Kapitel 5

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Weiter geht's!

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[Kapitel 5]

Einen Tag später wachte ich in einem Taxi auf. Müde und verwirrt richtete ich mich auf.

Der Fahrer drehte sich zu mir um, sobald er hörte, wie ich mich bewegte. Seine Augen waren sanft, umgeben von tiefen Lachfalten und einem Mund, der stets ein Lächeln zu tragen schien. Er war in seinen späten vierzigern, höchstens Mitte fünfzig.

„Wo sind wir?“, erkundigte ich mich, entwirrte meine Gliedmaßen und ließ meine Beine zu Boden fallen, wo sie hin gehörten. Ich hatte einen schallen Geschmack im Mund, wünschte, ich hätte etwas zu trinken.

Als ob er meine Gedanken gelesen habe, beugte er sich über die Mittelkonsole und nahm etwas vom Beifahrersitz, eine Wasserflasche und reichte sie mir nach hinten, zusammen mit einem belegten Brötchen. Mit einem kleinen, dankenden Lächeln schraubte ich hastig die Flasche auf und begann zu trinken, lange Schlucke, ohne ab zu setzten, bis sie halb leer war.

„Im Moment in Donsburgh“, missbilligend schüttelte er den Kopf, „Mach doch langsam Mädchen, keiner nimmt dir etwas weg. Der Typ hat bereits gezahlt und mich gebeten dir zu sagen, dass stillschweigen in beide Richtungen gilt, keiner wird erfahren, wo ich dich abholen kam und keiner wird wissen, wohin ich dich bringen soll. Außer mir. Und das wohin, meinte er, müsstest du mir sagen.“

Nickend bedachte ich unseren derzeitigen Standpunkt und den nächsten Standpunkt einer Arventonen-Siedlung. Ich gab ihm schließlich die Adresse von einer kleinen Stadt nahe eines Ausbildungsaußenposten, die man gut zu Fuß erreichen konnte. Dann schwieg ich wieder und überdachte den gestrigen Tag.

Er hatte mich hinauf geführt, weg von den Zellen. Zu einem kleinen Zimmer, mit Bad. Sagte, ich solle es mir gemütlich machen, man würde mir Kleidung und Essen bringen. Dann verschwand Graham und ich war wieder alleine. Vermisste meine Ventonen.

Um die schwer lastende Stille und Einsamkeit zu lindern beschloss ich, duschen zu gehen. Und, oh Gott, es hatte sich so gut angefühlt, wieder warmes Wasser auf der Haut zu spüren, die ganze Dreckschicht mit Seife wegzuspülen. Ja, selbst das brennende aufschreien der Wunden, auf die ich nicht sonderlich acht gab, fühlte sich herrlich an.

Die weichen Handtücher waren jedoch beinahe unerträglich, fast zu flauschig. Aber sie taten den Wunden gut, saugten das Blut auf, ohne die empfindliche Wundränder wieder aufzubrechen. Als ich wieder herauskam lag Kleidung und Unterwäsche auf dem Bett und auf dem kleinen Schreibtisch stand ein Tablett mit Brot, Käse, Schinken und Wasser. Ich aß wenig, angesichts der Tatsache, dass ich seit wer weiß wie lange nur hin und wieder mal eine Maus gefangen hatte. Widerlich? Mäuse bedeuteten Proteine, auch wenn sie krank hätten sein können. Satt rollte ich mich auf dem Bett zusammen und schlief ein.

Mitten in der Nacht war ich aufgewacht, am ganzen Körper zitternd und von unmenschlicher Angst überwältigt. Es war nicht meine, aber irgendwie doch. Schreie erfüllten mein Gehör, doch in meinem Zimmer verursachte nichts und niemand Geräusche außer mir selbst. Ich schnappte schwer nach Atem, panisch, beinahe hyperventilierend. Blutroter Schmerz dröhnte in meinem Kopf, floss über mein Gesicht, den Hals hinab. Aber ich war nicht verletzt.

Schließlich verschwanden die Sinneseindrücke so schnell sie gekommen waren und ich schoss aus meiner liegenden Position herauf. Es machte mir Angst, nicht zu wissen, was da eben geschehen war, vor allem, so komplett hilflos zu sein.

Schließlich legte sich etwas wie eine warme Decke über meinen aufgewühlten Geist....

Danach erinnerte ich mich an nichts mehr, doch rückblickend wusste ich jetzt, dass es sich dabei um Magie gehandelt haben musste. Tief in Gedanken versunken bemerkte ich die besorgten Blicke des Taxifahrers nicht, ehe er zu mir sprach: „Mädchen, wenn du in Schwierigkeiten steckst, dann nur raus mit der Sprache, ich bin sicher, wir würden einen Weg da raus finden.“

MachtschimmerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt