Am Ende des Tages, als es draußen schon dämmerte, fand sich die Gruppe zur Übergabe an die Nachtschicht ein. Alle, außer Niall, der wegen eines Termins früher hatte gehen müssen.
Liam blätterte durch seine Unterlagen und hielt einen Moment lang inne, ehe Harry den Raum einige Minuten zu spät betrat, weil er noch einen Befund abgeholt hatte.
Liam räusperte sich und beobachtete, wie er sich wortlos gegen einen Schrank lehnte und die Arme verschränkte.
„Kommen wir jetzt zu Zimmer 209", fuhr Liam fort.
„Ich habe hier noch die Ergebnisse der Lumbalpunktion für dich", meldete Harry sich zu Wort und überreichte Liam eine dünne Mappe. „Die Operation ist erfolgreich verlaufen und der Patient ist stabil."
„Ja, Harry, was den Patienten angeht...", seufzte Liam und erhob sich aus seinem Stuhl, um Harry besser sehen zu können. „Du kannst nicht so mit den Leuten sprechen. Du hast heute wiederholt mehrere Patienten verdammt unsensibel behandelt. Das geht so nicht."
Harry legte den Kopf schief, als könne er das Problem nicht ganz verstehen. „Aber ich kann sie doch nicht einfach anlügen."
Liam presste die Lippen zusammen. „Natürlich nicht. Aber es ist die Aufgabe eines guten Arztes, ihnen schlechte Nachrichten möglichst schonend zu überbringen."
„Das hätte viel zu viel Zeit gekostet", antwortete Harry und zuckte die Schultern. „Außerdem hätte es ihm gar nichts gebracht, wenn ich die Situation verharmlost hätte."
„Das ist nicht der Punkt", gab Liam zurück, während er deutlich spürte, dass sein Geduldsfaden immer kürzer wurde. „Patienten brauchen Empathie und Verständnis. Du kannst nicht so kalt und analytisch mit ihnen umgehen."
Harry bemerkte die vielen Blicke seiner Kollegen auf sich. Er begann, sich zunehmend unwohl zu fühlen.
„Aber ich muss ihnen doch sagen, was sie haben."
Liam atmete angestrengt aus. „Hast du mir überhaupt zugehört?", wollte er gereizt wissen. „Du hast die Familie eines noch lebenden Patienten ohne eindeutige Untersuchungsergebnisse angerufen und ihnen gesagt, dass er sterben wird."
„Aber es war doch klar, was ihm fehlte", widersprach er. „Im Endeffekt ist er ja auch gestorben. Du hast das nur übersehen."
Louis schloss die Augen und atmete langsam aus.
Er konnte die steigende Spannung im Raum deutlich spüren.
„Übersehen?", wiederholte Liam fassungslos. „Im CT ergab sich nicht der geringste Hinweis auf Komplikationen!"
„Man kann sich nicht immer nur auf das CT verlassen, manchmal muss man einfach genauer-"
Liam schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, um Harry zu unterbrechen, ehe er ihn lautstark anschrie. „Hör auf mit mir zu diskutieren und hör mir verdammt nochmal zu!"
Die plötzliche Lautstärke und der aggressive Tonschlag trafen Harry wie ein Schlag.
Er zuckte heftig zusammen und hob instinktiv die Hände vor den Oberkörper, als wolle er sich schützen. Seine Augen weiteten sich vor Schreck und er wich einen Schritt zurück, als wäre es ein tief verankerter Reflex.
In diesem Moment wurde Harry's Verstand von Reizen und Emotionen überflutet und er konnte die Situation nicht mehr begreifen.
„Es tut mir leid", murmelte er mit zitternder Stimme, beinahe mechanisch. Louis hatte ihn kaum verstehen können.
Plötzlich schien Harry nicht mehr wirklich anwesend zu sein und stand Liam einen Moment lang starr gegenüber.
Louis beobachtete die Szene mit wachsender Besorgnis.
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I don't think so
FanfictionHarry und Louis - zwei Ärzte, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Harry, ein hochbegabter Chirurg, navigiert die Welt der Medizin mit brillanter Präzision, doch seine soziale Eigenwilligkeit stellt oft eine Herausforderung für seine Kollegen da...
