Kapitel 7 - Noah

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TW: Dieses Kapitel enthält Themen wie Tod und Suizid. Wer sowas nicht lesen kann, sollte das hier überspringen!
Trotzdem allen viel Spaß beim lesen, ich hoffe, es gefällt euch <3

Als wir abends in unserem großen Bett eng aneinander gekuschelt lagen, redeten wir noch ein wenig über den vergangenen Tag.
Nachdem wir mit Matti und Charly noch eine ganze Weile geredet hatten, waren wir wieder nach Hause gegangen und hatten uns Pizza bestellt. Die letzten Tage aßen wir gern vorm Fernseher. So auch heute.
Wir hatten einen Horrorfilm geschaut, weshalb Colin sich mehrmals verschluckt hatte. Es war so süß, ihm dabei zuzusehen, wie er sich immer erschrak und zusammenzuckte, oder aus Reflex nach meiner Hand griff. Dieser Junge war einfach niedlich.

„Telefonieren wir morgen mit Ava und Joel?" fragte mich Colin. „Dann können wir ihnen gleich vom Weihnachtsmarkt erzählen."
Ich nickte. Colin und Charly hatten vorhin schon tausende Ideen gesammelt für diesen Tag. Es musste also einfach klappen. Sonst würden die beiden das nicht überleben. Matti und ich hatten die ganze Zeit einfach schweigend zugehört. Das war sehr lustig, da er bei manchen Ideen genauso die Augen verdrehen musste, wie ich. Zum Beispiel hatten sie schon überlegt, von welcher Seite wir kommen und wer mit wem im Autoscooter fährt und so weiter. Ich hatte nicht mehr so richtig zugehört ab einem bestimmten Punkt und es einfach genossen, meinen Freund anzuschauen. Da hatte er natürlich bemerkt, was ich etwas peinlich fand.

Irgendwann gewann die Müdigkeit. „Wollen wir das Licht ausmachen? Ich bin todmüde." murmelte Colin und gähnte kurz darauf. Gähnen war so ansteckend. „Ja. Ich auch." meinte ich. Ich knipste das Licht der Nachttischlampe aus und beugte mich nochmal kurz zu Colin. Es war immer ein wenig schwierig, im Dunkeln seine Lippen zu finden, doch er half mir, weshalb wir sie kurz nochmal für einen Gute-Nacht-Kuss vereinen konnten. Der Kuss hielt keine drei Sekunden und war sehr unschuldig.

Danach kuschelte ich mich eng an ihn. Wir schliefen meistens auf der Seite, zueinander gedreht. Unsere Körper immer dicht aneinander. Auch jetzt legte ich wieder meinen Kopf an seine Brust und lauschte dem gleichmäßigen Herzschlag des Jungen. Seine Hände fanden schnell den Weg in meine offenen Haare und streichelten durch diese. Ich legte einen Arm um ihn. Dann schlief ich mit dieser wunderschönen Nähe ein. Nie wieder wollte ich anders schlafen.

——

Mitten in der Nacht wachte ich auf. Doch nicht, weil mich mal wieder ein Alptraum heim suchte, sondern weil Colin sich die ganze Zeit hin und her wälzte. Beim genaueren hinsehen merkte ich, dass ihm Tränen über die Wangen liefen. Was war da los? Sollte ich ihn wecken?

Vorsichtig legte ich meine Hand an seinen Arm und hielt ihn daran fest. Sofort wurde er ein wenig ruhiger. Ich wanderte mit der Hand seine Seite nach oben und legte sie dann an seine Wange, um all die Tränen weg zu wischen.
Scheinbar war er aufgewacht, denn auf einmal begann er, neben mir zu schluchzen. Er legte seinen Arm um meine Hüfte und kuschelte sich eng an mich. Noch wollte ich nichts sagen. Erstmal musste ich ihn trösten.

Er weinte in meine Schulter und ich konnte nicht verhindern, dass auch mir Tränen über die Wangen liefen. Wieso war ich nur so mitfühlend? Ich musste stark bleiben, wenn mein Freund mich brauchte.

Irgendwann wurde er ruhiger und hob seinen Kopf. Er setzte sich auf und schaute dann zu mir herunter. Ich setze mich ebenfalls auf und zusammen lehnten wir uns an die Wand hinter dem Bett. Wir setzten uns eng aneinander, diese Nähe schien Colin gerade noch mehr zu brauchen, als sonst.

„Ich hatte einen Albtraum." flüsterte er irgendwann. Sofort sah ich wieder die Tränen über seine Wange fließen. War es so schlimm? Was war passiert? „Möchtest du drüber reden?" fragte ich vorsichtig. Er sollte es nicht müssen. Wenn es ihm zu schwer fiel, würde ich versuchen, ihn so zu trösten.
Doch der Junge nickte. „Ich bin da." sagte ich ruhig und leise, als er wieder anfing zu schluchzen. Ich nahm ihn fest in den Arm und gab ihm einen sanften Kuss in die Locken. Das beruhigte ihn meistens.

Er erzählte mir, dass er in dem Traum noch auf dem Einstein lebte. Und dann wurde ihm von Frau Schiller erzählt, dass seine Eltern gestorben sind. Colin liebte seine Eltern. Er würde es nicht ertragen, wenn sie nicht mehr da wären. Und dann erzählte er, dass ich mich im Traum von ihm getrennt habe. Scheinbar waren wir da schon am Einstein zusammen. Er hatte es nicht ertragen und angefangen, sich selbst zu verletzen.
Und das hatten dann alle auf dem Einstein erfahren. Auch, dass er das teilweise wegen mir tat. Dann habe ich mich schlecht gefühlt und mich ebenfalls in den Tod gestürzt. Suizid.

Heftiger Traum. Ich konnte verstehen, warum seine Tränen keine Ruhe mehr fanden. „Ich bin da. Ich werde dich nicht verlassen." murmelte ich, während ich ihm mit der Hand durch die Locken fuhr. „Danke." sagte er heiser. „Ich hole dir schnell was zu trinken." sagte ich, als ich mich aus seinen Armen befreite. Doch er griff schnell nach meiner Hand. „Ich komm mit." flüsterte er.
Also gingen wir Hand in Hand in die Küche. Ich machte das Licht an, damit wir etwas sahen.

„Ich hab Hunger." murmelte Colin, nachdem er sein Gesicht gewaschen hatte. Ich schmunzelte. „Setz dich." meinte ich und zeigte auf seinen Platz. Er lächelte mich leicht an und setzte sich dann auf den Stuhl.
Ich stellte ihm ein Glas Wasser hin und öffnete dann den Kühlschrank. Ein kurzer Blick darein verriet mir, dass wir Montag einkaufen gehen sollten. „Brot oder was warmes?" fragte ich ihn. Er dachte kurz nach. „Eigentlich was warmes, aber wenn das jetzt zu anstrengend ist dann..." sagte er, doch ich unterbrach ihn. „Nudeln?"

Er lächelte mich dankbar an. Der Traum war in dem Moment komplett vergessen.
Eigentlich war ich zwar wirklich müde und hatte das Gefühl, meine Augen fallen jeden Moment wieder zu, aber um Colin zu helfen, musste ich jetzt wirklich wach bleiben.

Ich schloss den Kühlschrank wieder und ging zu dem Regal, in welchem Nudeln standen. Ich nahm eine Packung raus und öffnete diese. Dann holte ich noch einen Topf und setzte darin Wasser auf.

Einen Moment nahm ich gegenüber von Colin Platz. Ich sah zu ihm. Noch immer wirkte er etwas neben sich. Er starrte auf den Tisch und ich sah erneut Tränen in seinen Augen glitzern. Unsicher kaute ich auf meiner Unterlippe. Dann stand ich auf und ging zu ihm. Ich hockte mich neben seinen Stuhl und nahm seine Hände vorsichtig in meine. Ich sah, wie er gegen die Tränen ankämpfte, schließlich aber versagte. Ich ließ seine Hände los und nahm ihn fest in die Arme. Schon zum zweiten Mal diese Nacht weinte er bitterlich in meine Schulter und ich konnte nicht anders, als mitzuweinen. Meinen Freund so verletzt zu sehen, brach mir das Herz.

Aber ich wusste, es bräuchte nur noch ein paar Tage, dann war diese Traurigkeit auch wieder weg. Schließlich war es nur ein Traum.

„Es ist alles gut, es war nur ein Traum." flüsterte ich. Er löste sich langsam wieder von mir und versuchte zu lächeln. Es gelang ihm so halb. Noch immer sah er verheult und traurig aus, aber das würde sich wieder legen. In ein paar Stunden sah die Welt schon wieder ganz anders aus, da war ich mir sicher.

Made for each other Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt