Eine Mischung aus Erleichterung, Verwunderung und Schock breitete sich langsam in Sirius' Körper aus.
Er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.
,,Nächsten Montag werden wir abreisen. Remus, du wirst deinen letzten Lohn am Sonntag bekommen, die Kosten für deine Rückreise musst du selbst übernehmen", beendete Orion die Nachricht, bevor er sich schließlich selbst an den Tisch setzte.
Jeder Einzelne der bis vor ein paar Sekunden noch Unwissenden schien sie noch nicht ganz verstanden, geschweige denn aufgenommen zu haben.
Während Remus mit geschlossenen Augen langsam seinen Kopf sinken ließ, schauten Regulus und Walburga verwirrt auf die polierte Tischplatte und sich somit selbst wahrscheinlich ins Gesicht.
,,Aber... Sie macht doch genug Umsatz und-"
,,Wenn sie dies tun würde, würde ich dann immer noch mit euch in diesem renovierungsbedürftigen Haus leben?"
Mit einem kritischen Blick besah sich Orion seiner Frau, die es tatsächlich erneut gewagt hatte eine seiner Entscheidungen zu hinterfragen und sie nicht einfach so anzunehmen.
,,Wir... Wir könnten doch erstmal alle Optionen durchgehen, die wir jetzt haben und dann entscheiden wie es weitergeht, oder nicht?"
Fragend richtete Sirius seinen Blick zu seinem Vater.
,,Nein, das wird nicht möglich sein. Der Kaufvertrag ist bereits abgeschlossen, der neue Besitzer freut sich schon sehr darüber die Fabrik mit eigenen Augen sehen zu können", gab dieser unbeeindruckt wirkend zum Verständnis, während er die Falten seines Ärmels betrachtete.
,,Vater wird sich sicher viele Gedanken über die Entscheidung gemacht haben und hätte sie garantiert nie umgesetzt, wenn es eine bessere Lösung gegeben hätte", meinte Regulus auf einmal.
,,Ja, das habe ich. Es ist schön zu wissen, dass wenigstens einer der hier Anwesenden meine Pläne versteht und schätzt."
Mit einem tatsächlich gar nicht mal so unbeholfenen Lächeln - eher leichtem Erheben der Mundwinkel - schaute Orion seinen jüngsten Sohn an und begann ihm stolz auf die Schulter zu klopfen.
Da war es schon wieder. Dieses unheimliche Funkeln in Regulus' Augen, das er immer dann bekam, wenn sein Vater ihm Lob aussprach.
,,Aber du hättest diese Entscheidung trotzdem mit uns absprechen sollen. Schließlich geht es dabei auch um uns", grätschte Sirius in den liebenswerten Bindungsmoment zwischen Vater und Sohn ein.
Regulus hatte gerade erst wieder zu seinem alten, unfassbar friedfertigen Selbst wiedergefunden. Noch einmal sollte es einfach nicht verschwinden.
,,Ich glaube du verstehst die Lage einfach nicht, Sirius. Da gab es nichts mit euch zu besprechen. Die in der Fabrik entstandene Ware hat verglichen mit den Kosten für das Halten der Schafe und das Bedienen und Versorgen der Maschinen so gut wie keinen Umsatz gemacht, weshalb dies einfach die beste Entscheidung war. Gerade du müsstest dich doch über diese Nachricht freuen, da du dich doch so sehr nach London sehnst."
Der abfällige Tonfall in Orions Stimme war nicht zu überhören.
Langsam öffnete Sirius seinen Mund, schloss ihn nach ein paar Sekunden allerdings wieder, da er diese Diskussion ja doch verlieren würde und er sich so wenigstens die Kopfschmerzen und immer weiter in die Höhe steigenden Aggressionen ersparen konnte.
,,Hat noch irgendjemand etwas zu dem Thema hinzuzufügen?"
Ein synchrones Kopfschütteln der Beteiligten beantwortete die Frage recht schnell.
,,Sehr gut. Dann fangt an wieder euren bisherigen Tätigkeiten nachzugehen."
Gelangweilt wirkend erhob sich Orion von seinem Platz und trat anschließend den Weg zum Obergeschoss des Hauses an.
Auch Walburga entschied sich für dieses Ziel, auch wenn sie dabei immer noch ziemlich nachdenklich, gar verunsichert wirkte.
Seit dem Gespräch mit Sirius schien sie irgendwie... anders zu sein.
Nicht unbedingt herzlicher oder generell liebevoller, aber definitiv anders.
,,Ich geh dann auch wieder", sagte Remus leise, bevor er sich langsam erhob und auf die Haustür zutrat.
Besorgt schaute Sirius ihm hinterher. Bis vor ein paar Stunden hatte der Mann noch das blühende Leben und Freude versprüht.
Ob Orion ihm gedroht hatte?
Nachdenklich lehnte sich der Schwarzhaarige an die Lehne des Stuhls an.
Er wollte noch ein wenig warten, bevor er Remus einen kleinen Besuch abstattete, um einerseits noch etwas mehr Zeit für einen guten Aufheiterungsplan zu haben und andererseits nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf ihn und sich selbst zu ziehen.
——
,,Remus, bist du da?"
Besorgt klopfte Sirius erneut gegen die Tür der Hütte.
Doch erneut erhielt er keine Antwort.
Mittlerweile war etwa eine Stunde seit der Hiobsbotschaft vergangen. Etwa eine Stunde, die der Schwarzhaarige damit verbracht hatte sich den Kopf zu zerbrechen.
Abertausendmal war er die verschiedenen Gesprächs- und Frageoptionen, die ihm zu Remus' nicht allzu glücklichem Eindruck eingefallen waren, geistig durchgegangen und hatte sogar darüber nachgedacht ihm auf die Schnelle noch ein kleines Geschenk zu basteln.
Als er jedoch auch nach ein paar Sekunden erneut keine Antwort erhielt, öffnete er langsam die Tür und lugte vorsichtig hinein.
,,Remus? Ich fang echt an mir Sorgen zu machen."
Leise betrat Sirius das Innere der Hütte, in welchem er seinen Freund auf den ersten Blick allerdings nicht ausfindig machen konnte.
Eine unangenehme Spannung breitete sich in seinen Gliedern aus, als er langsam auf die Tür zum Badezimmer zutrat.
Ein letztes Mal noch hielt er inne, bevor er sanft mit den Knöcheln gegen die hölzerne Tür klopfte.
,,Es ist okay, wenn ich wieder gehen soll, aber bitte sag mir einfach nur, dass es dir gut geht. Bitte."
,,Es geht mir gut..."
Remus' leise Stimme drang unfassbar schwach durch das dunkle Holz hindurch.
,,Ich komm jetzt rein, okay?"
Sirius wartete noch ein paar Sekunden auf Einspruch, doch als dieser nicht eintraf umschloss er langsam den Knauf der Tür und öffnete sie anschließend.
,,W... Remus, was ist los?"
Vorsichtig näherte er sich dem Braunhaarigen, der mit tränenverschmiertem Gesicht und einer bereits halb geleerten Flasche Whiskey in der Badewanne lag.
,,Kannst... Kannst du wann anders wiederkommen?"
Langsam richtete Remus seinen Blick in Sirius' Richtung und sah ihn mit einem fast schon flehenden Ausdruck im Gesicht an.
,,Klar. Darf ich nur kurz...?"
Vorsichtig nahm er ihm die Flasche ab, bevor er ihm sanft über die Stirn strich.
,,Ich kenn das von mir und weiß, dass diese Art mit Problemen umzugehen nicht besonders gesund ist", erklärte er, während er sich langsam wieder aufrichtete.
Remus nickte verstehend und fuhr sich danach zitternd mit den Händen durch sein Gesicht.
,,Kannst du vielleicht doch noch bleiben? Tut mir leid, ich weiß gerade einfach nicht weiter..."
,,Klar, Hase. Lass uns aber vielleicht lieber zu deinem Bett gehen, hier ist es wirklich ungemütlich."
Lächelnd reichte Sirius Remus die Hand, welche dieser nach ein paar Sekunden dankend annahm.
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Barefoot on Grass
FanfictionWolfstar Muggel-AU: Es war seltsam. Bei seiner Ankunft an diesem einsamen Ort war er überzeugt davon gewesen, dass sein Leben nun ein rasches Ende gefunden hatte und er nie wieder dieses reine, unfassbar kostbare Glück empfinden könnte. Dass sich di...
