Der Wald zog sich endlos hin.
Alles sah gleich aus. Matsch, Äste, zu viele Grüntöne, als hätte jemand den Kontrast hochgedreht und den Sinn rausgedreht. Ich hielt die Karte vor mich, als könnte ich mir damit irgendeine Richtung einreden. Eigentlich wusste ich längst nicht mehr, ob wir noch richtig liefen, aber ich war zu stolz, um zuzugeben, dass ich absolut keine Ahnung hatte. Hinter mir stapfte Kakuzu wie ein Schatten, ruhig, berechnend, gleichmäßige Schritte. Ich hörte ihn nicht schnaufen, nicht fluchen, nicht mal husten. Er war wie immer: emotionslos, stur, still. Ich spürte seinen Blick im Rücken, dieses leise Urteil, das er nicht mal aussprechen musste. "Sag mal, bist du dir überhaupt sicher, dass wir noch auf Kurs sind?" fragte er schließlich, mit diesem trockenen Ton, der einen wahnsinnig machen konnte. Ich hielt die Karte höher, fast trotzig. "Natürlich bin ich sicher", log ich ohne mit der Wimper zu zucken. Er trat neben mich, warf einen kurzen Blick drauf und hob nur eine Braue. "Du hältst die Karte falsch herum." Ich senkte sie und drehte sie, als würde das irgendwas besser machen. "Wenn du meinst, du kannst es besser, dann führ doch", knurrte ich, stapfte aber trotzdem weiter, obwohl ich mittlerweile nicht mal mehr wusste, ob wir überhaupt noch im Feuerreich waren. Kakuzu sagte erstmal nichts. Natürlich nicht. Er wusste genau, dass ich das hier nur machte, um nicht an andere Dinge zu denken. Oder besser gesagt: an eine bestimmte Sache. Oder Person. Ich zog die Schultern hoch, zog mir den Mantel enger um den Körper. Es war windig, feucht, und irgendwas an diesem Tag nervte mich mehr als sonst.
Ich wollte irgendwas schlagen. Oder anzünden. Oder beides. Vielleicht auch mich selbst. Stattdessen sagte ich: "Ich bin nicht abgelenkt." Kakuzu antwortete nicht. Also fügte ich schnell hinzu: "Ich meine, falls du das denkst." Er blieb kurz stehen. "Ich hab nichts gesagt." "Ja, aber du denkst laut." Er sah mich mit diesem toten Blick an. "Wenn du auf sie starren willst, dann tu es. Aber hör auf, so zu tun, als wüsstest du nicht, was los ist." Ich überlegte, ob ich ihn beleidigen sollte. Oder einfach weglaufen. Aber stattdessen sagte ich: "Sie hat shisui." Das war das erste Mal, dass ich es laut aussprach. Es klang scheiße. Es fühlte sich noch schlimmer an. Kakuzu nickte langsam. "Dann gewöhn dich an die Lücke." Ich trat gegen einen Ast, nur um irgendwas zu treten. "Und wenn ich das nicht kann?" fragte ich. Er sah mich an. "Dann macht es dich kaputt." Ich sagte nichts mehr. Es gab auch nicht viel zu sagen. Irgendwann wurde das Gelände weicher, der Wald lichtete sich, die Sonne verschwand hinter einer bleigrauen Wolkendecke. Der Wind nahm zu. Wir liefen weiter, kein Wort fiel. Vielleicht war das auch besser so. Meine Gedanken liefen sowieso im Kreis. Immer wieder dieses Gesicht. Ihre Stimme. Ihr Lachen. Und dieser Uchiha an ihrer Seite. Irgendwann am späten Nachmittag sahen wir Licht. Ein kleines Dorf, schief gebaut, mit einer Hauptstraße, die mehr Matsch als Weg war. Ein paar Häuser, ein Gasthaus, eine alte Mühle. Nichts Besonderes, aber nach Stunden durch Regen und Wald fühlte es sich fast nach Luxus an. Kakuzu ging voraus. Ich blieb einen Moment stehen, sah dem Rauch aus den Schornsteinen zu, und merkte, dass ich erschöpfter war, als ich mir eingestehen wollte.
Drinnen roch es nach billigem Alkohol, nassem Holz und alten Fellen. Der Gasthauswirt sah uns misstrauisch an, aber sagte nichts, als Kakuzu wortlos Münzen auf den Tresen legte. Zwei Schlüssel, zwei Zimmer. Ich nahm meinen und folgte ihm die knarrende Treppe hoch. Vor unseren Türen blieb ich stehen, sah ihn an. "Morgen früh?" fragte ich. "Erstes Licht", antwortete er. Dann verschwand er in seinem Zimmer. Ich blieb noch einen Moment stehen, zog meine Kapuze ab, fuhr mir durch die Haare. Ich hätte sie gern vergessen. Aber sie war immer noch da. Und dieses verdammte Gefühl auch. Ich schloss meine Tür, warf den Mantel über den Stuhl und ließ mich aufs Bett fallen. Für eine Nacht würde es reichen. Für alles andere nicht.
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Was bleibt, wenn wir bleiben? Hidan FF
FanfictionZwischen Macht, Misstrauen und unausgesprochenen Wahrheiten entfaltet sich ein innerer Krieg, den niemand sieht, außer denen, die ihn spüren. Hidan, von Natur aus stolz, unberechenbar und immun gegen sentimentale Schwäche, gerät in ein Netz aus Kont...
