Fettnäpfchen 41

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Marcos Sicht

Ich musste Laura am Mittag eine Nachricht zukommen lassen, dass ich nicht kommen konnte und sie schrieb mir zurück, dass es nicht schlimm sei, da sie immer noch mit Robin unterwegs war. Ernsthaft fragte ich mich, was die beiden so lange zu tun hatten und ich stellte mir Robin vollgepackt mit Taschen vor. Leider würde es dafür wohl niemals Beweisfotos geben und mir musste meine Vorstellungskraft ausreichen. Beschwingt und mit Vorfreude im Bauch schloss ich die Tür zu meiner Wohnung auf und mir stieg direkt ein köstlicher Duft in die Nase. Es war der Geruch nach frisch gekochtem und nicht nach bestelltem und ich fragte mich ob Laura auch Robin in der Küche benutzte zum Schnippeln. „Laura? Ich bin endlich da" rief ich um sie nicht zu erschrecken, „super, das Essen ist gleich fertig und du kannst mir direkt beim Wasser abschütten helfen" sie kam mit einem Handtuch in der Hand aus der Küche raus und wischte an sich rum. Robin hatte ihr wohl doch nicht geholfen, denn sie hatte diverse Flecken auf ihrem Shirt. „Hallo erst mal" sagte sie und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Erst diese Vorstellung von Frühstück und nun das, was hast du noch für mich?"-„Mal schauen" kess zwinkerte sie mir zu und verschwand wieder in der Küche, in die ich ihr folgte. „Warum hast du nicht gewartet bis ich nach Hause gekommen bin, wir hätten doch essen gehen können oder zumindest was bestellen?"-„Naja, ich dachte, ich versuch es einfach mal und ich hab ja auch nicht wirklich was großartiges gemacht"-„dafür riecht es aber verdammt gut! Was ist es denn?" Ich hob einen der Deckel hoch und erkannte Spagetti die vor sich hin köchelten. „Bolognese, hoffe das schmeckt dir"-„so wie das riecht? Machst du Witze? Ich glaub bei meinem Lieblings Italiener brauch ich nicht mehr essen gehen wollen". Sie stieß mir leicht in die Seite „übertreib mal nicht", dann gab sie mir den Auftrag Teller und Besteck zu holen. Nach dem ich auch noch die Nudeln abgeschüttet hatte, machten wir es uns auf dem Sofa zum Essen bequem und ließen uns neben her von einem sinnlosen Programm im Fernseher berieseln. Laura erzählte mir wohin sie überall Robin geschleppt hat und das sie sich umziehen war bei Denise, da sie dort immer noch ein paar Kleider hatte. „Warum hast du nicht gerade alles mitgebracht?" Die Frage kam unvermittelt und an ihren großen Augen musste ich feststellen dass es wohl zu viel des Guten war. „Ich wollte nicht hier einziehen" gab sie leicht tonlos von sich, „auch wenn das natürlich ein nettes Angebot ist" lenkte sie aber dann doch ein, dennoch war mir die Frage, stieg aber direkt in das nächste Fettnäpfchen. „Wirst du wieder zu ihm zurückgehen?" Mir erschien es richtig und vor allem wichtig, sie das zu fragen. Ich wollte nicht dass sie wieder hier zur Wohnung raus ging und ich dann eine Woche lang nichts von ihr hörte. Es schien als würde sie wohl über dasselbe nachdenken, denn sie sagte nichts sondern schaute ein Loch in die Luft. „Ich habe nicht vor zu ihm zurück zu gehen, ich glaube das war der letzte Versuch den ich da gestartet hab. Ich wäre wohl sehr dämlich, würde ich es wieder verbocken" Laura stellte ihren Teller auf den Tisch und zog ihre Beine an. Es war, als wäre sie zu tiefst traurig und ich wusste nicht warum. Ich brachte die Teller in die Küche, spülte sie leicht ab und ging zurück mit einer Flasche Wasser und zwei Gläsern. Ich versuchte unterwegs die richtigen Worte zu finden um ihr Mut zu machen, dass sie von Carsten fern blieb und ich die beste Alternative war. Laura starrte weiter einfach so in den Fernseher und ich war mir sicher, dass sie bestimmt nicht mitbekam um was es ging bei dem was gezeigt wurde. Ich überließ sie ihren Gedanken und versuchte meine eigenen zu sortieren, dabei schaute ich sie immer wieder an. „Laura, ich weiß das es vielleicht doof ist, aber ich hab etwas für dich" ob es jemals den geeigneten Moment geben würde? Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich stand auf und holte den Liebesbrief. „Es ist für dich" leicht verwirrt und für mich ein Zeichen das sie sehr tief in ihren Gedanken war, nahm sie den Zettel, faltete ihn auf und las was ich damals geschrieben hatte für sie. Ein Gesicht was so schön war wir ihres, brauchte nichts sagen, denn es sprach für sich in Tausend Sprachen, so auch beim Lesen und dem verstehen der Worte. „Wer hat das geschrieben?"-„Ich"-„Für wen?"-„Für dich" dann sagte sie nichts mehr sondern stand einfach auf und ging. Im ersten Moment dachte ich sie würde ganz gehen, aber sie schlug den Weg zum Bad ein und schloss die Türe ab. Das klickende Geräusch war nicht zu überhören. Nach fast 10 Minuten war sie immer noch nicht rausgekommen und mich packte meine Neugierde. Leicht klopfte ich an die Tür zum Badezimmer „Laura? Alles ok bei dir? Hätte ich gewusst das dich der Brief so schockt hätte ich ihn dir nicht gegeben. Ich dachte es wäre ein guter Zeitpunkt um dir zu sagen was ich damals schon empfand und nach der letzten Nacht dachte ich, so ein Brief wäre nicht nötig um dir die Frage zu stellen aber ... ich weiß auch nicht es ist ..." ich fing an rum zu stottern weil ich gar nicht wirklich wusste was ich ihr sagen sollte, obwohl ich mir doch meine Worte so schön zurecht gelegt hatte. Vielleicht hätten wir es doch einfach nur bei der Freundschaft belassen sollen und ich bekam das Gefühl, die letzte Nacht war ein Fehler.

Und wenn es Liebe wird?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt