Drei Wochen später...
Das Gericht war voll. Der Sitzungssaal war gedrängt mit Anwälten, Journalisten, Familienangehörigen und anderen Schaulustigen, die sich von dem Aufsehen um den Mordfall Jessica Müller angezogen fühlten. Das Echo der Gespräche hallte an den Wänden, als die Tür aufging und der Angeklagte, Thomas Müller, in den Raum geführt wurde. Der Ehemann der toten Frau, nun in Handschellen und einem beigen Gefängnisanzug, wirkte wie ein Schatten seiner selbst. Er hatte die Haltung eines Mannes, der von der Welt verlassen war, als ob er die Schwere seines Vergehens, die er mit eigenen Händen verursacht hatte, immer noch nicht fassen konnte.
Anklägerin war eine erfahrene, resolute Frau namens Dr. Karen Schäfer. Ihr Blick war fest, als sie sich erhob und ihren Blick auf den Angeklagten richtete, bevor sie sich der Jury zuwandte. Sie war bekannt für ihre Präzision, und dieser Fall war besonders für sie, nicht nur wegen der Brutalität des Verbrechens, sondern auch wegen der Art und Weise, wie der Täter die Person, die er angeblich liebte, ermordet hatte.
„Sehr geehrte Damen und Herren der Jury", begann Dr. Schäfer und ihre Stimme hallte in dem Raum wider. „Wir sind hier, um Gerechtigkeit für Jessica Müller und das Kind zu fordern, das sie in sich trug. Das Opfer war eine schwangere Frau, die von ihrem Ehemann mit einem Schuss in den Kopf getötet wurde. Wir haben die Beweise – Zeugenaussagen, Spuren und nicht zuletzt die Aussage des Angeklagten selbst, die ihn eindeutig belasten."
Thomas Müller, der auf der Anklagebank saß, starrte mit leerem Blick auf die Oberfläche vor sich, als die Anklägerin weitersprach.
„Am Tag des Mordes wurde der Angeklagte im Park in der Nähe des Tatorts gesehen. Mehrere Zeugen haben ihn dort beobachtet, kurz nach der Tat. Und wir haben das Handy seiner Frau gefunden, das er in einem verzweifelten Versuch, seine Spuren zu verwischen, in einem Busch versteckt hatte", fuhr Dr. Schäfer fort. „Die Fingerabdrücke des Angeklagten wurden auf diesem Handy gefunden. Die Tatwaffe wurde ebenfalls in der Nähe des Parks sichergestellt. All dies spricht für die Täterschaft des Angeklagten."
Thomas Müller zog ein tiefes, ruckartiges Atemgeräusch ein, doch er blieb stumm. Er hatte sich nicht mehr in die Verteidigung gedrängt. Seine eigene Anwältin, eine ältere Frau mit grauen Haaren und einem ernsten Gesicht, stand auf und versuchte, eine Erklärung abzugeben.
„Huldigung der Verteidigung, Euer Ehren", sagte sie, „mein Mandant hat die Tat in einem Moment der Verzweiflung begangen. Es war ein einmaliger, impulsiver Akt und nicht ein geplanter Mord. Wir möchten nicht den Verlust seiner Frau kleinreden, aber er hat sich von der Situation überwältigen lassen. Die Frau, die er liebte, hatte ihn verlassen wollen. Und als er von ihrer Entscheidung erfuhr, wurde er emotional und handelte aus Wut. Dies war ein tragischer Unfall und kein vorsätzlicher Mord."
Die Verteidigerin setzte sich, doch Lucas, der als Hauptzeuge geladen war, stand auf, um vor der Jury auszusagen. Als er den Raum betrat, starrten alle Augen auf ihn. Der Polizist, der den Fall so gründlich verfolgt hatte, war nun derjenige, der das letzte Kapitel des Verfahrens schrieb.
„Herr Lucas Weber", begann die Anklägerin, „sagen Sie der Jury, was Sie in diesem Fall herausgefunden haben."
„Ich war derjenige, der den Ehemann als Verdächtigen ins Visier nahm", sagte Lucas ruhig und mit fester Stimme. „Durch eine Kombination aus Zeugenaussagen, Beweismitteln und der Aussage des Angeklagten selbst war es klar, dass er der Täter war. Wir haben Beweise gefunden, dass er sich in der Nähe des Tatorts aufhielt, und wir haben das Handy der Opferfrau, das er wegwarf, als er dachte, er könne es unsichtbar machen. Die Waffe wurde gefunden, und wir konnten die DNA des Angeklagten daran nachweisen."
Die Augen des Angeklagten weiteten sich für einen Moment, und er schien sich in dem Moment der Erinnerung wieder zu verlieren. Lucas fuhr fort.
„Es gab keinen Zweifel, dass er es war. Der Mord war kein 'Unfall'. Es war ein geplanter, kaltblütiger Akt, geboren aus einer Mischung aus Eifersucht und der Angst, die Kontrolle zu verlieren. Es gab keine Entschuldigung dafür, Jessica zu töten, nur weil sie sich von ihm trennen wollte. Sie hatte das Recht, ihr Leben zu führen, wie sie wollte, und er hatte das Recht, ihr in Ruhe zu lassen."
„Danke, Herr Weber", sagte die Anklägerin und sah auf den Angeklagten. „Ich glaube, die Beweise sprechen für sich. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass wir in diesem Fall nicht nur einen Mord an einer Frau haben, sondern auch an einem unschuldigen Kind, das in ihr verwurzelt war. Und das macht diese Tat noch abscheulicher."
Es folgte eine kurze Pause, in der die Jury flüsterte und Notizen machte. Dann, nach ein paar weiteren Aussagen und einer langen, angespannten Stille, stand der Richter auf.
„Das Gericht hat alle Beweise gehört", sagte der Richter mit ruhiger, fester Stimme. „Nun liegt es an der Jury, ein Urteil zu fällen."
Die Jury wurde gebeten, sich zu beraten, und Thomas Müller konnte nur in stummer Verzweiflung auf der Anklagebank sitzen, seine Schultern zusammengezogen und die Augen starr auf den Boden gerichtet. Er wusste, dass es keine Möglichkeit mehr gab, zu entkommen.
Nach einer Stunde Beratung kam die Jury zurück. Der Vorsitzende der Jury trat vor.
„Im Fall des Mordes an Jessica Müller und ihrem ungeborenen Kind lautet das Urteil: schuldig", erklärte der Vorsitzende mit fester Stimme.
Ein kollektives Aufatmen ging durch den Raum. Thomas Müller sackte in sich zusammen, sein Blick verloren und leer, als die Wahrheit in ihm endgültig einbrach.
„Sie werden für Ihre Tat zur Rechenschaft gezogen, Herr Müller", sagte der Richter, „und das Gesetz wird Ihnen die Strafe auferlegen, die Sie verdienen."
Der Angeklagte wurde zur Strafe verurteilt: Lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung. Er hatte nicht nur das Leben seiner Frau genommen, sondern auch das Leben des Kindes, das sie trug. Es war ein Ende für die Familie, die zu einem Leben der Tränen und der Strafe verurteilt wurde, und es war der Moment, in dem Jessica Müller endlich die Gerechtigkeit bekam, die sie verdient hatte.
Liana betrat den Gerichtssaal, die Türen öffneten sich leise und der Raum verstummte für einen Moment, als alle Anwesenden ihren Blick auf sie richteten. Ihre Erscheinung war so ruhig wie immer, doch es war ein gespannter Ausdruck in ihren Augen, als sie sich durch den Raum bewegte. Sie trug ein einfaches, schwarzes Kleid, das ihre Figur betonte, und ihre langen Haare fielen in sanften Wellen über ihre Schultern. In der Hand hielt sie eine Handtasche, die sie mit einer Hand nervös auf ihren Schoß drückte, als sie sich ihren Platz suchte.
Die meisten Anwesenden im Raum wussten nicht, was sie von Liana halten sollten. Ihre Vergangenheit, die vielen Gerüchte, die sie umgaben, machten sie zu einer mysteriösen Erscheinung. Aber für Lucas war sie nur eine Person. Eine, die er immer noch nicht richtig kannte, aber die in seinem Leben eine unerwartete Rolle spielte.
Liana setzte sich neben ihn, ihre Augen trafen sich mit seinen, und ein stilles Einverständnis zwischen ihnen schien den Raum zu füllen. Sie hatte sich entschieden, zu diesem Moment zu erscheinen – der Moment der Wahrheit, als der Mörder von Jessica Müller endlich zur Rechenschaft gezogen wurde. Liana wusste, dass dies nicht nur für die Familie der Verstorbenen wichtig war, sondern auch für Lucas, der diesen Fall bis zum Ende verfolgt hatte. Sie spürte, dass er etwas mehr mit diesem Fall verband, als er je zugeben würde.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das hier heute erlebe", flüsterte sie leise, als sie sich setzte, ihre Handtasche auf den Boden stellte. Ihre Stimme war sanft, aber es lag eine schwere Bedeutung in ihren Worten.
Lucas blickte sie einen Moment an, bevor er antwortete. „Es fühlt sich seltsam an. Zu wissen, dass es vorbei ist. Aber es ist nicht wirklich vorbei, oder? Der Fall ist abgeschlossen, aber... der Schmerz bleibt."
Liana nickte langsam, und ihre Augen waren für einen Moment auf den Angeklagten gerichtet, der wie ein Schatten der Person saß, die er einmal gewesen war. Die Schultern des Mannes waren zusammengesackt, der Blick leer und abwesend. Niemand konnte die Kälte in diesem Moment übersehen, den Verlust, den er verursacht hatte – nicht nur für Jessica, sondern für alle, die sie gekannt hatten.
„Es wird nie einfach, Lucas. Das Leben macht keine Pause, egal wie schwer es wird", sagte sie mit einem kaum wahrnehmbaren Seufzer.
Lucas zog die Augenbrauen zusammen und drehte sich dann leicht zu ihr. „Ich weiß. Aber manchmal wünschte ich, ich könnte den Schmerz, den Menschen füreinander verursachen, irgendwie stoppen. Heute fühlt es sich wenigstens so an, als ob Gerechtigkeit für Jessica und das Kind, das sie trag, endlich erreicht wurde."
„Gerechtigkeit", wiederholte Liana leise und sah ihn aufmerksam an. Ihre Finger zitterten leicht, als sie ihre Handtasche wieder aufnahm, doch sie ließ den Blick nicht von ihm. „Meinst du, sie ist es?"
Lucas sah sie an, als ob er ihre Frage zum ersten Mal ernsthaft in Betracht zog. Er wusste, dass sie nicht nur auf die heutige Verhandlung anspielte, sondern auf das große Ganze. Die Gerechtigkeit, die nicht immer mit dem, was wir als „recht" ansehen, übereinstimmt. „Es ist zumindest ein Schritt", sagte er dann, mit einer Miene, die zwischen Entschlossenheit und Melancholie schwankte.
Sie starrte für einen Moment auf den Angeklagten, der mittlerweile mit gesenktem Kopf da saß, als wüsste er, dass sein Leben nie wieder dasselbe sein würde. „Ich weiß, was du denkst, Lucas. Aber denk daran, dass das Gesetz nicht immer die Last der wirklichen Schuld trägt. Es wird ihm nichts zurückgeben. Es wird niemandem etwas zurückgeben."
„Ja", sagte Lucas leise und zog den Blick von ihr ab. „Aber es gibt auch nichts, das uns die Menschen, die wir verlieren, jemals zurückgeben können."
Der Moment zwischen ihnen war still. Sie spürten beide die Schwere des Augenblicks, aber es war auch eine subtile Verbindung zwischen ihnen spürbar. Es war, als ob sie sich in diesem Augenblick gegenseitig verstanden, ohne dass viele Worte gesprochen werden mussten. Ein Moment des Mitgefühls, der ohne viel zu sagen, viel ausdrückte.
„Und was jetzt?", fragte Liana dann, ihre Stimme fast ein Flüstern.
„Wir gehen weiter. Wir finden einen Weg, das zu verarbeiten", antwortete Lucas. Er legte eine Hand auf den Tisch und sah zu ihr, dann wieder zum Angeklagten. „Der Fall ist abgeschlossen, aber der Schmerz bleibt. Das ist die Realität."
Liana nickte. „Ja, das ist es."
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Kill me Baby
RomanceLucas, ein engagierter Polizist, ist auf der Suche nach Antworten in einem mysteriösen Mordfall, der ihm Rätsel aufgibt. Eine schwangere Frau wurde getötet, und die Umstände deuten zunächst auf die gefährliche Auftragsmörderin Liana hin, die bereits...
