Kapitel 1

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[Kapitel 1]

„Wandelt euch!“, erschallte der harsche Befehl, gleichzeitig von den vielen Aufsehern unter uns. Keine Minute später wurden sie statt von jungen Frauen von Wölfen umringt.

Candis Gedanken waren hasserfüllt und die Gier nach Hexerblut erfüllte jede Pore unseres Körpers.

'Lass mich frei und ich werde uns unseren Anteil an Blut sichern', knurrte sie verführerisch. Gedanklich musste ich lächeln, schließlich versprach ich ihr: 'Geduld, nur Geduld. Es ist bald soweit!'

Jubelnd heulte sie auf und ich spürte es in meiner Kehle grollen. Hastig schob ich sie wieder bei Seite und duckte meinen Kopf, als der Aufseher mir einen scharfen Blick zuwarf. Sein Blick verharrte auf mir und ich konnte förmlich spüren, wie sich seine Augen verengten, doch ich tat einfach zu, als ob ich es nicht wüsste und hielt meinen Blick wie so viele andere gesenkt.

„Bewegt euch! Los, macht schon!“, erneut schrien sie Befehle und ich setzte mich in Bewegung. Es war jedes Mal ein Kampf, keinen der anderen vor Wut und Schmerz schreienden Ventonen hervortreten zu lassen, wenn man gezwungen wurde, einen bestimmten anzunehmen.

Eine besonders junge Wölfin kauerte vor Angst zitternd in Mitten der Menge und beobachtete aus großen, vor Angst geweiteten Augen was um sie herum geschah, ohne es zu verstehen. Sehr wahrscheinlich war sie neu. Blut rann träge über ihr Gesicht von einer Strieme, die quer über ihre Stirn über die Nase lief. Sie war trotzdem noch immer hübsch und ich lief zu ihr hinüber. Erinnerte mich an das erste Mal, dass ich auf diesen Platz gebracht worden war, vor über drei Monaten. Besonders an die Verwirrung und den Hass, aber auch an die Schmerzen.

Sanft rieb ich mein Gesicht gegen ihre Schulter, sie wandte mir ihre Aufmerksamkeit zu. Kluge Augen, sanfte lindgrüne, bohrten sich in meine. Dann wandte ich den Kopf ab, sah hinüber zu dem Podest, auf dass sich unser Rudel zu bewegte und wieder zu ihr zurück.

'Komm mit, Kleine, oder sie werden dich dort hinüber prügeln', da sie keine Anstalten gemacht hatte zu folgen, sprach ich schließlich doch zu ihr über die Gedankenverbindung die ein Arventone mit jedem anderen bilden konnte.

Erneut erzitterte sie, erhob sich allerdings und huschte geduckt neben mir her. Sie glich einem geprügelten Hund, der mit eingeklemmter Rute versucht seinem Peiniger zu entrinnen. Und presste sich, kaum dass wir anhielten, dicht an meine Seite. Ich wich ihrem warmen, zitternden Körper aus und leckte beschwichtigend über die Wunde am Kopf.

'Zeige niemals Schwäche, oder sie werden sie grausam ausnutzen!', warnte ich sie eindringlich und zum ersten Mal schien sie mein Erscheinungsbild genauer in Augenschein zu nehmen. Und schien augenblicklich zurück zu schrecken. Wimmernd näherte sie ihren Kopf einer hässlichen, nässenden Wunde an einer Schulter und berührte sie vorsichtig.

'Mein Gott, wie viele Jahre haben sie dich schon hier eingesperrt?', verlangte sie ungläubig zu wissen. Amüsiert warf ich ihr einen Blick zu, ich konnte mir denken, wie sie zu der Annahme kam, ich wäre schon jahrelang hier weggesperrt.

'Um ehrlich zu sein, es sind gerade mal acht Monate, seit ich gefangen wurde. Agent Barksley, zu Diensten', stellte ich mich schließlich vor und neigte meinen Kopf. Es überraschte mich, dass sie scharf den Atem einsog und mich mit großen Augen betrachtete.

'Agent Winter Barksley, ich erinnere mich. Dein Verschwinden hat sehr viel Aufsehen erregt. Keiner wusste was geschehen war, einige dachten du hättest dich einfach aus dem Staub gemacht, andere wiederum wollten das nicht glauben. Allen voran Special Agent Tobbs', sprach sie mit Ehrfurcht und schüttelte sich leicht, 'Ich bin Lady Ricarda Mallifay.'

MachtschimmerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt