Die Krähe des Druiden

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„Also, zuerst ist es wichtig, dass du einen Langbogen hast, der zu dir passt." Leofwine und Louis standen auf einer Lichtung im Schutz eines Felsens und Leofwine erklärte ihm gerade die Waffe der Merry Men. Dafür nahm er seinen eigenen, als Vorlage. „Siehst du, er darf nur eine handbreit größer sein, als sein Besitzer." Er stellte sich neben den Bogen, hielt sich die Faust über den Kopf und tatsächlich entsprach der Bogen genau diesen Maßen. „Außerdem darf der Abstand von der Sehne zum Griff auch nicht mehr als eine Handbreite betragen. Dadurch bekommt der Bogen mehr Kraft und ist nicht so unhandlich im Transport, weil er nicht so breit ist. Wie man einen Pfeil einspannt, hat dir Harry schon gezeigt, oder?" Louis nickte und sah zu, wie Leofwine einen Pfeil an der eingekerbten Seite auf die Sehne legte und dann den Bogen spannte. „Du darfst auf keinen Fall den Zeigefinger über den Pfeil legen, wenn du ihn gespannt hast, sonst ziehst du dir eine schmerzhafte Verletzung zu, wenn der Pfeil an deiner Hand entlang schießt, ja?" Louis nickte, nahm nun ebenfalls einen Pfeil und spannte ihn in seinen eigenen Bogen. Es war nicht einfach, denn sein Daumen fühlte sich ein wenig steif an und er konnte ihn nur schwer anwinkeln. Doch als der Pfeil endlich eingesetzt war, brauchte er ja nur noch den Zeige- und Mittelfinger um die Sehne nach hinten zu ziehen. Es war nicht leicht, den Pfeil nur auf der Hand zu balancieren. Bei Leofwine hatte das so einfach ausgesehen. „Wenn du die Sehne ganz zurück gezogen hast, sollte sie an deiner Nasenspitze anliegen. Du zielst, indem du mit beiden Augen über die Pfeilspitze schaust und sie auf dein Ziel richtest." Leofwine machte jeden Schritt vor und Louis ahmte alles nach. Beide zielten auf einen Baumstamm. „Und jetzt musst du nur noch....loslassen." Mit einem dumpfen Sirren schossen beide Pfeile nach vorn und schlugen in die Rinde des Baumes ein.

Mit offenem Mund ließ Louis den Bogen sinken und starrte unglaublich auf seinen Pfeil, der zitternd im Baum stecken geblieben war. „Ich....ich habe getroffen..." stammelte er. „Ja und er ist sogar stecken geblieben. Sehr gut." Leofwine grinste und sie gingen zum Baum und versuchten die Pfeile wieder herauszuziehen. „Weißt du, als ich zum ersten Mal einen Pfeil verschossen habe, ist er gar nicht am Ziel angekommen, sondern auf halbem Weg im Gras gelandet." gab Louis zu, um Leofwine zu verstehen zu geben, wieso dieser Schuss gerade für ihn so besonders gut war. „Nun, das lag aber bestimmt auch an Harry." überlegte Leofwine und zog seinen Pfeil aus dem Baum und steckte ihn zurück in seinen Köcher. „Wie meinst du das denn?" Louis wurde mit einem mal sehr warm. Was, wenn die anderen bemerkt hatten, dass er und Harry...einander wichtig waren? „Harry ist ein miserabler Lehrmeister. Er vergisst, dass nicht jeder so gut schießen kann, wie er und übergeht bei der Erklärung häufig Dinge, weil sie für ihn ganz selbstverständlich sind. Daher vermute ich mal, dass er es dir einfach nicht genau erklärt hat und darum dein Pfeil so schwach war. Denke also bitte nicht, dass du nicht gut bist. Du hattest nur einen schlechten Start. Mit mir bist du besser bedient, glaub mir und wenn Harry zurückkommt, dann wird er Augen machen, was du alles gelernt hast."

Leofwines Worte motivierten Louis und er wurde immer mutiger. Nach und nach wuchs der Abstand zwischen ihm und dem Baum und der Pfeil erreichte das Ziel trotzdem noch. Um sie herum erwachte er Wald langsam zum Leben, als der Morgen vorbei war und die Mittagssonne langsam die Kälte der Nacht vertrieb. Das Üben war sehr anstrengend und bald hatten sie ihre Umhänge abgelegt und an einen Baum gehängt. Leofwine bemerkte irgendwann, dass Louis Handgriffe sicherer wurden und setzte ihm ein neues Ziel: statt des dicken Baumstammes, sollte er nun versuchen einen Ast zu treffen und das war schon deutlich schwerer, denn er war viel schmaler als das vorherige Ziel. Nur zweimal traf er, ansonsten verfehlte Louis Pfeil den Ast ständig, was ihn immer missmutiger werden ließ. „Bevor du schlechte Laune bekommst, beenden wir das lieber. Du sollst dich auch nicht am ersten Tag komplett verausgaben." Leofwine legte Louis eine Hand auf die Schulter und nahm ihm freundlich, aber bestimmt, den Bogen aus der Hand. „Lass uns zurück zum Lager gehen. Vielleicht hat man dort aus unserem Schwein schon etwas Essbares gemacht."

Der verlorene KönigGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt