Feinde, Freunde und Geliebte

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Langsam zog Sirius seine Beine näher an seinen Körper heran, als er hören konnte wie draußen Remus' Wagen davon fuhr.

Eigentlich hätte auch er sich in dem grünen Gefährt befinden sollen, doch aufgrund gestriger Ereignisse hatte er nicht die Kraft finden können, um seinen recht unbequemen Platz auf dem Boden zu verlassen.

Frustriert schloss er seine Augen und zog sich sein Oberteil über den Kopf, während er darauf hoffte, dass Remus nicht allzu sauer oder enttäuscht wäre und er ihm die Situation in Zukunft irgendwie erklären könne.

Langsam richtete Sirius seinen Blick zur Tür, als er auf einmal ein lauteres Klopfen vernehmen konnte und bot der Person sogleich den gewünschten Einlass, auch wenn dies ziemlich leise geschah.

,,Sirius, das musst du echt mal in den Griff- Geht es dir gut?"

Regulus versuchte seine Besorgnis zwar zu verstecken, doch trotzdem konnte sein älterer Bruder sie deutlich in seinen Augen erkennen.

,,Ja, ich hab's gerade einfach nur nicht so mit dem Essen", antwortete Sirius fast schon flüstern, während er versuchte sich etwas aufzurichten.

,,Oh, okay. Sag Bescheid, falls es schlimmer werden sollte."

Er konnte es sich zwar auch aufgrund seiner aktuellen Situation einfach nur eingebildet haben, doch trotzdem meinte der Schwarzhaarige ein leichtes, Zuversicht versprühendes Lächeln auf den Lippen seines Bruders erkannt zu haben.

,,Danke, das werde ich tun."

,,Dann... ruh dich am besten erstmal aus. Ich werde Vater und Mutter Bescheid geben, dass du wach bist, dein Wohlbefinden jedoch deutlich besser sein könnte. Dir wünsche ich jedenfalls noch gute Besserung."

,,Das ist lieb, danke."

,,Gern. Bis später."

Nachdem Regulus durch die Tür getreten war und diese hinter sich geschlossen hatte, staute sich sogleich eine erneute Wand aus Tränen in den Augen seines Bruders an.

Langsam zog er die Beine an seinen Körper heran und vergrub zitternd den Kopf unter seinen Händen, bevor schließlich die unverhoffte Welle an Traurigkeit, Angst und Dunkelheit zurückkehrte.

Sirius wusste, dass er sich eigentlich über Regulus' leichte Fürsorge ihm gegenüber hätte freuen sollen, doch die Verwirrung über die abrupten Wandel des Mannes, der für ihn immer noch ein kleiner Junge war und wahrscheinlich auch immer bleiben würde, irritierten ihn einfach zu sehr und schienen ihn regelrecht in ein tiefes Loch zu werfen, aus dem es fast schon unmöglich zu sein war alleine wieder hinaus zu kommen.

——

Langsam richtete Sirius seinen Blick aus dem Fenster, als er auf einmal einen Wagen relativ leise an die kleine Zivilisation heranfahren hören konnte.

Trauer setzte sich in seinem Hals an und fiel mit einer unschönen Wucht in seinen Magen hinab, als er Remus aus dem grünen Gefährt steigen und anschließend das Lamm vorsichtig hinaus heben sah.

Schnell verschwand Sirius wieder im Schutz seiner Wand direkt unter dem Fenster, als er erkennen konnte wie der vielseitige Gärtner seinen Blick langsam zum Zimmer des Schwarzhaarigen schweifen ließ.

Ein unangenehmes Schuldgefühl überkam ihn auf einmal und krallte sich tief in seiner Haut, sowie seinen Organen fest.

Er hasste es sich so hilflos und winzig zu fühlen, konnte gegen die Gefühle jedoch nicht ankommen, geschweige denn sie verdrängen.

Vorsichtig versuchte er wieder aufzustehen - dabei möglichst nicht im Sichtfeld des Fensters - und sah sich anschließend nachdenklich die Stelle an, an der er sich in vergangener Nacht seinen Mageninhalt - welchen er mittlerweile sorgfältig beseitigt hatte - losgeworden war.

Schnell, aber dennoch ziemlich schwankend, trat er auf seine Zimmertür zu, versicherte sich vor dem Verlassen des Raumes jedoch noch kurz, dass sich niemand auf dem Flur befand.

Es fühlte sich seltsam an den zerstörenden Schutz des Raumes, welchen er jeden Tag etwas mehr zu hassen schien, zu verlassen, auch wenn er wusste, dass dies womöglich die beste - wenn nicht sogar einzige - Lösung sein würde.

——

,,Sirius? Was-"

Ein wenig überfordert stolperte Remus zurück, als ihm der Schwarzhaarige auf einmal um den Hals fiel.

,,Es tut mir so unfassbar leid, dass ich heute nicht da war, aber mir ging es echt total beschissen und-"

,,Hey, hey, hey, ist schon gut. Ich bin nicht sauer oder so. Ich war einfach nur ein wenig verwirrt und hab mir ein paar Sorgen gemacht."

Vorsichtig strich der Gärtner Sirius mit dem Daumen eine Träne von der Wange und schloss anschließend langsam die Tür der Hütte.

,,Willst du mir erzählen, was passiert ist? Oder was generell einfach war?"

,,Hast du Zeit?"

,,Sehr viel."

Lächelnd setzte sich Remus auf sein Bett und deutete seinem Gesprächspartner sogleich, dass er sich zu ihm gesellen sollte.

,,Soll... Soll ich einfach anfangen?"

,,Fang mit dem an, womit du dich am wohlsten fühlst und arbeite dich dann langsam vor. Wenn du willst, dass ich dir Ratschläge geben oder was anderes Bestimmtes machen soll, sag mir Bescheid, okay?"

Dankbar begann Sirius zu nicken und schaute den Braunhaarigen anschließend für ein paar Sekunden einfach nur gedankenverloren an, bevor er seinen Kopf langsam auf seiner Schulter ablegte und vorsichtig seine Arme um seinen Körper schlang.

,,Du bist hier sicher, okay? Niemand kann dir hier was tun."

Liebevoll küsste Remus Sirius' Haaransatz und fuhr sanft mit seinem Daumen über dessen Rücken.

,,Okay, also... Ich hab gestern aus Zufall erfahren, dass meine Mutter früher genau wie ich war und in diese Ehe mit meinem Vater gedrängt wurde, obwohl sie das nie wollte...", begann der Schwarzhaarige zitternd zu erzählen und biss sich unsicher auf die Unterlippe.

,,Sie... Sie wollte Künstlerin werden und die Welt bereisen."

Erneut machte er eine Pause und schaute mit tränenverschwommenen Augen zur Decke.

,,M-Meine Mutter hasst mich so sehr, weil ich sie an ihr früheres Ich erinnere. Sie hasst es wie ähnlich wir uns in diesem Fall sind und, dass ich mich einfach nicht brechen lassen will, während sie es damals zugelassen hat. Dieser Teil, der früher unbedingt Freiheit haben wollte, lebt immer noch in ihr weiter, verlangt nun Rache und möchte jeden zu Fall bringen, der seine Träume verfolgt... Und ich... ich fühle mich irgendwie so unfassbar schuldig... Wenn es mich niemals gegeben hätte, dann hätten jetzt vielleicht alle ihr perfektes Traumleben und befänden sich jetzt nicht in dieser Situation..."

Mit einem leicht auffordernden Blick schaute Sirius seinen Gesprächspartner hilflos an.

Dieser verstärkte seinen Griff um ihn ein wenig, bevor er mit dem Sprechen begann.

,,Du bist definitiv nicht Schuld daran, was deiner Mutter widerfahren ist. Du bist einfach nur ein Kind, das aus reinem Zufall in diese Familie hinein geboren wurde. Es ist natürlich tragisch, was deiner Mutter passiert ist, aber dir die Schuld daran zu geben und dich dafür zu hassen, dass du so zu sagen ihren Traum weiterlebst ist einfach ummenschlich. Du bist ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen und Wünschen, die definitiv nicht verdrängt, sondern gefördert werden sollten. Ich weiß nur sehr wenig über deine Familie und ihre Geschichte Bescheid, aber aus deinen Erzählungen schließe ich einfach mal, dass sie eine nicht allzu positive Einstellung zu Dingen hat, die nicht nach ihrem Plan verlaufen und generell einfach ein wenig anders sind, was aber definitiv nicht deine Schule oder so ist. Du bist einfach ein eigener, besonderer und unfassbar toller Mensch, der es definitiv nicht verdient hat so behandelt zu werden wie er es gerade wird und der definitiv keine Schuld daran trägt, dass das Leben seiner Mutter so scheiße verlaufen ist. Wirklich, Sirius Black, du bist ein unfassbar liebenswürdiger, kreativer, toller und intelligenter Mensch, dem ich so dankbar dafür bin, dass er auf dieser Welt ist."

Barefoot on GrassWo Geschichten leben. Entdecke jetzt