Kapitel 4 - Colin (Flashback Sommerferien)

390 19 2
                                        

Ich wachte auf. Es war scheinbar noch mitten in der Nacht, da mein Zimmer stockdunkel war.
Noah lag in meinen Armen und schlief noch tief und fest. Seine Haare waren total verwuschelt und die Lippen hatte er leicht geöffnet. Er sah süß aus, wenn er schlief.

Ich legte meinen Arm um seine Hüfte rutschte noch ein Stück näher an ihn. Er seufzte bei der Berührung und ich sah, wie seine Lippen von einem Lächeln geziert wurden.
Ich legte für ein paar Sekunden meine Lippen an seine Stirn. Diese Berührung ließ in mir ein Feuerwerk explodieren. Es fühlte sich perfekt an.

Ich schloss meine Augen erneut und schlief ziemlich schnell wieder ein.

Eigentlich hatten meine Eltern extra eine Matratze in mein Zimmer gelegt, damit wir nicht zusammen in meinem 90cm Bett liegen mussten. Da wir ihnen noch nix von unserer Beziehung erzählt hatten, konnte ich das total nachvollziehen. Aber so lag die Matratze, mit Noahs Kopfkissen und Decke, auf dem Boden und Noah eng an mich gekuschelt in meinem Bett.

Ein Klopfen an der Tür ließ mich am Morgen aufschrecken. „Nein!" rief ich panisch. Meine Eltern sollten uns nicht zusammen in einem Bett liegen sehen. Von der anderen Seite hörte ich ein genervtes Stöhnen. Ich konnte mir förmlich vorstellen, wie meine Mutter gerade ihre Augen verdrehte. „Sorry, wir ziehen uns gerade um." rief ich deshalb hinterher. „Was gibt's denn?"
„Frühstück ist gleich fertig." teilte mir meine Mutter mit. Noah war mittlerweile auch wach und schaute mich durch seine verschlafenen Augen an. „Ok, wir kommen gleich." murmelte ich. Dann hörte ich die Treppe quietschen, was bedeutete, dass meine Mutter wieder weg war.
„Puh, das war knapp." Erleichtert atmete ich aus. Noah nickte als Bestätigung. „Sollen wir es ihnen heute sagen? Damit wir nicht mehr so ein Geheimnis draus machen müssen?" fragte er mich. Ich war erstaunt, dass er der war, der dies vorschlug. Dankend lächelte ich ihn an. „Ja, das wäre toll."

Wir standen auf und zogen uns nun wirklich an. Es störte uns nicht, dass wir in einem Zimmer waren. Nur für die Boxer drehten wir uns voneinander weg. Wir waren einfach noch nicht soweit. Aber das war auch vollkommen in Ordnung. Wir hatten alle Zeit der Welt.

Beim Frühstück suchte ich immer wieder die Möglichkeit dazu, die Aufmerksamkeit zu bekommen, um meinen Eltern endlich die Wahrheit sagen zu können. Aber der richtige Moment kam einfach nicht.
Wir machten aus, in einer halben Stunde an den Strand zu fahren. Heute war Flut genau 13 Uhr, weshalb der perfekte Badetag war.

Noah und ich packten eine kleine Tasche mit Badesachen, Handtüchern, Snacks, Trinken und einem aufblasbaren Ball. 
Die Tasche verstauten meine Eltern im Kofferraum des Autos und dann ging die Fahrt auch schon los. Meine Mutter hatte noch eine Freundin eingeladen mitzukommen, weshalb ich hinten in der Mitte saß. Rechts von mir Noah, links von mir Mamas Freundin, Conny hieß sie.

Dadurch, dass Noah und ich uns sowieso heute noch outen wollten, nahm ich während der Fahrt meine Hand in seine. Er zuckte kurz bei der Berührung unserer Fingerspitzen zusammen, verschränkte dann aber schnell seine Finger mit meinen. Das Gefühl machte mich unfassbar glücklich. Ich war froh, dass wir uns nicht verstecken mussten. Wir wussten, es gab viele Menschen auf dieser Welt, die homophob waren, aber wir hatten echt Glück mit unserem Umfeld.

Die ganze Autofahrt lang hielten wir Händchen. Immer wieder musste ich auf unsere ineinander verschränkten Finger blicken, ich konnte es immer noch kaum glauben, dass ich das einfach so machen durfte.

Noah stieg als erster aus dem Auto, als wir geparkt hatten. Dabei hatte er meine Hand los gelassen. Sofort spürte ich diese Leere. In dem Moment fiel mir auf, dass wir uns heute noch kein einziges Mal geküsst hatten. Wurde also höchste Zeit, schließlich war es schon 13 Uhr. Ich stieg aus und stellte sicher, dass alle erwachsenen weg schauten. Dann zog ich Noah am Nacken zu mir und küsste ihn vorsichtig. Ich konnte sehen, dass er etwas überfordert war. In der Öffentlichkeit küssten wir nicht sonderlich oft.

Made for each other Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt