Eine zugige Zelle

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„Lasst uns die Lady mal auf diese Bank legen. Der Boden ist kalt." sagte Harry und griff ihr unter die Arme. Doch bevor er sie vom Boden heben konnte, ging die Tür des Zimmers wieder auf und Thomas trat ein. Eine Wimpernschlag lang verharrten sie alle in ihren Positionen: Harry und Louis auf dem Fußboden über die bewusstlose Dame gebeugt und Thomas im Türrahmen stehend. „Was habt ihr mit Lady Taylor vor? Finger weg!" rief Thomas, stürzte nach vorne, schlug Louis beiseite, packte Harry am Kragen und drückte ihn auf dem Boden. „Ihr wolltet Euch an ihr vergehen!" Thomas kniete über Harry und drückte ihm den Unterarm an die Kehle und sah ihn böse an. „Ich weiß, Ihr seid der König, aber das gibt Euch nicht das Recht, Euch mit Gewalt das zu nehmen, was Ihr wollt!" Louis packte Thomas an den Schultern und versuchte, ihn von Harry herunter zu ziehen, der japsend um sich trat und versuchte, Thomas von sich herunter zu bekommen. Er bekam keine Luft mehr und schien langsam Panik zu bekommen. „Thomas, lass ihn los! Wir wollten nicht...." Louis zog nochmals kräftig an Thomas Obergewand, doch der Vertraute schien so wütend zu sein, dass er nicht hören wollte. Mit einer Hand stieß er Louis erneut grob von sich, sodass er nach hinten auf den Rücken fiel. „Lass Harry los, wir wollten ihr nichts tun..." jammerte Louis. Er war auf die Schulter gefallen, die jetzt schmerzte und musste zusehen, die Harry verzweifelt versuchte, Thomas von sich herunter zu treten. Seine Bewegungen wurden immer fahriger und es würde sicherlich nicht mehr lange dauern, bis er bewusstlos wurde. Mit einem kräftigen Tritt in seinen Rücken schaffte es Harry, dass Thomas ihn losließ. Er nutzte den Moment, in dem sich Thomas vor Schmerz aufrichtete und krabbelte von dem Vertrauten weg. Louis konnte schnell reagieren und stürzte sich auf Thomas. Obwohl dieser viel größer war als er, schaffte es Louis, ihn zu Fall zu bringen. „Lass mich los!" knurrte er und blickte Louis wütend an. „Damit du Harry erwürgst? Ich denke gar nicht daran." presste Louis hervor, das Gesicht vor Anstrengung verzerrt und setzte sich auf Thomas Brust, um ihn daran zu hindern, aufzustehen. Harry war mittlerweile ein wenig von ihnen weggekrochen, hielt sich die Kehle und schnappte nach Luft, während er Thomas einen bitterbösen Blick zuwarf. „Du hast gerade den König angegriffen, das ist dir klar?" Seine Stimme war krächzend. „Ihr wolltet sie vergewaltigen", warf Thomas Harry vor, der den Kopf schüttelte. „Die werte Dame hatte einen Ohnmachtsanfall...weiter nichts.... Du kannst sie gerne fragen, wenn sie wieder aufwacht. Du bist ein leichtgläubiger Tor. Ich könnte dich der Burg verweisen lassen!" Die letzten Worte schrie er ihm entgegen und sofort waren schnelle Schritte auf dem Flur zu hören. Zwei Soldaten stürzten in den Raum, sahen die drei jungen Männer am Boden liegen und richteten ihre Speere sofort auf Thomas. „Hat er Euch angegriffen, Majestät?" fragte einer der Soldaten und Harry nickte, die Hand immer noch an seinem Hals. Sein Nicken schien den Soldaten als Befehl zu gelten, denn sie packten Thomas, zogen ihn unsanft auf die Beine und fesselten ihm die Hände auf den Rücken. Der Vertraute der Königin sprach kein Wort, versuchte nicht, sich zu verteidigen, sondern ließ es zu, dass man ihn in Fesseln legte und aus dem Zimmer schleppte. Als die Schritte auf dem Flur verklungen waren, krabbelte Louis zu Harry hinüber, der sich die Kehle rieb und noch immer ungläubig auf die Tür starrte. „Was wird mit Thomas geschehen? Wirst du ihn in den Kerker werfen lassen?" Würde Harry wirklich in der Lage sein, einen anderen Mann gefangen zu nehmen, weil er ihm gegenüber handgreiflich geworden war? Es passte nicht zu ihm und Louis bezweifelte, dass er das vorhatte. „Es würde ihm recht geschehen, wenn dem so wäre." krächzte der König, schüttelte jedoch den Kopf: „Er hat sich um die Frau gesorgt, die er liebt. Ich hätte dasselbe für dich getan, daher kann ich Thomas diesen Angriff nicht übel nehmen. Ich werde jedoch dafür sorgen lassen, dass er lernt, wem in dieser Burg er Respekt zu zollen hat. Eine Nacht in den Kerkern wird ihn schon nicht umbringen." Daraufhin sagte Louis nichts, sondern zuckte nur mit der Schulter und sah zu Lady Taylor hin, die noch immer auf dem Fußboden lag: „Wir sollten uns um sie kümmern." Sie rappelten sich auf und starteten einen erneuten Versuch, die bewusstlose Dame auf eine Bank zu legen. Erneut klopfte es an der Tür und Gwydion stand im Türrahmen. „Was ist denn hier passiert? Mir sind auf dem Flur zwei Wachen begegnet, die Thomas mitgenommen haben." Der Zauberer nickte in die Richtung, in die die drei Männer verschwunden waren. „Er hat Harry angegriffen, weil er dachte, wir würden uns an Lady Taylor vergehen. Sie ist bewusstlos geworden und wir wollten sie gerade auf die Bank legen", berichtete Louis und hob die Dame gemeinsam mit Harry nun endlich vom Boden hoch. „Wieso ist sie bewusstlos geworden?" - „Weil ich ihr sagte, dass wir wissen, dass sie und Thomas einander näher stehen, als sie es sollten", seufzte Harry und ging neben der Bank in die Hocke, um sie sich genauer anzusehen. Auch Gwydion musterte die Dame und stellte dann einen Becher, den Louis erst jetzt bemerkte, auf den Fenstersims. „Hier ist der Trank. Sie sollte ihn trinken, sobald sie wieder wach ist und die Wirkung wird die nächsten zwei Tage anhalten." Der alte Mann legte Louis die Hand auf die Schulter und zog ihn ein wenig mit sich: „Lassen wir die beiden mal allein. Wenn die Dame aufwacht, sollte Harry erst einmal alles in Ruhe erklären." Louis wollte Gwydion gerade sagen, dass ihr Plan eigentlich gewesen war, dass Taylor ihn kennenlernte, doch Harry sah ihn nur ernst an und Louis verließ gemeinsam mit dem Zauberer die Kammer der Königin.

Der verlorene KönigGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt