Erik ließ sich nach hinten sinken und legte den Kopf in den Nacken diese Verhandlung würde ihn noch umbringen. Er hasste jede einzelne Person in diesem Raum, jeden Polizisten, jeden Staatsanwalt. Halt – nein er hasste nicht jeden. Lyjana hasste er nicht. Obwohl diese Anfälle sehr Besorgnis erregend waren, hatte er nichts anderes erwartet. Menschen sind sehr instabile Personen und Lyjana hatte den Horror gesehen, der in manchen Filmen nicht gezeigt wurde.
Es hatte bei seinen Opfern immer nach ein paar Wochen angefangen. Der enge dunkle Raum hatte ihnen den Verstand genommen. Hatte den Wahnsinn in ihren Kopf gepflanzt. Lyjana hatte lange ausgehalten. Aber dann mitten in der Nacht, hatte sie geschrien. Er mischte Drogen in ihr Essen, wollte nicht, dass sie irgendetwas Dummes tat. Sein letztes Opfer hatte genug Kraft um sich selbst umzubringen. Das dumme Mädchen hatte ihr Trink-Glas zerschmettert und sich die Adern aufgeschlitzt. Das sollte ihm nicht noch einmal passieren. Er hätte gerne noch mit Lyjanas Vorgängerin gespielt. Sie war nämlich keine allzu schlechte Persönlichkeit, hatte seinen Anforderungen genügt und wäre unter seiner Führung sicher noch zu jemand ganz besonderem geworden. Bei dem Gedanken, dass sich dieses dumme Mädchen einfach so das Leben genommen hatte, schwoll der Hass in ihm noch mehr an. Als wäre ein Leben nicht lebenswert, als könnte man das einfach so wegwerfen. Gleichzeitig musste er den Hut vor ihr ziehen. Sie hatte wenigstens so viel Rückgrat besessen, es selbst zu beenden. Die anderen waren nicht so stark gewesen.
Erik hatte zuerst geglaubt jemand würde versuchen Lyjana umzubringen. Als er den Nacht Bildschirm anschaltete, kämpfte sie aber nur mit den Schatten ihres Verstandes. Dennoch schrie sie wie am Spieß. Er hatte die Drogen wohl damals überdosiert. Es war ihm egal, er könnte auch mit ihren Schreien im Ohr schlafen. Die anderen hatten auch immer gebrüllt, wie die Wahnsinnigen. Irgendwann wurde es zu seiner ganz persönlichen Lieblingsmusik. Die Stimme eines Menschen war doch das schönste in der Welt der Musik. Millionen von Menschen liefen zu den Wiener Sängerknaben; er hatte die Musik bereits hier, bei sich. Er musste dazu noch nicht einmal aus dem Haus.
Doch sie wäre nicht seine Lyjana gewesen, würde sie ihn nicht auch diesmal überraschen. Die anderen hatten nach ihren Eltern geschrien ihren Liebsten... Sie hatten um Hilfe geschrien, hatten stumm um Gnade oder manchmal sogar die Erlösung gebeten- aber niemals hatte man nach ihm verlangt.
„Erik!" Ihre Stimme hallte durch das Schlafzimmer. Fasziniert sah er wieder auf das Bild. Tatsächlich sie war aufgestanden und hämmerte an die Tür. Dort stand sie zittrig und kreidebleich. Ihre Wangen waren tränenüberströmt und sogar jetzt, in diesem Moment sah sie wunderschön aus. „Erik, es ist hier. Bitte!" Ihre Schreie waren rau von den Tränen.
Neugierig rollte er sich vom Bett und öffnete mit Knopfdruck ihre Zelle, ihm war langweilig er wollte spielen. Sie stolperte heraus als er ebenfalls die Tür öffnete. Kurz verlor sie ihr Gleichgewicht und fiel, doch sie rappelte sich schnell wieder auf. Fassungslos stand sie auf der Türschwelle, wollte den Raum im ersten Moment gar nicht verlassen. Doch dann siegte doch ihr Überlebenswille und ihre Urinstinkte. Unsicher stolperte sie heraus aus der stockdunklen Zelle. Vorsichtig tastete sie sich an der Wand entlang, bis sich ihre Augen an das sanfte Licht gewöhnt hatten, dass er in dem Flur eingeschalten hatte. Es war wohl eine gute Idee gewesen heute in dem Bunker zu schlafen.
„Erik." Wimmerte Lyjana und dann rannte das schmutzige, unglaublich jung wirkende Mädchen auf ihn zu und schlang die Arme um seinen Brustkorb. „Es ist da drin." Flüsterte sie leise immer wieder, weinte dabei unaufhörlich. Sie schien sich nicht einmal Sorgen zu machen, dass er sie für die Taktlosigkeit bestrafen würde.
„Die Schatten bewegen sich – sie tun weh." Wisperte sie leise und zupfte an seinem T-Shirt. „Sie haben das Tageslicht getötet." Oh ja er hatte definitiv zu viel Drogen in ihr Essen gemischt. „Lyjana." Seine Stimme war gefährlich leise, doch auch sanft. In diesem Moment wollte er das Mädchen nicht noch mehr verängstigen. Wenn er jetzt nicht aufpasste, würde sie wahnsinnig werden und er musste sie töten. Das wollte er jedoch beim besten Willen noch nicht. Er hatte noch viel mit ihr vor. „Du bist schmutzig." Er schälte ihre dreckigen Arme von sich. Er hatte ganz vergessen, dass er seit einer Woche nur das Essen zu ihr schob. Ein Fehler, der nicht so schnell wieder vorkommen sollte.
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HorrorWenn der Tod einem begegnet können die meisten Menschen nicht mehr entfliehen, doch für Lyjana Hathaway ist der Tod nicht das Ende - nein. Der Tod will sie und er spielt ein grausames Spiel mit ihr in dem nicht nur ihr Leben der Einsatz ist, jede S...