6. Kapitel (Adlerpfote)

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Adlerpfote hörte ein Jaulen, markerschütternd und ohrenbetäubend, und er zuckte erschrocken  zusammen, als fremde Katzen in das SturmClan-Lager strömten und sich auf die Krieger stürzten.

Adlerpfote selbst fand sich einem dunkel getigertem Kater wieder, der zwar jünger zu sein schien, aber viel größer war als er selbst.

Der Dunkle Kater schlug brutal auf ihn ein, Blut spritzte auf den Boden. Adlerpfote tauchte unter den Bauch des Katers und stemmte sich dann ruckartig hoch, sodass sein Gegner von den Pfoten geschleudert wurde.

Das gab ihm einen Moment Verschnaufpause und er sah sich mit wachsender Verzweiflung im Lager um; Sein Blick wanderte über die kämpfenden Katzen und blieb an einer jungen Kätzin hängen.

Es war die, die er auf seiner ersten Grenzpatroullie gesehen hatte. Er wusste selbst nicht genau, warum, aber er hatte sie nicht verraten.

Etwas war zwischen den Beiden, keine Liebe, eher eine Art Band einer gemeinsamen Bestimmung. Adlerpfote konnte nicht länger seinen Gedanken nachhängen, er musste für seinen Clan kämpfen.

Er und der fremde Kater schlugen weiter aufeinander ein, rollten über den Boden. Doch immer mehr seiner Clan-Gefährten flohen aus der Senke, auch Adlerpfote, als ein weiterer Gegner sich auf ihn stürzen wollte.

Er preschte durch die Büsche am Rande des Lagers und folgte seinen Clan-Gefährten, ohne zu bemerken, wohin sie, angeführt von Löwenstern, der in diesem Kampf ein Leben verloren hatte, flohen.

Das realisierte er erst, als sich vor ihm ein riesiger, uralter Felsen erhob, aus dem sich ein Wasserfall speiste, dessen schimmerndes, klares Wasser, am Boden angekommen, zu einem kleinen Bach wurde, der die Grenze zwischen LichtClan und NebelClan markierte.

Der Mondfall, dachte Adlerpfote. Der heilige Wasserfall, hinter dem sich eine kleine Höhle befand, wo die Heilerkatzen sich jeden Halbmond trafen und Träume mit dem SternenClan teilten.

Der Mondfall befand sich im Zentrum der Territorien. Auf dem Felsen, aus dem das Wasser quoll, fanden die großen Versammlungen statt.

"Warum sind wir hier?", keuchte seine Schwester Schattenpfote erschöpft.

"Ich habe eine Idee. Wir bitten die anderen Clans um Hilfe und erobern gemeinsam unser Territorium zurück!" Das war Flimmerschatten.

Der ungewöhnlich, geradezu irritierend gemusterte Kater trat auf Löwenstern zu.

"Wir können unser Territorium allein verteidigen!", fauchte der goldgelb getigerte.

"Löwenstern, du bist zu stolz! Mir gefällt es auch nicht, dass wir auf die Hilfe der anderen Katzen angewiesen sind, aber in diesem Zustand haben wir keine Chance!", miaute eine schwarz-weiße Kätzin eindringlich.

Löwenstern musste sich das eingestehen, es war ihm schon immer schwergefallen, Schwäche zu zeigen. Nun wandte er ein:" Aber was, wenn die Anderen uns nicht helfen wollen?"

"Das werden wir nur herausfinden, wenn wir sie fragen!", miaute Schattenpfote ungeduldig.

"Erstmal sollten wir die Totenwache für Erlenfeuer und Häherschatten halten! Morgen können wir weitersehen", schaltete sich Eisklang ein, der silberweiße Krieger hatte erstaunlich wenig Wunden vom Kampf davongetragen.

"Eisklang hat Recht!", entschied Löwenstern und erst jetzt brachen die Ereignisse über Adlerpfote herein, die Taubheit verschwand und er brach erschöpft zusammen, versuchte vergeblich, wach zu bleiben, und er versank in der Dunkelheit.

Als er erwachte, war der Großteil des Clans schon wieder -oder noch immer- wach und als alle Katzen die Augen geöffnet hatten, begann Löwenstern, Ankündigungen zu machen:" Wir werden die anderen Clans um Hilfe bitten!

Haselschatten, du gehst mit Funkenherz, Eichensprung, Adlerpfote und Waldsprung zum FlammenClan, Eisklang, Wirbelflamme und Schattenpfote kommen mit mir zum NebelClan, Flimmerschatten sucht mit Sonnenglut, Schattenfrost und Kieselflamme den LichtClan auf. Tauschatten bleibt mit Wüstenschwinge, Eulenblick und den Jungen hier." 

Adlerpfote tappte zu Haselschatten, Funkenherz, Waldsprung und Eichensprung und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum FlammenClan-Territorium, das im dichten Wald lag.

Adlerpfote fühlte sich unwohl zwischen den eng nebeneinander stehenden Stämmen, als würden sie ihn einsperren. Sie mussten schnell wieder hier heraus, doch dafür mussten sie erst einmal mit dem FlammenClan sprechen.

Wie ein Schatten glitt vor ihnen eine Katze aus einem dichten Farngestrüpp, eine goldweiß gestreifte Kätzin.
"Seid gegrüßt. Was führt euch hier her?", miaute sie höflich.

"Lichtflügel. Hallo. Wir möchten mit Luchsstern sprechen.", antwortete Haselschatten, und obwohl die beiden Kätzinnen so höflich waren, schien die Stimmung so frostig wie ein Morgen mitten in der Blattleere.

"In Ordnung. Folgt mir", wies Lichtflügel sie kühl an und führte sie entlang von schmalen Pfaden auf eine Lichtung, allem Anschein nach das FlammenClan-Lager, wo sofort einige Katzen alarmiert die Köpfe hoben und zu Tuscheln begannen.

Adlerpfote fing nur einzelne Wortfetzen wie "SturmClan-Dreck", "Überfall", oder ähnliches auf und ihm sank der Mut. Diese Katzen würden ihnen bestimmt nicht helfen. SternenClan, steh uns bei!

Ein brauner Kater mit dunkelbraunen Punkten und blattgrünen Augen trabte aus einem Bau zwischen den Wurzeln einer Kastanie am Rande der Lichtung heraus und betrachtete die SturmClan-Katzen.

"Sei gegrüßt, Luchsstern, " miaute Haselschatten.

"Was führt euch hierher?", wollte Luchsstern wissen.
Es war nicht Haselschattens Art, lange unnötige Reden zu halten.

"Wir brauchen eure Hilfe. Die Hilfe aller Clans. Diese fuchsherzigen Steuner haben unser Lager überfallen, einige unserer Krieger getötet und uns vertrieben. Wir müssen uns zusammenschließen, um sie zu besiegen."

Hastig fügte Eichensprung hinzu:" Sie sind gefährlich. Wenn wir uns nicht zusammentun, werden sie einen Clan nach dem anderen vernichten!"

Adlerpfote sah, dass Luchsstern über die Worte des orangenen Kriegers nachdachte. Das war schlau von Eichensprung! Luchsstern würde uns nicht einfach so helfen, aber wenn sein Clan in Gefahr ist, würde sich vielleicht mit uns zusammentun.

"Wir werden uns in einem Sonnenaufgang am Mondfall treffen und euch helfen, diese elenden Schlangenherzen zu verjagen!"

Haselschatten neigte den Kopf. "Der SturmClan dankt euch. Bis morgen, SternenClan sei mit euch!" Mit diesen Worten lief sie zurück in den Wald, die Patroullie folgte ihr.

Adlerpfote hörte noch Stimmen von hinter ihm aus dem Lager: "Schluchtflügel, Rabensprung, folgt ihnen und sorgt dafür, dass sie unser Territorium auch wirklich verlassen."

Am Mondfall angekommen, erzählten die Katzen ihren Clan-Gefährten die gute Nachricht; auch die anderen Clabns würden ihnen helfen. Löwenstern sprang mit einem gewaltigen Satz auf den Mondfall-Felsen und rief den Katzen zu:

"Sehr gut! Dann holen wir uns nächsten Sonnenaufgang unser Territorium zurück!" Der SturmClan verfiel in lautstarken Beifall, jetzt wieder voller Hoffnung und Zuversicht.

Warrior Cats -  Sturmfeuers RufWo Geschichten leben. Entdecke jetzt