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Ich wachte auf, als der erste Lichtstrahl durch den Spalt meiner Vorhänge fiel und mir direkt ins Gesicht schien. Mein Kopf war schwer, nicht wegen der Müdigkeit, sondern wegen dieser eigenartigen inneren Unruhe, die sich seit Tagen bei mir eingenistet hatte. Ich lag noch einen Moment regungslos da, starrte die Decke an, als würde sie mir irgendeine Antwort geben. Gab sie natürlich nicht. Ich seufzte leise und schwang mich aus dem Bett.
Der Weg ins Bad war automatisch, wie jeden Morgen. Ich streifte mir die Unterhose vom Leib, drehte die Dusche auf und stellte mich unter das heiße Wasser. Es prasselte auf meine Haut und ließ die Anspannung zumindest oberflächlich von mir abperlen. Ich wusch mir das Gesicht, ließ das Wasser kurz über meinen Rücken laufen und dachte, wie so oft, über nichts Konkretes nach. Danach griff ich zur Zahnbürste, drückte die Zahnpasta drauf und schrubbte mechanisch, während ich mich im Spiegel betrachtete. Die Augen müde, die Gesichtszüge kantig wie immer, aber irgendwie... leer. Ich griff zum Handtuch, trocknete mich ab, kämmte meine Haare zurück und verteilte großzügig Gel darin. Die silbernen Strähnen fielen, wie sie sollten, exakt und glatt nach hinten. Wenigstens das hatte ich im Griff. Ohne meine Frisur war ich einfach nichts. Sagte ich mir immer wieder. War halb Spaß, halb bittere Wahrheit.
Zurück in meinem Zimmer zog ich mir eine bequeme graue Jogginghose an und ein schlichtes weißes T-Shirt. Locker, unauffällig. Ich hatte keine Lust auf Gespräche oder Getue, heute nicht. Ich schlüpfte barfuß in meine Schlappen und trottete langsam Richtung Treppe, als plötzlich ein lautes „FRÜÜÜHSTÜÜCK!" durchs ganze Haus hallte. Ich verzog das Gesicht. Natürlich Tobi. Ich schwöre, der Typ hat eine Stimme, als hätte er 'ne leere Blechtrommel verschluckt.

Unten angekommen sah ich ihn schon in der Küche rumwuseln, wie ein übergroßer, hyperaktiver Kürbis. „Morgen, Schreihals", murmelte ich mit einem angedeuteten Grinsen, während ich mich an meinen üblichen Platz setzte.
rechts außen, mit Hina zu meiner Linken. Die perfekte Position, um bei Bedarf unauffällig die Augen zu verdrehen oder mit ihr über den Tisch hinweg leise zu lästern.
Hina kam ein paar Minuten später runter.
Ihr Gang war leichtfüßig, fast tänzelnd, und ihr Blick wurde weicher, als sie mich sah. Sie trat näher, beugte sich zu mir und drückte mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Ich erwiderte nur ein kurzes, grunzendes Geräusch, das irgendwas zwischen „Guten Morgen" und „Lass das sein, hier sind Leute" bedeuten sollte.
Itachi, wie immer stumm und analytisch, ließ den Blick kurz zwischen uns hin und hergleiten. Er schwieg, aber ich sah die Frage in seinen Augen. Noch immer war er nicht ganz überzeugt davon, dass Hina und ich wirklich Geschwister waren. Aber ganz ehrlich? Das war sein Problem, nicht meins. Ich hab jedenfalls nicht meine Familie abgeschlachtet.
Die beiden setzten sich, und nach und nach füllte sich der Tisch mit den restlichen Akatsuki-Mitgliedern. Es war wie ein schräges Klassentreffen aus der Hölle: Sasori mit seinem ewigen Pokerface, Deidara, der aussah, als würde er jeden Moment explodieren, Kisame mit seinem Haifischgrinsen und Konan, die wie immer versuchte, ein wenig Ordnung in den Haufen zu bringen.

„Oi, Tobi!", rief Deidara plötzlich quer durch den Raum.
„Jaaaaa?", kam es prompt zurück, schrill und erwartungsvoll.
„Wieso dauert das denn so lange mit dem Frühstück, hm?"
„Deidara-chan, warte! Einen Moment!", trällerte Tobi zurück und erschien dann tatsächlich mit einem beachtlichen Stapel Teller in den Armen.
Ich erwartete nichts Besonderes, aber das Essen war überraschend gut. Rührei, gebratene Reisbällchen, sogar ein paar süße Brötchen. Ich begann zu essen, während um mich herum wie immer alles durcheinanderredete.
Doch dann öffnete sich die Tür und es trat jemand ein, der die ganze Atmosphäre schlagartig veränderte: Madara. Mit ihm kamen Shisui der dauergrinsende Saubermann und Skyla. Sie wirkten ungewöhnlich ernst. Ich sah sie nur flüchtig an, wollte eigentlich gerade mein Brötchen fertig essen und mich dann verziehen, aber Madara hob die Stimme und bat um Aufmerksamkeit.
„Skyla und Shisui haben etwas mitzuteilen", sagte er ruhig, mit diesem kalten Stolz in der Stimme.
Ich hielt inne. Etwas in mir zog sich zusammen, bevor auch nur ein Wort gefallen war.
„Also, ja...", begann Shisui verlegen und kratzte sich am Nacken, „wir wollten euch sagen, dass Skyla und ich heiraten"
Es war, als hätte jemand kurz die Luft aus dem Raum gezogen. Für einen Moment war es ganz still in meinem Kopf. Ich wusste nicht, warum es mich so traf oder vielleicht wusste ich es doch, wollte es mir aber nicht eingestehen. Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in meiner Brust aus, so etwas wie Eifersucht, Groll, Unbehagen. Ich wollte aufspringen, etwas sagen, etwas kaputtmachen, stattdessen klatschte ich wie alle anderen höflich mit.
Hina sprang sofort auf, rief erfreut Skyla beim Namen und fiel ihr um den Hals. Ich nutzte die Gelegenheit, um aufzustehen. Als ich an Skyla vorbeiging, spürte ich ihren Blick in meinem Rücken. Schwer, fragend, fast verunsichert. Vielleicht hatte sie gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Vielleicht war sie einfach nicht an meinen sogenannten „Fick-dich-Blick" gewöhnt, wie Hina ihn gern nannte. Vielleicht war es auch einfach nur ein Zufall.

Was bleibt, wenn wir bleiben? Hidan FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt