Kap. 20: You broke me.

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Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Es gibt Gefühle, die lassen einen nicht los, egal, wie sehr man es auch versucht. Es sind diese Dinge, die an uns reißen du an uns zerren. Manche von uns zerstören sie. Manche von und lassen sie Qualen erleiden. Tag für Tag. Stunde um Stunde. Minute zu Minute. Sekunde für Sekunde. Jeder einzelne Moment unseres Lebens fängt an, sich nach all diesen Qualen auszurichten. Wir essen nicht. Wir trinken nicht. Wir schlafen nicht. Wir stehen nur da, immer noch atmend, mit schlagendem Herzen, am Fenster und warten darauf, dass die Person, die uns diesen Leid zurückkommt. Und wir warten. Und wir warten. Und dann irgendwann lehnen wir uns seufzend von dem Fenster ab, und versuchen, unser Leben weiterzuführen. Wir gehen zur Arbeit. Wir gehen aus. Aber wir sind bei keiner dieser Dinge wirklich dabei. Es ist, als wären wir nur zur Hälfte da. Als wäre uns unsere andere Hälfte geklaut werden. Und es ist immer dieselbe die Hälfte, die geklaut wird. Das Herz. Unser Verstand bleibt. Er fährt uns an, wie wir nur so dumm seien können. Wie wir diesen Leuten vertrauen konnten, von denen wir wussten, dass sie uns früher oder später verletzen würden. Doch wir wissen keine Antwort. Wie denn auch? Der Teil von uns, der die Antwort geliefert hatte, ist ja weg. Für immer, weg mit der Person, auf die Chris am Fenster stehend wartete, wobei tief ein und ausatmete. Er wusste, dass es nicht gesund war, was er tat. Aber wie sollte er nur etwas anderes tun? Wie könnte er einfach so tun, als wäre nichts passiert, als wäre alles beim Alten? Es ging nicht. Chris beobachtete die Menschen unter sich, die die Straße auf und ab liefen, in strömenden Regen. Die tropfen prasselten gegen das Fenster, mal stärker, mal schwächer. Chris Blick war verschwommen. Er achtete nicht wirklich auf die Menschen, auf das, was sie taten. Er blickte nur ziellos in die Leere. So wie bei allem in der letzten Zeit. Er fixierte keinen Punkt. Er sah einfach nur nach draußen, ein Glas Scotch in der Hand. Er sah nach draußen und merkte nicht mal, wie er sich unbewusst wünschte, dass er Kate dort unten unter den Menschen entdecken würde. So wie er es früher oft getan hatte, bevor sie kam. Dann hatte er immer gelächelt. Und das Lächeln verschwand nicht, nicht mal, als Kate wieder verschwand und ihn alleine ließ in seinem kalten Apartment. Früher war es nie kalt gewesen. Oder vielleicht hatte er es nur nicht gemerkt. Erst als Kate das erste Mal da war, hatte sich seine Wohnung mit Persönlichkeit gefüllt, mit diesem ‚zuhause‘ Gefühl. immer wenn Kate gegangen war, hatte sie auch wieder ein Stück davon weggenommen. Und jetzt, wo sie vermutlich für immer weg war, war das Gefühl auch weg. Das Apartment wirkte trostlos. Aber nicht nur das, auch der Rest der Welt wirkte, als würde etwas fehlen. Als wäre die Sonne weg, auch wenn sie Tag für Tag schien. Aber nicht mehr für Chris. Für ihn war da nur noch Trostlosigkeit und Dunkelheit. Da war kein Licht mehr. Und das Schlimme war, dass er nicht wusste, ob es je wieder da sein würde. Dabei stellte er das auch nicht mal in Frage. Denn tief in seinem Inneren wusste er, dass es nie wieder da sein würde. Nicht, solange Kate nicht mehr da war. Dann würde es gar nicht da sein können. Denn Kate war alles Licht auf der Welt für ihn. Doch nun war sie nicht mehr da. Und mit ihr, das Licht. Und eine großer Teil von ihm. Der Teil, der ihn das Leben genießen hat lassen, der Teil, der ihm zeigte, dass sich jeder Moment lohnte. Lohnte zu Leben. Es war, als wäre da ein großer Stein, der auf seiner Brust lastete, und ihm bei allem, was er tat, runterzog. In der Schule war es am Schlimmsten. Einfach diese Fassade aufsetzen zu müssen, von diesem Menschen ohne Probleme. Dann nach Hause zu kommen, und die Fassade fallen zu lassen. Die Tränen kamen, jeden Tag. Ungefragt, ungewollt. Einfach so. Sie waren immer da. Sein Stetiger Begleiter. Und es half nichts. Kein Alkohol, keine Ablenkung. Es half nichts. Einfach nichts. Und er war noch nicht bereit genug, einfach alles fallen zu lassen. Es ging nicht. Er konnte nicht so tun, als wäre nichts passiert. Konnte nicht jedem vorspielen, als wäre alles okay. Er konnte sein Leben nicht einfach so weiterführen. Nicht ohne Kate. Er konnte es einfach nicht. Und sein verstanden verfluchte ihn dafür. Für seine Dummheit. Seine Naivität. Dafür, dass er Kate diese zweite Chance gegeben hatte. Obwohl er genau gewusst hatte, dass sie ihn verletzen würde. Früher oder später. Es bereitete ihm Kopfschmerzen, doch er konnte Kate einfach nicht böse sein. Zu sehr vermisste er sie. Ihre Stimme, ihr Lächeln, ihr Geruch. Allein der Gedanke an sie machte ihn beinahe wahnsinnig. Er konnte kaum noch schlafen. Lag die ganze Nacht nur wach, hoffte, die Stunden würden schneller vergehen. Doch das taten sie nicht. Das taten sie nie. Egal, wie sehr er es sich wünschte. Es waren nun schon4 Monate her, seid Kate einfach so verschwunden war. Und sich nicht gemeldet hatte. Keinen seiner Anrufe, keine seiner SMS beantwortet hatte. Und dann, vor 3 Monaten, hatte er sie gar nicht mehr erreichen können. Sie hatte eine neue Handy Nummer. Sie hatte sich komplett abgekapselt. Nicht einmal Marie hatte sie etwas gesagt. Marie war da gewesen, kurz nach Neujahr. Hatte ihn gefragt, wo Kate war. Er hatte ihr einfach nur gesagt, was er wusste. Dass sie weg war. Dann hatte er die Tür vor der Nase zugeschlagen, sich gegen die Türe gelehnt und war doch stehen geblieben, wie lange, dass wusste er nicht. Danach hatte er von niemanden mehr was gehört. Matt war zwei Wochen nach Kates Abgang ausgezogen, zurück zu seiner Familie. Er hatte größere Probleme. Seine Freunde aus Atlanta hatten sich immer mal wieder gemeldet, doch Chris hatte sie immer nach wenigen Sekunden abgewiesen. Er hatte kein Interesse daran, Spaß zu haben oder sich mit Freunden zu treffen. Er wollte nur eins. Kate zurück. Mehr nicht. Doch das würde er nie haben können. Nein. Kate war nun fast wie die Sterne. Unerreichbar. Chris nahm einen weiteren Schluck seines Scotchs, spürte, wie der Alkohol seine Kehle hinunter brannte und sah wieder hinaus. Wie konnte nur alles immer noch wie früher sein? Musste nicht irgendetwas besonders schreckliches passiert sein? Denn so ging es ihm. Als wäre die Welt zusammengebrochen. Doch anscheinend war es eben nur seine Welt. Es klingelte an der Tür. Chris blieb einfach stehen. So, wie er es immer tat, in letzter Zeit. Es klingelte erneut, doch Chris leib einfach weiterhin stehen. Es kümmerte ihn nicht, wer da mit ihm reden wollte. Er hatte größere Sorgen. Dann klingelte es erneut. Und noch mal. Und noch mal. Dann klingelte es sturm, als Chris sich schließlich von der Tür ablehnte und sich auf den Weg zu Tür machte. Er sah durch den Spion, nur um in bekannte, braune Augen zu blicken. Er drehte wieder um, als er Geschrei von der anderen Seite der Tür wahrnahm.

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