Als Jako aus der Dusche kam, hatte Marti auf dem Bett ihre Hosen, Hemden und für sich, mit einem Grinsen, die rote Fliege rausgelegt. Er wusste, das Jako das Ding an ihm mochte.
Er hatte zwar keine Ahnung, warum Jako wollte, dass sie sich ein bisschen in Schale warfen. Aber vermutlich war das eine weitere liebevolle Überraschung, und so war Marti voller Vorfreude auf was-auch-immer.
Er war schon ein bisschen hibbelig und ja, verdammt neugierig. Aber... er wusste genau, dass es keinen Zweck haben würde, zu fragen. Jako hatte ihm angedroht, er würde die ganze Aktion abblasen, wenn Marti ihn mit Fragen nerven würde. Und Marti, der seinen Mann inzwischen gut genug kannte, spürte, dass er es diesmal ernst meinte. Jedenfalls wollte er es nicht darauf ankommen lassen.
Als sie einige Zeit später zurechtgemacht durch die Hotellobby gingen, zogen sie dort einige Blicke auf sich. Es war eben ungewohnt, die beiden sonst so lässig gekleideten jungen Männer jetzt mal im „feinen Zwirn" zu sehen. Aber gerade die Damen schauten mit Vergnügen auf das „Brüderpaar". Irgendwie hatte sich unter den Hotelgästen die Meinung breitgemacht, dass sie zwei Brüder waren. „Ja klar", war Martis Kommentar gewesen, als er das mitbekommen hatte. „Wir sehen uns ja auch total ähnlich." Und er hatte breit gegrinst.
„Absolut. Wie Zwillinge", hatte Jako lachend bestätigt.
Sie hatten sich nicht die Mühe gemacht, den Irrtum zu berichtigen, wieso auch. Sollte doch jeder glauben, was er wollte.
Jako bat Marti, kurz zu warten, er selber musste zur Rezeption, um etwas abzuholen, was er dort hinterlegt hatte. Als er zurückkehrte, mit geheimnisvollem Lächeln, stöhnte Marti auf.
„Bitte Jako, sag mir doch wohin du mit mir willst!"
Und er sah seinen Mann mit einem solchen Hundewelpenblick an, dass Jakos Herz dahinschmolz.
Er verriet Marti trotzdem nicht, was für den Abend geplant war, statt dessen zog er ihn an sich und senkte seine Lippen auf Martis zu einem liebevollen Kuss.
„Komm", sagte er dann, „wir müssen los, sonst kommen wir noch zu spät."
Na ja, für die, die ihnen dabei zugesehen hatten, dürfte spätestens jetzt klar sein, dass sie keine Brüder waren.
Sie nahmen das nächste Vaporetto-Boot und verließen es an der Haltestelle Giglio. Sie folgten der kleinen Gasse und gingen an der ersten Ecke nach links über die Brücke. Hier folgten Sie dem kleinen Kanal. Und standen vor dem Palazzo Barbarigo-Minotto.
Jako nahm Martis Hand.
„Da wollen wir hin", sagte er und zeigte auf das bunte Plakat am Eingang, neben dem eine kleine Schlange elegant gekleideter Menschen stand.
„Mittelalterliche Italienische Musik"
Marti blieb die Sprache weg.
Rechts und links des Eingangs standen Fackeln.
Jako führte Marti in den Palazzo. Im Vorraum zum Konzertraum wurde ein Glas Sekt gereicht. Als sie den ersten Schluck getrunken hatten, konnte Marti wieder sprechen, oder nennen wir es besser krächzen:
„Jako, das ist so wunderschön hier, du bist so lieb...Dankeschön..."
Und es folgte ein zärtlicher Kuss.
Der Abend verlief wunderbar.
Der Konzertraum war von Kerzen erleuchtet.
Die Musik war traumhaft. Ungewöhnlich. Besonders.
Sie trug Martis Herz davon... Die Klänge hoben in ihn eine andere Zeit, in eine andere Welt... Die Musiker spielten in festlicher, mittelalterlicher Kleidung. Das gab dem ganzen eine besondere Atmosphäre. Allerdings lauschte Marti die meiste Zeit mit geschlossenen Augen, denn so schön und bezaubernd die Atmosphäre auch war- Musik war für ihn etwas, das für sich stand. Das er lieber sozusagen pur genoss. Von dem er sich so komplett gefangen nehmen lassen konnte, dass es kein Beiwerk brauchte.
Er war so weit weg, dass das einzige, was ihn in diesem Augenblick ans hier und jetzt band, Jakos Hand war, die die seine die ganze Zeit über hielt.
Auch Jako genoss die Musik, er wusste diese großartige Kunst zu schätzen. Oh ja.
Aber dennoch machte es ihm mindestens genauso große Freude, seinem so tief versunkenen Schatz zuzusehen.
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Im Wechsel der Jahreszeiten
ФанфикDie Geschichte schließt sich an an die Geschichte "Nimm mein Herz und führe mich" an. Es geht wieder um Marti und Jako (Jarti), um ihre Beziehung, die in einer Ehe mündet, um Ehealltag und Highlights, um führen und gehorchen, und um allerlei Verwick...