mir entgegen kam kam mir bekannt vor. Es war die junge Frau die eine Nacht zuvor ihren Junggesellenabschied feierte... Was sie hier machte musste ich nicht erraten. Ich wusste es.
Dieses Arschloch.
"Wir sehen uns dann.... Und Danke.", schleimte sie.
Als Cole zur Tür trat und mich an der Seite entdeckte wurden seine Augen groß.
Die Frau verschwand und kurz darauf räusperte sich er sich um meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn zu ziehen.
Ich konzentrierte mich.
"Egsy schickt mich. Du kommst zu spät zur Arbeit. Also beeil dich bevor er mir die Hölle heiß macht, nur weil du rumvögelst und zu spät kommst.", knurrte ich und machte auf dem Absatz kehrt.
"Sam."
Ich ignorierte sein rufen. Auch, daß ich seine Schritte hinter mir hörte. Erst als er mich eingeholt hatte und vor mir stehen blieb, blieb ich auch stehen. Ich schaute zur Seite, um ihn nicht ansehen zu müssen.
"Ich hatte nichts mit ihr. Ihr Verlobter hat sie sitzen gelassen und sie wusste nicht wohin.", erklärte er.
Ich glaubte ihm nicht. Selten hatte ich eine solch dumme Ausrede gehört. Es war mir egal wen er vögelte, aber das er log konnte ich nicht leiden.
"Sam.", flüsterte er. "Sieh mich an."
Ich tat es nicht, wehrte mich. Ich hatte so eine schlechte Laune, so einen Hals auf diesen Mann, das ich Gefahr lief ihm eine zu knallen. Das wollte ich definitiv vermeiden, was gar nicht so einfach war.
"Ich sage die Wahrheit. Du kannst es gern überprüfen. Die Hochzeit hat er ohne ihr Wissen abgesagt und ihr dann eine Mail geschickt das er noch nicht bereit ist zu heiraten. Ich konnte sie nicht stehen lassen. Jetzt wird sie zu ihren Eltern fliegen und dort bleiben. Glaub mir."
Meine Wut verrauchte obwohl ich mich so an ihr fest klammerte. Nur widerwillig sah ich zu ihm. Er wirkte aufrichtig, verdammt.
"Beeil dich. Unsere Schicht fängt bald an.", sagte ich und ließ ihn stehen.
-
Tatsächlich kam Cole kurz nach mir im Club an. Ich konnte ihm und seinen Worten nicht entkommen, vor allem weil ich heute mit ihm tanzen würde.
Wir beide. Gemeinsam. In einem Käfig.
Er war natürlich schnell in seiner Rolle und tanzte eng an mich gepresst gegen die Gitterstäbe. Die anfängliche Arroganz der Groupies machte mir immer weniger aus, zumal sie unser Zusammenspiel mittlerweile sogar zu feiern schienen. Selbst Egsy wirkte, soweit ich das erkennen konnte, besser gelaunt als vorher.
Es war Show, mehr nicht. Seine Berührungen hatten keine Bedeutung redete ich mir immer wieder ein. Irgendwann jedoch bekam ich Platzangst in dem viel zu engen Käfig, der gerade einmal groß genug war für eine Person. Cole bemerkte mein zittern, öffnete die Tür des Käfigs und half mir raus.
"Komm. Keine Sorge.", murmelte er kaum verständlich.
Er zog mich mitten auf die Tanzfläche, zwischen die Gäste. Es schien so, als wäre etwas in ihm entfesselt, je mehr Platz er hatte.
Er wirbelte mich gekonnt und elegant herum, führte, und alles was ich tun musste war mich treiben zu lassen.
Zum Ende hin legte er von hinten die Arme um mich, presste mich fest an sich. Ich spürte etwas, das dort nicht sein sollte...
"Wir wären n gutes Team wenn du deinen Hass gegen mich ablegen könntest...", murmelte er und biss mir sanft in den Nacken. Die Berührung entzündete ein Feuer in mir, von dem ich nicht wusste das es existiert. Doch damit endete es nicht.
Unser Tanz wurde erotischer, hemmungsloser... Was seiner Beule in der Hose definitiv nicht half.
Die Gäste tanzten und feierten um uns herum und die meisten beachteten uns gar nicht mehr. Das gab Cole die Gelegenheit im verborgenen seine Hand nach vorne gleiten zu lassen und mich über meinem Höschen zu berühren. Mein plötzliches keuchen schockierte mich.
-
Es war nicht zu leugnen. Ich konnte kaum abwarten das wir Feierabend hatten. Sobald Cole den Personalraum betrat verschloss ich die Tür und lehnte dagegen. Es musste der Teufel gewesen sein der mich hier ritt.
"Und was jetzt, Sam? Willst du da stehen bleiben?", lockte er mich und bog zu den Duschen ab.
Jetzt lag es bei mir.
Wenn ich ihm folgen würde, würde etwas passieren das ich womöglich bereuen würde... Aber war ich es mir selbst nicht schuldig der aufgestauten Lust die er mir heute abend durchgehend beschert hatte etwas nachzugeben?
Es war falsch, dessen war ich mir zu 100% sicher... Und doch bewegte ich mich vorwärts...
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Sam
RomanceSam hat einen miesen Job und einen noch mieseren Chef. Da ist es wenig hilfreich, das ihr neuer Kollege der heißeste Typ der Stadt ist... Oder?
