Liebesbrief 16

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Marcos Sicht:

Ich war kaum um die Ecke gefahren, als ich das Bedürfnis hatte, direkt wieder umzukehren. Die Frage des Warums, konnte ich mir nicht wirklich erklären. Klar wir hatten einen schönen Abend. Nein, es war mehr als ein schöner Abend aber eben rein freundschaftlich und das war auch gut so. Warum also wollte ich für irgendetwas Gewissheit haben? Was wenn sie wirklich geflunkert hat mit dieser Ex-Freund Geschichte und es war gar nicht Ex sondern immer noch aktuell? Was würde das aber alles ändern? Ich hatte ihre Nummer und vielleicht würde ich sie auch benutzen. Einfach so. Belanglos. Einfach für noch solch einen Abend. Locker. Ohne Verpflichtung. Auf alte Freundschaft. Unwirsch schüttelte ich mit dem Kopf um diese Gedanken los zu werden und konzentrierte mich auf den Verkehr.

Als ich im Bett lag und die Stille um mich herrschte, ließ ich den ganzen Tag mir noch einmal durch den Kopf gehen. Dachte über das Spiel nach und was wir hätten anders machen können. Träumte mir einen Sieg und grinste dabei. Leider war es aber nicht das Ende des Spiels, wir hatten verloren und die eine oder andere Entscheidung vom Schiedsrichter hing mir nach. Dann gingen meine Gedanken zu Laura und wie ich dabei Empfand an sie zu denken, machte kein Unterschied dazu sie in echt zu sehen. Ich versuchte mich zu erinnern wie ich das letzte Mal sah. Es war bei einem Spiel, was gleichzeitig ihr letztes war. Das wurde nicht so an die große Glocke gehängt, es war mehr ein Raunen durch die Mannschaft, frei nach dem Motto „hast du schon gehört?". An dem Tag wollte ich sie noch einmal zum Essen einladen und ihr endlich einen Brief geben den ich geschrieben hatte. Einen der typischen Teenie-Liebesbrief, in dem aber etwas mehr drin stand als nur „willst du mit mir gehen?". Was hatte ich nur nochmal geschrieben? Es wollte mir beim besten Willen nicht mehr einfallen. Wie vom Blitz getroffen richtete ich mich im Bett auf und sagte leise „der müsste doch noch da sein, aber wo?" Natürlich, er musste doch noch in dem Karton sein, im Keller bei meinen Eltern. Ich hatte da einen Schuhkarton drin mit ein paar Kickschuhen. Die hatte ich aufbewahrt, weil ich sie mir hab unterschreiben lassen von Rosicky und genau dort musste auch der Brief drin verschwunden sein?! Am liebsten wäre ich direkt los gefahren, was sicher nicht zur Freude meiner Eltern beigetragen hätte. Also legte ich mich wieder hin, verschränkte die Arme hinter meinem Kopf und starrte weiter an die Decke. Ich nahm mir vor direkt am nächsten Tag einen Umweg zufahren um im Keller zu stöbern. Vielleicht fände Laura den ja ganz witzig, wenn ich ihr den bei einem erneuten Treffen zeigen würde? Ein erneutes Treffen! Ja, das musste einfach stattfinden. Ich lehnte mich rüber zu meinem Nachtisch um mir mein Handy zu greifen. Dann rief ich Lauras Nummer auf und fing an ihr eine Nachricht zu schreiben.

„Hey, ich wollte dir nur nochmal schreiben dass ich es echt toll mit dir fand. Ich glaub ich hätte übermorgen Zeit, du auch? Wäre super! Gute Nacht"

Da ich beim Nachricht schreiben auch die Uhrzeit sah, legte ich das Handy schnell weg, machte das Licht aus und kuschelte mich in mein Kissen um endlich den Schlaf zu finden den ich dringend brauchte. Kaum schlummerte ich, vibrierte es auf meinem Nachttisch. Nun fing der innere Kampf an. Sollte ich nachschauen was sie geschrieben hatte oder konnte das auch noch bis morgen warten? Vielleicht war es aber auch gar nicht Laura sondern jemand anders? Könnte das nicht auch bis morgen warten? Aber wenn sie es doch war, vielleicht war es ja positiv und ich könnte dann zufriedener einschlafen? Das Gedankenspiel machte mich ganz kirre und ließ sich auch nicht weg wischen, also drehte ich mich um und tastete nach meinem Telefon.

„Hallo Marco. Ich hoffe ich weck dich jetzt nicht mit der Nachricht, weil ich hab jetzt erst gesehen dass du geschrieben hast. Es war wirklich toll und danke noch einmal für dieses einzigartige Erlebnis im Stadion! Ich muss Montag arbeiten, aber nur vormittags. Vielleicht könnten wir uns abends treffen? Auch dir eine gute Nacht!"

Es wirkte! Erst war ich gewillt ihr zurück zu schreiben, aber dann würde sie sicher auch wieder zurück schreiben und wir wären den Rest der Nacht damit beschäftigt statt mit schlafen. Also ließ ich es einfach im Raum stehen und überlegte mir was ich mit ihr unternehmen konnte am Montag. Beim Pläneschmieden schlief ich ein und erschrak als mich der Wecker aus dem Schlaf riss. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren das ich wirklich geschlafen hatte wie ein Stein und das ganze 6 Stunden am Stück ohne eine Unterbrechung. Mit unter dem Kopf verschränkten Armen gönnte ich mir noch 5 Minuten das anstarren meiner Schlafzimmerdecke, dann meldete sich erneut mein Handy und ich musste aufstehen. Ganz problemlos schaffte ich es pünktlich zu sein beim Training und freute mich schon auf Montag. „Ich wurde von unserem Platzwart gefragt welcher Spieler letzte Nacht sich noch im Stadion rum getrieben hat!" waren die Worte zur Begrüßung vom Trainer und ich zog den Kopf tief zwischen meine Schultern.

Und wenn es Liebe wird?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt