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Lucas hatte es geschafft, die letzten Tage im Krankenhaus hinter sich zu lassen. Die Schmerzen waren immer noch da, aber mit jeder Stunde wurde er stärker. Als er schließlich entlassen wurde, fühlte es sich an, als würde ein neuer Abschnitt beginnen – ein Abschnitt, den er sich nie hätte vorstellen können. Und dennoch wusste er, dass er diesen Schritt jetzt gehen musste.

Liana hatte ihm angeboten, bei ihr zu bleiben, um sich zu erholen. Ihre Wohnung war ruhig, fast zu ruhig. Es war, als würde jeder Atemzug von ihr in der Luft hängen, die Spannung zwischen ihnen spürbar, aber sie wussten beide, dass sie sich diesen Moment verdienen würden. Dass sie sich endlich wieder Zeit füreinander nehmen mussten, wenn auch unter den schwierigen Umständen, die sie umgaben.

Als sie gemeinsam in die Wohnung kamen, hatte Liana bereits eine warme Badewanne vorbereitet. Das Dampfen des heißen Wassers stieg in der Luft auf und schuf eine beruhigende Atmosphäre. „Komm schon, du brauchst Ruhe", sagte sie und half ihm, sich auszuziehen. „Du kannst dich nicht weiter durch diese ganze Hektik treiben lassen."

Lucas nahm ein tiefes Atemzug und ließ sich auf das weiche Kissen der Badewanne nieder, seine Muskeln entspannten sich sofort unter der Wärme. Liana ließ sich neben ihm nieder, und für einen Moment war es, als ob die Welt um sie herum stillstand. Kein Druck, keine Bedrohung – nur sie beide.

„Es fühlt sich gut an", murmelte Lucas und schloss die Augen, als er sich in die Wärme des Wassers sinken ließ. „So lange schon nicht mehr..."

Liana beobachtete ihn still, ein Lächeln auf ihren Lippen, als sie ihm sanft das nasse Haar aus dem Gesicht strich. „Ich weiß", flüsterte sie. „Du musst dich erholen. Du hast genug durchgemacht."

Sie beugte sich näher zu ihm und ihr Atem veränderte sich. Irgendetwas lag in der Luft – eine Spannung, die nicht nur von der Situation, sondern auch von dem unbestimmten Verlangen herrührte, das zwischen ihnen beiden glühte. Sie spürte, wie Lucas sich leicht zu ihr drehte, seine Hand langsam nach ihrer suchte.

„Liana", sagte er leise, „ich kann nicht aufhören, an das zu denken... an das, was wir zusammen durchgemacht haben."

„Ich auch nicht", antwortete sie, ihre Stimme ebenso leise, fast ein Flüstern. „Es fühlt sich an, als wären wir immer mehr miteinander verbunden, nicht nur durch alles, was uns passiert ist, sondern auch... durch uns."

Die Worte waren kaum zu fassen, doch beide wussten, dass es mehr war als nur die Situation, die sie verband. Es war etwas Tieferes, etwas, das jenseits von allem lag, was sie erlebt hatten. Etwas, das sie zusammenhielt.

Ohne ein weiteres Wort zogen sie sich näher zueinander. Ihre Lippen trafen sich in einem Kuss, der anfangs zart und vorsichtig war, als würden sie sich gegenseitig testen. Doch bald wuchs der Kuss intensiver, voller Leidenschaft und Verlangen. Liana konnte das pochende Herz von Lucas fühlen, das in ihrer Brust widerhallte, und sie gab sich dem Moment hin. Der Kuss ließ alles andere verschwinden – den Schmerz, die Angst, die Bedrohung, die immer noch über ihnen schwebte.

Es war ein Moment der Flucht, ein Moment, in dem sie sich nicht um das kümmerten, was draußen wartete. Sie wollten nur jetzt sein, zusammen. Liana zog Lucas noch dichter an sich, ihre Hände glitten über seine Haut, die immer noch von der Operation gezeichnet war, aber sie spürte auch die Stärke, die in ihm lag – nicht nur physisch, sondern auch emotional. Sie hatten es zusammen geschafft, bis hierher zu kommen.

„Liana", murmelte Lucas zwischen den Küssen, „ich weiß nicht, wie viel Zeit wir noch haben, aber... ich will, dass du weißt, dass ich bei dir bin. Egal, was kommt."

„Ich weiß", flüsterte sie zurück und zog ihn noch näher zu sich. „Ich will es auch. Wir haben uns diesen Moment verdient."

In der Stille des Badezimmers, umhüllt von dampfendem Wasser und einem Gefühl der Intimität, vergaßen sie die Welt um sich. Nur die Berührungen, die Blicke, die Küsse zählten. Alles andere schien in den Hintergrund zu treten, bis nur noch sie beide übrigblieben, vereint in diesem flüchtigen Moment des Friedens, der ihnen so viel gab – und doch gleichzeitig so wenig in der unsicheren Zukunft, die vor ihnen lag.

Liana und Lucas saßen weiterhin in der Badewanne, die Wärme des Wassers umhüllte sie, während die Stille zwischen ihnen nicht unangenehm war, sondern eher beruhigend. Ihre Blicke trafen sich immer wieder, als ob sie sich gegenseitig versichern wollten, dass sie noch da waren, dass sie sich nicht losließen. In dieser kleinen Welt, die sie sich zusammen geschaffen hatten, existierten keine Bedrohungen, keine Kriminalität und keine ungelösten Fragen.

Doch irgendwann war es Liana, die den ersten Schritt tat, den Moment zu durchbrechen.

„Es fühlt sich so... normal an", sagte sie leise und seufzte. „Zu lange haben wir uns im Chaos verloren, Lucas."

„Ich weiß", antwortete er und drehte sich leicht zu ihr, so dass er ihren Blick nicht aus den Augen verlor. „Es fühlt sich fast surreal an, dass wir hier sind, nach allem, was passiert ist."

Liana nickte, ihre Hand glitt unter Wasser und berührte sanft seine, die auf dem Rand der Badewanne ruhte. „Aber du bist hier, und das ist alles, was zählt. Ich... ich will nicht, dass dieses Gefühl zu Ende geht."

„Es wird nicht zu Ende gehen", versicherte er ihr, seine Stimme fest und entschlossen. „Nicht, wenn ich etwas dagegen tun kann."

Er zog sie ein Stück näher, sodass sie wieder in seine Arme schlüpfen konnte. Liana ließ sich in die Umarmung fallen und schloss die Augen, den Kopf an seiner Schulter ruhend. In diesem Moment fühlte sie sich sicher, etwas, das sie lange nicht mehr gespürt hatte. Nicht seit der ganzen Katastrophe mit dem Kartell und den Morden, die sie immer wieder heimsuchten.

„Weißt du, was ich mir wünsche?", fragte Liana plötzlich und blickte ihm in die Augen.

„Was?"

„Einfach weg zu sein", sagte sie und lächelte schwach. „Einen Ort zu finden, an dem all das nicht existiert. Nur du und ich. Ohne all die Gefahr, ohne die ständigen Drohungen."

Lucas' Miene verhärtete sich für einen Moment, dann nahm er ihren Blick in sich auf, als ob er ihre Gedanken genau verstand. „Ich wünschte, ich könnte dir das bieten. Aber ich weiß, dass es nicht so einfach ist. Diese Welt..." Er zögerte, dann fuhr er fort: „Aber ich verspreche dir, ich werde alles tun, um dich zu beschützen."

Liana spürte die Tiefe seiner Worte. Sie wusste, dass er es ernst meinte. Doch auch sie wusste, dass das, was sie wünschte, für sie beide beinahe unerreichbar war. Der Gedanke an ein einfaches Leben, weit weg von all dem Wahnsinn, schien wie ein ferner Traum, der mit jeder neuen Nachricht von Mord und Gefahr immer weiter in den Hintergrund trat.

„Lass uns einfach den Moment genießen", flüsterte sie, ihre Hand erneut in seine legend. „Nur hier und jetzt."

Lucas nickte, und ihre Blicke trafen sich ein weiteres Mal, bevor sie sich in einem weiteren leidenschaftlichen Kuss vereinigten. Es war ein Kuss voller Emotionen, voller Versprechen und zugleich ein Abschied von der Realität. Für einen Augenblick gaben sie sich der Welt hin, die sie in diesem Moment miteinander teilten, ohne an die Konsequenzen zu denken.

Als sie schließlich voneinander abließen, war der Kuss noch nicht ganz vorbei, sondern wandelte sich zu einem langsamen, beruhigenden Streicheln ihrer Lippen gegeneinander. Der Raum um sie herum schien zu verschwinden, und es war, als wären sie die einzigen beiden Menschen auf der Welt.

„Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt", sagte Lucas schließlich und blickte Liana an, „aber solange ich bei dir bin, werde ich kämpfen, egal was passiert."

Liana legte ihre Hand auf seine Brust, spürte das sanfte Schlagen seines Herzens und wusste, dass sie ebenfalls bereit war, zu kämpfen. Vielleicht nicht für die Welt oder für das, was vor ihnen lag, sondern für diesen Moment – für das, was sie gerade hatten, das fragile Band zwischen ihnen, das mehr wert war als alles andere.

„Dann lass uns kämpfen", flüsterte sie und schloss die Augen, während sie in seinen Armen lag, die Wärme des Wassers und des Kusses immer noch in ihren Herzen. „Zusammen."

Kill me BabyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt