Ich öffnete die Augen und brauchte einen Moment, um zu verstehen, wo ich überhaupt war. Es war noch dunkel im Zimmer, diese Art von Dunkelheit, die alles weich macht und gleichzeitig so schwer in der Luft hängt, als müsste man sich erst wieder an die Welt gewöhnen.
Ich spürte Wärme neben mir, sehr nah, viel näher als ich es gewohnt war, und mein Körper reagierte darauf schneller als mein Kopf. Erst als ich mich leicht zur Seite drehte, sah ich, wer da lag. Itachi. Mein Herz machte dieses dumme, kurze Stolpern und ich war sofort hellwach. Meine Wangen fühlten sich heiß an, als hätte jemand eine Lampe direkt auf mein Gesicht gerichtet. Ich blieb trotzdem einfach liegen, völlig still, als würde jede falsche Bewegung dieses merkwürdige, fragile Gleichgewicht zerstören.
Es war nicht Angst, die mein Herz so fest schlagen ließ, eher dieses völlig überforderte Gefühl, wenn etwas zu ruhig und zu nah ist, um logisch zu sein. Die Dunkelheit nahm dem Moment jede Schärfe und gab ihm etwas Sanftes, etwas, das eigentlich gar nicht zu uns beiden passte. Das Einzige, was wirklich klar war, war sein Atem. Leise, gleichmäßig, so ruhig, dass ich fast dachte, ich bilde mir das ein. Doch er war wach. Ich merkte es, noch bevor ich es sah, an dieser Präsenz, die er immer hatte, an dieser konzentrierten, stillen Aufmerksamkeit, die nie drückend war, sondern eher wie ein Gewicht auf der Luft lag. Als ich den Kopf hob und ihn ansah, blickte er schon zurück. Kein Erschrecken, kein hastiger Versuch, den Abstand wieder herzustellen.
Nur ein ruhiger Blick, der mich traf, als wäre es wirklich völlig normal, so aufzuwachen.
„Du bist noch da", flüsterte ich, und meine Stimme klang wirklich, als hätte ich seit Tagen nicht gesprochen. Er nickte nur fein und sagte, dass ich tief geschlafen hätte. „Und du nicht", fragte ich, und er bewegte den Kopf kaum merklich, als wollte er nicht zugeben, dass er wach geblieben war.
„Ich wollte dich nicht wecken",sagte er, und es klang so selbstverständlich, dass ich nicht wusste, wie ich darauf reagieren sollte.
Ich richtete mich ein Stück auf, stützte mich mit dem Ellbogen ab und mein Blick glitt zwischen uns hinunter über die zerknitterte Decke, über seine Hand, die entspannt darauf lag. Es war alles viel zu nah und gleichzeitig war nichts davon unangenehm, nur verwirrend. „Du hättest gehen können",
sagte ich leise.
„Ich weiß", antwortete er einfach.
„Warum bist du geblieben,"
fragte ich, und diesmal brauchte er einen Moment, sah zuerst zum Fenster, wo das schwache Nachtlicht wie ein dünner Schleier auf dem Glas lag, und dann wieder zu mir.
„Weil du ruhig geschlafen hast, als ich bleiben wollte", sagte er, als wäre es die logischste Antwort überhaupt. Ich musste kurz die Augen schließen, weil es so typisch für ihn war, diese seltsame Mischung aus Ehrlichkeit und Geheimniskrämerei, die einen immer irgendwo dazwischen festhielt. „Das ist keine wirkliche Begründung", murmelte ich. „Vielleicht nicht, aber es war Grund genug", antwortete er ruhig.
Seine Stimme machte alles noch schwerer zu durchschauen. Ich hörte irgendwo draußen ein leises Klirren, weit weg, wie ein Geräusch aus einer anderen Welt. Ich zog die Decke näher an mich, als würde sie mich schützen, obwohl ich genau wusste, dass sie das nicht tat.
Mein Nacken war warm, mein Herz raste immer noch, und ich wusste nicht, ob es von meinem eigenen Körper kam oder von der Nähe zwischen uns.
„Wenn Hidan das sehen würde, würde er dich umbringen", sagte ich halb im Spaß und halb mit echter Sorge.
„Vermutlich", sagte Itachi, so unschuldig nüchtern, dass ich unwillkürlich grinsen musste.
„Du bist unmöglich", murmelte ich.
„Ich weiß", antwortete er, und sein Tonfall ließ es klingen, als hätte er das schon oft gehört und es nie als Beleidigung verstanden.
Er sah im Halbschatten so ruhig aus, so müde und gleichzeitig so wach, dass ich mich fragte, wie lange er schon dort gelegen hatte und was in seinem Kopf vorging.
„Ich sollte dich eigentlich rausschmeißen" sagte ich nach einer Weile.
„Dann tu es", sagte er. Ich schaute lange in seine Augen, länger als gut für mich war, und irgendetwas in seinem Blick hielt mich fest. Ich schüttelte schließlich nur den Kopf.
„Wenn du bleibst, dann bleib still."
„Ich bin immer still", sagte er mit dieser beinahe unverschämten Ruhe. „Noch stiller", antwortete ich, und ein leises Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Wie du willst", sagte er, und es fühlte sich an wie ein Versprechen, nur ohne Worte. Danach wurde der Raum wieder still, so still, dass ich mein eigenes Atmen hörte und den Wind draußen und ein leises Tropfen in irgendeinem Rohr, das mich schon seit Tagen nervte.
Sein Atem war gleichmäßig, alles an ihm war gleichmäßig, und irgendwann wurde mein Körper weicher, mein Herz ruhiger.
Ich merkte, wie meine Schultern sich entspannten.
„Sag niemandem, dass du hier warst", murmelte ich schon halb schlafend.
„Ich sage niemandem irgendwas", antwortete er leise, und ich glaubte ihm sofort.
In meinem Kopf blieb nur dieses Gefühl, dass da jemand war, der nicht forderte, nicht drängte, nicht überrannte, sondern einfach blieb. Ich weiß nicht, wann ich eingeschlafen bin, nur dass die Welt das erste Mal seit einer Ewigkeit nicht gegen mich arbeitete.
Als ich am nächsten Morgen wach wurde, war die Stelle neben mir leer. Das Licht fiel kühl durchs Fenster, dieser blasse Morgen, der alles ehrlicher macht, als man es möchte. Ich setzte mich auf und sah, dass meine Jacke noch auf dem Stuhl lag, alles wie immer, nur die Matratze verriet, dass dort jemand gelegen hatte. Das Kissen war noch leicht warm. Den Zettel bemerkte ich erst, als ich mich bewegte. Er lag auf dem Tisch, ordentlich hingelegt, als hätte er sich Zeit genommen. Da stand nur Schlaf weiter. Zwei Worte, sauber, ruhig.
Ich hielt ihn zwischen meinen Fingern und merkte, wie etwas in mir enger wurde, aber nicht unangenehm. Einfach menschlich. Ich legte den Zettel zurück, setzte mich an den Bettrand und sah zu, wie die Sonne langsam über den Hügel kletterte und das Zimmer in ein blasses, stilles Licht tauchte.
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Was bleibt, wenn wir bleiben? Hidan FF
FanfictionZwischen Macht, Misstrauen und unausgesprochenen Wahrheiten entfaltet sich ein innerer Krieg, den niemand sieht, außer denen, die ihn spüren. Hidan, von Natur aus stolz, unberechenbar und immun gegen sentimentale Schwäche, gerät in ein Netz aus Kont...
