Das Leben ist zu kurz um zu warten

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"Steig bei uns ein!", forderte Legolas mich auf.
Ich warf meinen Bogen und meinen Köcher in das Boot.
Mit dem Schwert in der Hand stieg ich ein.
Fast wäre ich nach hinten umgekippt, wäre da nicht Gimli gewesen, der mich heldenhaft auffing.
Na ja, eher von sich weg schubste.
Legolas hüpfte leichtfüßig ins Boot und nahm die Ruder in die Hände.
Die Herrin von Lothloríen stand am Ufer des Flusses und beobachtete uns.
Sie winkte uns, bis jemand zu ihr gestürzt kam.

Grayjan.

Er rief:
"Warum sind sie weg? Mir hat niemand etwas gesagt. Wo ist Anaria?"
Sie deutete auf unser Boot.
Ich versteckte mich, oder versuchte es zumindestens, hinter Legolas.
Er drehte sich zu mir um und warf mir einen zwielichtigen Blick zu.
"Guck nach vorne!
Sonst landen wir im nächstbesten Graben!", stutzte ich ihn.
Er drehte sich irritiert um und brummte:
"Weil es hier auch Gräben gibt ..."
Mir waren seine Worte gerade mal ziemlich egal.
Ich versuchte nur den Blicken von Grayjan auszuweichen und mich so gut es ging vor ihm zu verstecken.
"Was ist denn in dich gefahren, Mädchen?
So hübsch ist der Elb ja nun auch nicht", behauptete Gimli.
Na ja, jeder hat eine andere Meinung.

Irgendwann waren wir außer Sichtweite und ich lehnte mich erleichtert zurück.
Aber nicht lange blieb ich ohne schlechtes Gewissen.
Ich hatte keine Muße gehabt und hatte mich insgeheim auch ein wenig vor einer Aussprache mit ihm gefürchtet.
Eben weil es für ihn wahrscheinlich keine Ursache dazu gab.
Er hatte vielleicht sogar noch mehr als Freundschaft im Sinn.
Es war nicht so, dass ich ihn nicht vermisst hatte, aber er war mir immer nur ein guter Freund gewesen.

Die Fahrt dauerte lang und ich hielt es nicht mehr aus so da zu sitzen.
Mein Rücken tat weh.
Legolas schien unermüdlich, denn kein einziges Mal legte er die Ruder aus der Hand.
Irgendwann, nach gefühlten Tagen, steuerten die Boote auf das Ufer zu.
Erleichtert sprang ich ans Ufer und vertrat mir die Beine.

"Dein Bogen lag noch im Kader."
Legolas gab ihn mir und betrachtete ihn.
"Ich weiß, es ist ein sehr normaler Bogen, du hast schließlich den aus Lothloríen."
Meiner war nicht so geschwungen wie Legolas, er war sehr schlicht. Grau und möglichst einfach gehalten.
Als ich meine Hand nach dem Bogen ausstreckte, berührten sich Legolas Hand und die meine.
Ich starrte auf unsere Finger.
Legolas in mein Gesicht.
Ich hob den Blick und schaute ihm in seine blauen Augen.
Er war nicht mehr irgendwer für mich.

Später saß ich mit Gimli in einer Ecke.
Legolas kam dazu.
Er lächelte mich an.
"Der Herr Elb schenkt mir nie ein solches Lächeln!", meinte er beleidigt.
"Das hat auch seine Gründe", erklärte Legolas, der mir zu zwinkerte.
Gimli stand auf und nahm seine Axt:
"Ich habe noch viel zu tun.
Die Axt schärft sich nicht von selbst ..."
Ich meinte zu sehen, dass Gimli Legolas auffordernd ansah.

Ich schaute Aragorn hinterher.
"Hm?", fragte ich Legolas, der vorhin etwas gesagt hatte.
"Ich habe mich gefragt, wie es wohl weiter geht mit dieser Reise.
Mein Gehör hat eben etwas vernommen. Schritte. Laut und schnell. Hast du das auch gehört?"
Na ja, ich dachte, dass ich mir etwas eingebildet hatte.
"Ja, ich denke schon, was glaubst du ist das gewesen?"
Er zuckte mit den Schultern.
"Nichts gutes. Ich spüre einem Wall, der immer näher rückt. Als würden wir umzingelt werden."
Ich blickte in seine blauen Augen und musste lächeln.
Sobald ich ihn ansah, war das wie eine ganz typische Reaktion meines Körpers.
Als er mich auch anlächelte, hörte ich Aragorn gedämpft schreien.
Wir waren wie in einer Starre, bis Pippin an uns rüttelte.
"Uruk-Hais!
Sie sind hier!", rief er ängstlich.
Legolas sprang auf und musterte mich mit riesigen Augen.
"Wir schaffen das! Bleib in meiner Nähe!", befahl er.
"Ich brauche keinen Aufpasser!", rief ich ihm zu, denn ich war schon weit voraus.

Die ersten Uruks stürmten auf mich zu.
Sie schienen wie eine Mutation aus Mensch und Ork.
Circa fünfzehn rannten auf mich zu.
Zwei erschoss ich direkt.
Sie schrien.
Legolas tötete ein paar,
dem Rest rammte ich mein neues Schwert in das elende Haupt.
Es war ein leichter und guter Kampf mit diesem Schwert.
Ich lief weiter und weiter,
tötete mehr und mehr Uruk-Hais.

Bis ich ein Horn hörte.
"Was war das?", murmelte ich.
Legolas hatte es gehört.
Er hörte alles.
"Ein Horn, aber kein Ork-Horn", erwiderte er.
Wir liefen den Abgang hinunter.
Starr blickte ich Boromir entgegen und blieb geschockt stehen.

Er starb.

Legolas schluckte hörbar.

Aragorn war bei ihm.
Sie flüstern sich Worte zu, welche wollte ich nicht wissen.
Ich hatte keine sonderlich enge Beziehung zu ihm gehabt und ich hatte geahnt, dass er wegen der Macht des Ringes sicher verrückt werden würde, aber wurden wir das nicht alle?
Das was dort draußen und genau hier passierte war der Anfang.
Der Anfang eines Untergangs.
Der Anfang einer Revolution.
Jeder hatte unterschiedliche Sichtweisen.
Oft war es nur die Angst vor der dunklen Seite, die die Menschen kannten. Nicht etwa die Motivation derer, die den dunklen Herrscher unterstützten.
Es mochte falsch sein, was Sauron seinen Scharen befahl, verheerend.
Doch aus der Sichtweise des dunklen Herrschers und dessen Gefolge war jede Tat goldwert und vollkommen nachvollziehbar.
Aus unserer Sicht war die Vernichtung des Ringes besser als alles und notwendig.
Am Ende glaubten wir alle an ein Ziel.
Feierten, sobald Gegner im Kampf fielen, trauerten, wenn unsere Männer und Frauen getötet worden waren.
Das eine Ziel mochte ehrenvoller sein als das andere.

Aber war es nicht immer die Hoffnung, die uns trieb, die man so leicht nehmen konnte?
Wir mussten etwas unternehmen, für unsere Sache kämpfen, damit sich etwas veränderte.

Hallo.
Natürlich hättet ihr dieses Kapitel viel früher haben können.
Ich lade dieses Kapitel jetzt hoch, auch wenn meine Forderung nicht erfüllt wurde (!), um zum Nachdenken anzuregen.
Wir hören heute (9.11.) ziemlich viel. Man muss sagen, man kann nicht alles aufnehmen. Manche Leute beschwören schlimme Dinge herauf, was möglicherweise berechtigt ist.
Ich selber interessiere mich sehr für die politische Lage unserer ganzen Welt, denn irgendwie geht es jeden von uns etwas an.
Meine Lieben, denkt darüber nach!
Das Thema, um das sich Herr der Ringe dreht, ist nicht so weit entfernt, wie man denkt.
Heute will ich einfach, dass ihr nicht hauptsächlich von mir zum Voten und kommentieren dieser Story aufgefordert werdet, sondern einfach mal einen guten Artikel zu dieser Wahl durchleset und eich darüber Gedanken macht.
Viele Menschen auf dieser Welt haben nicht die gleiche Chance auf eine so ausführliche Berichterstattung, wie wir hier.
Wenn ihr mögt, könnt ihr gerne einen Kommentar zu diesem Thema, aber auch gerne zur Story hinterlassen!
Liebe Grüße
Amelie.

P.S. Übrigens habe ich inzwischen eine neue Story am Laufen. Sie heißt: Queen under the mountain

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