Down in Chicago... oder so

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Wenn mich jemand gefragt hätte, was niemand tut, wie mein Leben ist, hätte ich gesagt:
Es ist... okay. Gut es ist ausbaufähig, das muss ich zugeben.
Ich meine, ich lebe seid 6 Jahren auf der Straße. Wobei ich der Meinung bin, dass es immer schlimmer sein könnte: Ich könnte bereits tot sein, Russen hätten mich als Sexsklaven verkaufen können... Oder das schlimmste: Ich könnte noch in diesem Waisenhaus leben.
Aus dem bin ich nämlich ausgebrochen. Man sollte sagen, dass ich dort schon immer gelebt habe. Ich lag eines Tages in einem Korb auf der Schwelle der Anstalt.
Ja Anstalt. Denn alle waren bekloppt. Man durfte gar nichts. Wenn man eine der scheinbar unendlichen Regeln brach, wurde man bestraft. Das heißt Schläge, Tritte oder man wurde eine Woche im Heizungskeller gesperrt. Das waren nur ein paar Beispiele. Der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, war, dass einer der Betreuer meine Halskette zertreten wollte. Auch wenn ich damals 10 war, habe ich ihn so kräftig in den Bauch getreten, dass er umgekippt ist. Die Kette war das einzige, das ich als Baby bei mir hatte. Ich habe sie immer wieder aus dem Büro geklaut, wenn man sie mir weg genommen hat. Sie ist mir einfach wichtig! Nur durch sie fühle ich mich sicher. Die Kette umwickelte einen gelben Stein. Vielleicht ein Topas? Ich wusste es nicht. Ich wollte sie nur in meiner Nähe wissen.

Jedenfalls ging ich durch die Straßen von Chicago. Diese Stadt war ein Drecksloch. Gewalt und Unmenschlichkeit warteten hinter jeder Ecke. Hier galt das Gesetz des Dschungels. Fressen oder gefressen werden. Ich hatte auch früh angefangen mir selbst das kämpfen beizubringen. Meistens schaute ich durch das Fenster irgendeines Dojos oder etwas ähnlichem. Oft geschah es, dass ich dann vertrieben wurde. Manchmal sogar mit fliegenden Schuhen.
Auf jeden Fall konnte ich mich gut verteidigen und auf mich selbst aufpassen. Ich brauchte niemanden.
Ich war allein. Ungeliebt. In Stich gelassen. Nur ein Köter auf der Straße. Wieso sollte ich also versuchen, etwas anderes zu sein? Menschen sind von Natur aus böse. Sie larben sich an den Schmerz der anderen. Jeder schaut nur auf sich selbst. Das eigene Glück steht im Mittelpunkt. Der Schwache wird verstoßen.
Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Es gibt natürlich auch gute Menschen. Bestimmt. Irgendwo wird es nette Menschen geben. Oder sagen wir Leute mit einem Gewissen. Aber die schlechten sind in der Überzahl. Ich Persönlich habe mir geschworen, diesen Wölfen eins auszuwischen. Wenn du also mit deinem BMW zwei Parkplätze für Behinderte besetzt. Du in einem teuren Anzug und Handy am Ohr aus dem Wagen steigst. Und deine Brieftasche im Auto vergisst, dann bist du ein gefundenes Fressen. Heute hatte ich so einen. Ich hab spontan seine ganzen Scheiben eingeschlagen, die Reifen durchbohrt und sein Portmonee und alle möglichen Papiere mitgehen lassen, die ich zerrissen und weggeschmissen habe. Das Geld habe ich behalten. 1000 Dollar! Nicht schlecht.

Jetzt geschieht es natürlich auch manchmal, dass man nach mir sucht. Da hatte ich einen Trick. Meine Jack war eigentlich schwarz. Wenn ich aber die Innenseite nach außen drehe, ist sie weiß. Das ist ein großer Vorteil. Nachdem ich die Jacke gedreht habe, habe ich mich in der Nähe Auf eine Bank gelegt. Die meisten suchen nach einen Jungen in schwarzer Jacke. Das Gesicht haben sie nicht gesehen. Man würde mich also fast nie erkennen in der weißen Jacke. Außerdem wäre ein Dieb schon längst abgehauen und würde nicht auf einer Bank schlafen.

Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht bemerkte, dass ich mein Ziel erreicht hatte: Ein altes verlassenes Haus am Stadtrand von Chicago, das ich mit 12 Jahren entdeckt habe. Bis heute wusste ich nicht, weshalb es verlassen ist. Es ist seid nun 4 Jahren mein zu Hause. Vorsichtig schlüpfte ich durch ein Brett im Zaun in den Innenhof. Hier stand nur ein Schrank, der an der Wand des Hauses angelehnt war. Eigentlich nichts außergewöhnliches. Doch der Schrank hatte einen Bedeutung. Er war Mega lang und man konnte die Rückwand heraus nehmen. Ich hatte ihn nämlich präpariert. Als ich das Haus entdeckte waren alle Fenster, Türen und Eingänge mit Brettern zugenagelt. Mit Mühe konnte ich die Tür im Innenhof aufbekommen. Als ich es endlich geschafft hatte, wollte ich nicht, dass irgendjemand hier reinkommt. Also bin ich spontan zur naheliegenden Müllhalde und habe den Schrank gefunden. Mit großer Mühe habe ich ihn dann in den Hof bugsiert. Das Bild muss schon komisch ausgesehen haben: Ein Obdachloser, der einen Schrank durch die Gegend schob. Ich durfte ja auch nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen. Also habe ich es in einer Nacht und Nebel Aktion getan. Gut die Nachbarn waren schon verwundert, als auf einmal ein Schrank im Hof stand. Jetzt hatte ich keine Nachbarn mehr. Sind ausgezogen weil sie seltsame Geräusche in der Nacht gehört haben. Tja ich habe es halt drauf.

Um nochmal auf den Schrank zurück zukommen. Mehr schlecht als Recht hatte ich damals die Tür des Hauses herausgenommen und den Schrank vorgestellt.
Ich wollte mich ja nicht selbst loben, aber es war einfach eine Super Tarnung.

Routiniert stieg ich also in das Möbelstück, nahm die Rückwand heraus, und ging ins Haus.
Es war nichts besonderes. Ein großes und ein etwas kleineres Zimmer, Küche und Bad. Aber für mich war es ein zu Hause. Ich ging in die Küche und machte mir eine Dose auf. Den Inhalt kippte ich auf einen Teller und ab in die Mikrowelle. Ich hatte mir von dem ( gestohlenen) Geld mal einen großen Akkumulator gekauft.
Heimlich lud ich ihn überall auf. Meistens illegal. Sind ja nicht meine Stromkosten. Da waren alle wichtigen Geräte angeschlossen. In der Zeit, in der die Suppe warm wurde, holte ich mein Buch. Ich hatte es aus der Bibliothek. Für alle Obdachlosen. Bibliothek sind beheizt und du hast deine Ruhe. Man kann dort gut die Zeit totschlagen. Das Buch, das ich im Moment las, handelte über die griechische Mythologie. Ich fand diese Bücher recht interessant, obwohl die meisten Geschichten eine Tragödie waren. Vielleicht erinnerten sie mich ein bisschen zu sehr an mein Leben...

Wie findet ihr den Protagonisten?

Ära des Astralen ( Percy Jackson FF) [ABGEBROCHEN]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt