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Thaddeus schwieg sich selber so sehr an, dass er es nicht mehr aushielt. Er konnte sich selber nicht mehr ertragen, nachdem er Ardian los war, der ihm so sehr auf die Nerven ging. Er ging zum Fluss, an dem sie sich das erste Mal begegnet waren. Er erinnerte sich daran, als seie es erst gestern gewesen.

Müde ließ er sich am Flussufer nieder und zeichnete kleine Bildchen mit einem Stock in den Sand. Er hasste Ardian für alles, was er sagte. Aber er hasste auch sich für das, was er zu Ardian sagte.

Die Stille brach noch weiter mit der Nacht hinein. Es war kurz vor Mitternacht, Thaddeus saß allein am Wasser und schwieg noch immer. Er starrte auf die andere Seite des Ufers, wo das Gras unkontrollierte wuchs. Er fror furchtbar, wollte aber nicht nach Hause gehen. Er besaß kein richtiges Zuhause mehr, wollte seinem Vater keinen Besuch abstatten. Er schwor sich, ihn nie wieder zu besuchen.

Er wusste aber auch, dass er diesen Schwur nicht einhalten könnte.

Der Wind pfiff ihm um seine kalten Ohren, der Schal bis über den Mund gezogen und die Augen zu kleinen Schlitzen verschlossen. Die Reisetasche diente ihm höchstens als Kissen, wenn er sich hinlegen wollen würde, was er aber nicht tat. Er schwieg nur weiter und weiter, hörte eine Eule von etwas weiter weg.

In der Nacht, dachte er, nimmt man die Umwelt viel klarer wahr, da alles so dunkel und unübersichtlich ist. Die Tiere sind nicht mehr so scheu. Alles ist so viel schöner.

Aber jemand riss ihn aus seinen Gedanken. Es war niemand anderes, als Ardian. Er hatte nach ihm gesucht. Und erleichtert, als er ihn endlich gefunden hatte.

"Was machst du hier?", fragte er Thaddeus grimmig, wollte doch eigentlich weiter sauer auf ihn sein.

"Erfrieren? Keine Ahnung.", antwortete er kleinlaut und rieb sich seine müden Augen. Sein Körper schien ihn in den Wahnsinn treiben zu wollen. Nicht nur seine Müdigkeit, auch das Verlangen danach, sich Schmerz zuzufügen, machte ihn nahezu verrückt. Er sehnte sich nach einem Ausweg aus seinem seelischen Schmerz.

"Du bist doch bescheuert", begann Ardian zu tadeln, "sitzt hier in der Kälte und weißt anscheinend nicht mal genau, was du hier machst."

"Ach, und du weißt, was du hier machst?", neckte Thaddeus zurück und starrte in Ardian's Augen, die wie zwei pechschwarze Knöpfe wirkten.

"Zur Abwechslung, ja.", antwortete Ardian leise. "Ich hab dich hergott nochmal gesucht, du Schwachkopf!", schrie er beinahe aus sich heraus.

"Und warum? Ich dachte, dass ich hätte an den Schlägen meines Vaters-"

"Weil ich mich um dich sorge, Mann! Du bist wie ein Bruder für mich! Klar mache ich mir dann Gedanken darum, wo du bist." Ardian sah zu Thaddeus hinab. In seinen Augen sammelten sich Tränen und er wollte sie nicht vergießen.

Das letzte Mal weinte er um Luna.
Nun, da er Thaddeus vermisste.

Thaddeus sah von ihm weg, rieb mit seinen kalten Fingern über seine Nase. Ihm fielen seine Augen fast zu, so müde war er. Es war ihm alles zu viel.
Das war es oft.

"Bitte, es tut mir leid. Komm zurück nach Hause."

"Du klingst wie ein Elternteil.", war alles, was Thaddeus darauf sagte, bis aus seinem Mund die Worte "Okay, mir tut's auch leid" folgten.

Und das tat es ihm wirklich.
Und Ardian umarmte ihn herzlich.
Und es schien wieder alles in Ordnung.
Auch wenn beiden klar war, dass nie irgendwas auf Dauer in Ordnung bleiben würde.

RiversideWo Geschichten leben. Entdecke jetzt