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PoV: Kiran

"Willst du jemals weglaufen und neu anfangen? Wische dir die Schiefertafel sauber. Beginne noch einmal mit einer leeren Leinwand. Es ist in Ordnung, wir alle fühlen uns manchmal so. Das bedeutet nicht, dass du dein Leben oder die Menschen darin nicht liebst. Das bedeutet nicht, dass du nicht deinen letzten Atemzug geben würden, um sie glücklich zu sehen. Wenn wir uns manchmal danach sehnen, egoistisch zu sein, bedeutet das, dass wir zu lange selbstlos waren.„

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Träge ließ ich mich gegen die Wand fallen. Mein Gesicht verbag ich hinter meinen Händen. Was habe ich nur getan? Angst packte mich. Was passiert jetzt mit ihr? Sollte ich sie vor diesem Monster retten? Oder doch wie immer den Schwanz einziehen. Sie ist jetzt schon zwei Wochen bei uns. Jeden Tag wird sie verprügelt. Wenn sie mich am Anfang noch nicht gehasst hat, dann ganz bestimmt jetzt. Ich höre sie. Wie sie schreit und versucht die Stahl harten Ketten zu zerstören. Ihre schrei gehen mir unter die Haut. Ich werde diese schreie niemals loswerden können. Am liebsten würde ich zu ihr gehen und sie in eine tröstende Umarmung ziehen. Ihr sagen es wird alles wieder gut. Ich muss etwas tun, sonst wird sie komplett vernichtet. Wenn ich nur an ihre schönen goldenen Augen denke, überkommt mich das Gefühl, das ich sie beschützen muss. Egal vor wem. Auch wenn das bedeutet das ich sie vor mir selber beschützen muss. "Kiran?" Rief mich eine helle Stimme wieder in die Realität. Vor mir steht Jane. Die jüngste Wache von Aro. Ich konnte sie vom ersten Augenblick nicht leiden. Ihre herablassende Art ist unerträglich. Sie denkt nur weil sie stärker ist als alle anderen, dass jeder auf sie hören muss. Ihre tief roten Augen musterten mich. Sie sieht aus wie ein Kind, doch das ist nur ein Schein. "Du siehst beschissen aus." Sagte sie und lächelte so gehässig, das ich am liebsten ihr eine gescheuert hätte. "Solltest du nicht dein Bruder Babysitten?" Meine Stimme triefte nur so von Ironie. Ihre Gesichtszüge änderten von Herablässigkeit zu Wut und wieder zu ihrer harten Gleichgültigkeit. "Tja, wenigstens weiß ich wo mein Bruder sich befindet. Was man von dir nicht behaupten konnte." Schnell packte ich sie am Kragen ihres Umgangs und presste sie gegen die Wand, an die ich zuvor noch geleht war. Meine Augen färbten sich augenblicklich schwarz. Sie versuchte sich mir zu entziehen, doch ohne Erfolg. Ich drückte sie so fest an die Wand, bis sich kleine Risse in der Wand bildeten. "Hör mir gut zu du kleine Schlampe. Du denkst du wärst allen überlegen, doch das stimmt nicht. Du kannst deine nutzlose Fähigkeiten gerne weiter an mich anwenden, doch es wird nie etwas passieren, weil ich stärker bin als du. Also habe etwas mehr Respekt gegenüber mir. Wenn du noch einmal das Wort an mich richtest, werde ich nicht zögern, dich zu zerreißen wie Papier. Stück für Stück bis du mich anbettelst aufzuhören." Mit diesen Worten ließ ich sie wieder los. Sofort fiel sie zu Boden und keuchte. Hasserfüllt sah ich zu ihr runter. Ihre kleine Gestalt die so viel Hass erleben musste, tut mir schon fast leid. Aber auch nur fast. Ich wendete mich kopfschüttelnd von ihr ab. Heute ist echt ein beschissener Tag.

PoV: Cloe

Ich weiß nicht wie lange ich hier schon gefangen bin. Alles in mir stirbt mit jeder Sekunde. Aro's Anhänger kamen jeden Tag und verprügelten mich. Ich weiß nicht wozu, doch es gefällt Aro. Seine kalten roten Augen blitzten dann immer amüsiert auf. Ich habe den Eindruck er wartet auf etwas. Meine Handgelenke heilen schon gar nicht mehr, weil ich nie aufhöre zu zerren, in der Hoffnung das sie eines Tages zerbrechen werden. Oder es liegt daran, dass sie mich hier aushungern. Ich konnte nur noch an Blut denken, und wie ich jemanden tötete. Alles in mir zieht sich zusammen, als ich Aro's Stimme hörte. Die nur gedämpft zu mir hindurch kommt. Er sitzt vor mir auf einen Stuhl und redete. Das einzigste was er macht war reden. Am liebsten würde ich seine Zunge herausreißen und sie wieder in sein Mund stopfen. Sein ewiges Gerede von Macht und Kontrolle geht mir richtig auf die Nerven. Meine Mordlust wächst mit jedem Tag. Verschwommen konnte ich sehen wie er sich aufrichtete und zu mir herüber kam. Er hockte sich vor mich und nahm mein Kinn in seine Hand. Er drückte fest zu, doch das interessierte mich nicht. Wenn ich die Kraft hätte, würde ich seine Finger anbeißen. Als hätte er meine Gedanken gehört wand er sich mir wieder ab. Kurz verschwand er aus meinem Blickfeld, doch dann kam er wieder zu mir. Mit etwas in der Hand. Wieder setzte er sich vor mich und drückte etwas gegen meine Lippen. Blut floss in meine trockene Kehle. Gierig zog ich mehr Blut aus dem Blutbeutel. Früher hätte ich mich wahrscheinlich für meine Gier geschämt, doch diese Gefangenschaft veränderte mich. Ich war nicht mehr das unkomplizierte Mädchen. Heute geht es mir nur ums Überleben. Aro warf den leeren Blutbeutel in eine Ecke und sah mich zufrieden an. Ich fühlte mich augenblicklich besser. Meine Wunden heilten und es kam wieder Farbe in mein Gesicht. Vorhin sah ich bestimmt aus wie eine Leiche, die nur noch einen stupser brauchte um zu Sterben. "Na, da ist ja wieder meine schöne Cloe." Leer sah ich ihn an. Ich vermisse sofort das Gefühl ihn nicht hören zu müssen. Er lächelte mich an und strich mir übers Haar. "Willst du hier raus, Cloe?" Mit dieser Frage überrumpelte er mich. Natürlich wollte ich hier raus, und das weiß er. "Sag mir, Cloe. Was würdest du tun um hier rauszukommen?" Seine roten Augen verrenkten sich, als ich nichts antwortete. Für was auch? Ich werde hier sterben. In einem Monat oder in tausend Jahren, das hängt nur von Aro ab. Wenn er genug von mir hat, oder wenn ich versuchen würde abzuhauen. "Sag's mir, Cloe. Was ist dein Preis? Würdest du töten? Oder doch flehen, bis jemand Mitleid mit dir bekommt?" "Nichts von dem." Krächzte ich. Überrascht sah er mich an. Ein seltsames Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. "Und wieder überrascht du mich. Und was ist dann dein Preis?" Ich muss aufpassen was ich sage. Alles wird gegen mich verwendet. Auch wenn ich ihn bis zum Tode hasse, musste ich irgendwie seine Gunz bekommen. Sein Vertrauen. Das habe ich schon einmal hinbekommen und ich werde es noch einmal schaffen. Und das war der einzige Grund, weshalb ich nicht aufgab. An diesem kleinen Funken Hoffnung musst ich mich einfach hängen. Sonst würde ich elendig untergehen. "Ich würde warten. Egal wie lange, denn meine Zuversicht ist stärker als Hass." Aro packte meine Schulter und drückte sie. Ein irrer Ausdruck war in seinem Gesicht zu erkennen. "Du bist wahrlich meine Erlösung, Cloe. Du bist für mich erschaffen. Alles an dir gehört mir, alles was du denkt, was du fühlst. Alles meins." Ich konnte gar nicht richtig begreifen was er tat, erst als der Druck bei meinen Händen und Füßen verschwunden war. Mit großen Augen sah ich Aro an der jetzt vor mir stand und eine Hand aus streckte. "Cloe, wirst du mein Angebot annehmen und mit mir die Vampir Welt regieren oder soll ich dich hier und jetzt von deinem leid erlösen?" Ich sah rot. Mein Kopf schaltete sich komplett aus. Meine Dämonen schrien mich an, fortzulaufen so schnell ich konnte. Doch etwas neues erwachte in mir. Etwas dunkles. Es streifte mich wie eine Katze. Doch es war so schwarz in meinem Herzen das sie mich fast erdrückte. Sie kontrollierte mich. Ohne darüber nachzudenken nahm ich Aro's Hand. Alles was jetzt passieren wird, war meine Schuld. Aro's lachen drang zu mir kaum herüber. Er zog mich auf die Beine und tratt mit mir aus dieser Hölle heraus. Ich bewegte mich, doch ich merkte nichts. Nicht wie die anderen Vampire mich mit großen Augen ansahen noch Kiran. Der in einer Ecke stand und mich mitleidig ansah. So viel Schmerz war in seinen Augen. Als er das gebrochene Mädchen sah, dass komplett kontrolliert war von hass und niederträchtigkeit. Ihre Augen waren nicht mehr so hell wie am Anfang, jetzt waren sie so dunkel und matt als wäre sie tot. Was sie auch war. Jetzt war alles vorbei.

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~D🖤

Twilight-Saga FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt