Eine königliche Hochzeit

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Sie erreichten den Hof, als die Sonne gerade hinter den Baumwipfeln versank. Der Himmel wurde dunkelblau und am Horizont leuchtete er in einem kräftigen Orange. Offenbar wurden sie bereits erwartet, denn als sie durch das Tor ritten, kam ihnen Theobald entgegen. „Gut, dass ihr da seid. Der Pastor ist bereit und bittet die Brautleute vor der Vermählung zur Beichte in die kleine Kapelle." Louis sah, wie Harry schluckte und vom Pferd abstieg: „Gut, dann geht es jetzt wohl los. Louis, bitte begleite mich." Auch Louis beeilte sich, abzusteigen. Jetzt, wo er nicht mehr auf dem warmen Pferd saß, spürte er de Kälte noch heftiger und zitterte leicht. Draca und Leofwine kümmerten sich um die Pferde und sie gingen gemeinsam in die kleine Kapelle.

Das letzte Mal, als Louis hier gewesen war, hatte er die Beichte ablegen müssen, weil Jonathan ihn zum Tode verurteilt hatte. Zwar betrat er nun als freier Mann das karge Gotteshaus, doch im Geiste erinnerte er sich an diese Stunden, die er voller Angst gewesen war und das Gefühl kehrte zurück, allerdings deutlich schwächer. Der Pastor trug wieder seine helle Kutte und stand vor dem Altar, als sie eintraten. Ihre Schritte hallten auf dem Steinboden wider und der Mann wandte sich um. Er erkannte Louis sofort und lächelte ihn freundlich an: „Es freut mich, dass es dir gut geht, mein Sohn." sagte er und blickte dann Harry an. „Ich werde Euch heute Vermählen, Majestät. Wie Ihr wisst, soll man als reine Seele in die Ehe eingehen und ich möchte Euch darum bitten, Eure Beichte vor dem Herrn abzulegen, bevor Ihr in den heiligen Stand der Ehe eintretet. Louis, würdet Ihr uns allein lassen?" Louis nickte und versprach Harry, vor der Tür zu warten, dann wandte er sich um, ging allein den Mittelgang entlang und verließ die Kapelle durch die hölzerne Tür.

Ob Harry dem Pastor von ihrer Beziehung berichtete? Ob er ihm sagte, dass er Lady Taylor nur zur Frau nahm, damit er die Soldaten bekam? Auch hier vor der Kapelle war es kalt und zugig und Louis zog den Umhang um sich ein wenig enger. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als die nächsten Stunden einfach überspringen zu können. Dann wäre diese Hochzeit vorbei und er könnte zusammen mit Harry in ihrer Kammer liegen. Oder würde das frisch vermählte Paar die erste Nacht gemeinsam verbringen müssen? Bei diesem Gedanken, machte sich eine Übelkeit in ihm breit, die Louis kaum kontrollieren konnte. Sie drückte ihm auf den Magen und er würgte kurz. Es war unvermeidbar, dass Harry mit seiner Frau die Ehe würde vollziehen müssen. Die großen Hände, die sonst über Louis Körper streichelten, die nur ihn bisher hatten anfassen dürfen, sie würden nicht mehr nur sein Privileg sein. Unruhig lief Louis in dem Korridor auf und ab und wünschte sich Jemanden, mit dem er reden konnte. Normalerweise wäre das Harry gewesen, doch er wollte ihn so kurz vor der Hochzeit nicht mit seinen Ängsten und Sorgen belästigen. Sicherlich fühlte sich der König auch nicht wohl bei der ganzen Sache und wenn er wüsste, wie sehr Louis mit dieser Ehe haderte, würde er vielleicht das Ganze abbrechen und somit ihrer aller Sicherheit gefährden. Er könnte mit Liam sprechen, der wäre immerhin nicht in der Lage, seine Sorgen weiter zu tratschen. Für einen Moment, überlegte Louis, den Merry Men aufzusuchen, doch er hatte Harry versprochen zu warten, also blieb er stehen. Obwohl er es kaum abwarten konnte, seine Sorgen loszuwerden, blieb er im Korridor stehen und wartete auf seinen König.

Harry kam recht schnell zurück. Vielleicht hatte er nicht viel zu beichten gehabt. „Lass uns in unsere Kammer gehen. Ich muss mich umziehen." seufzte der junge König, griff nach Louis Hand und sie nahmen einen weniger genutzten Weg zur Kammer, damit sie Niemandem begegneten.

„Ich glaube, das eleganteste Gewand, das ich besitze, ist das hier." Harry zog ein schwarzes Wams mit langen Schößen aus der Holztruhe und hielt es vor sich. Es war aus Samt, mit dunklen Ranken bestickt und an den Ärmelaufschlägen, sowie am Kragen mit goldenen Borden verziert. Dazu gehörte eine helle Weste, die ebenfalls reich bestickt und aus sehr steifem Stoff gefertigt war. „Das sieht sehr schön aus. Lady Taylor wird es sicherlich gefallen." murmelte Louis, dem es immer schwerer fiel, die Tränen zurück zu halten. „Gefällt es dir? Ich will, dass du es magst. Ich mache mich für niemanden zurecht, außer für dich." sagte Harry, legte das Kleidungsstück auf dem Bett ab und schloss Louis in die Arme. Sein Hemd hatte er bereits zur Hälfte geöffnet und so konnte Louis das Gesicht an seine bloße Haut pressen. „Ich will, dass du die ganze Zeit hinter mit stehst. Ich brauche dich. Alleine kann ich das nicht bewältigen." Diese Worte genügten, um bei Louis das Fass zum Überlaufen zu bringen. Er konnte die Tränen nicht länger zurückhalten und sie tropften ungehindert auf Harrys Haut. „Oh Louis...." vorsichtig hob er seinen Kopf an und blickte ihm in die Augen. Louis sah denselben Schmerz in ihnen, den auch er selbst verspürte. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht mit meinen Gefühlen belästigen...du musst dich auf die..." Louis brachte es kaum über sich, schluckte und sagte dann: „...du musst dich auf die Hochzeit konzentrieren..." - „Das kann ich erst, wenn ich weiß, dass du in Ordnung bist...bitte Louis...mir geht es doch nicht besser damit, als dir..." Er umfasste Louis Gesicht mit den Händen und drückte ihm mehrere Küsse auf die Lippen, während Louis verzweifelt versuchte, die Tränen einzudämmen. Es gelang ihm nicht sonderlich gut, doch Harry strich ihm immer wieder mit dem Daumen über die Wangen und wischte sie alle weg. Sie sahen sich einen Moment lang schweigend an, dann fragte Harry: „Hilfst du mir, in diese Kleidung zu kommen?" Louis nickte unter Tränen und fuhr mit den Händen über Harrys nackte Brust. Er trug nur seine Hose. Nach einem weiteren Kuss auf Louis Stirn, beugte sich Harry noch einmal zu der Truhe hinunter und zog ein hellgraues Hemd heraus. Die Ärmel waren weit geschnitten und er schlüpfte hinein. Langsam schloss er die Knöpfe des Hemds und reichte Louis dann die bestickte Weste. „Hier, kannst du mir da hineinhelfen?" Er drehte sich um und schlüpfte in die Weste, die Louis ihm über die Schulter streifte. „Du meine Güte, ist das eng. Wenn das alles mal meinem Vater gehört hat, muss der aber wirklich dünn gewesen sein." Er richtete sich wieder auf, zog die Weste zu und verschloss die vergoldeten Schnallen, wärend er die Luft anhielt. „Vielleicht werde ich bewusstlos, weil ich nicht atmen kann und komme so um die Vermählung herum." überlegte Harry und drehte sich mit gequältem Gesicht wieder zu Louis um. Dieser hätte gerne über den kleinen Witz gelacht, aber es ging nicht. Es blockierte ihn heute. Er half Harry auch noch in das Wams und seufzte, als er sah, wie gut ihm die elegante Kleidung passte. „Soll ich meine Haare zusammenbinden?" fragte er Louis, der mit den Schultern zuckte und murmelte: „Mit offenen Haaren gefällst du mir besser." - „Gut, dann lasse ich sie so." Harry trat einen Schritt zurück und sah Louis an. Mit einem Mal wirkte er unsicher und ängstlich, obwohl er so schick und elegant aussah. „Kannst du mich bitte nochmal in den Arm nehmen? Ich brauch ein wenig mehr Mut, als das klägliche Bisschen, das ich gerade verspüre." Louis nickte und schlang die Arme um den jungen König. Harry erwiderte die Umarmung, so gut es die steife Kleidung zuließ und vergrub sein Gesicht an Louis Halsbeuge. „Ich liebe dich...und ich bin dir so dankbar, dass du mir beistehst...du bist so unglaublich stark...dafür danke ich dir." Sie wandten die Gesichter einander zu und Harry drückte Louis sanft seine weichen Lippen auf den Mund. Der Kuss schmeckte salzig und Louis bemerkte, dass auch Harry Tränen in den Augen hatte. Den ganzen Tag hätte er hier stehen und Harry küssen können, doch die Vermählung stand an und sie mussten sich überwinden, in die kleine Kapelle zu gehen.

Der verlorene KönigGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt