And sometimes, it’s not about what we want, what we wish for.
Sometimes it’s just about what is right or wrong.
And since I love you, I need to do the right thing.
Even though it means to let you go.
Wir alle haben Ängste. Sei es vor Spinnen oder vor Schlangen oder einfach nur die Angst, alleine zu sein. Wir alle haben vor irgendetwas Angst. Keiner ist furchtlos, keiner ist nur mutig. Wir brechen zusammen vor Angst, aber zugeben tun wir es nicht. Weil von uns erwartet wird, furchtlos zu sein. Und wir fürchten uns, wir haben Angst, steigern uns in unsere Angst hinein und irgendwann haben wir eine Phobie, können uns den Schlangen und den Spinnen nicht mehr nähern, kriegen Panikattacken bei dem Gedanken, alleine zu sein. Aber trotz all diesen Ängsten, fürchten wir alle das falsche. Die Dinge, die wir fürchten sind beinahe bedeutungslos, beinahe lächerlich. Weil wir nicht dass richtige fürchten. Wir sollten uns dafür fürchten, all das, was wir haben, irgendwann zu verlieren. Vielleicht würden wir dann richtig mit Menschen umgehen, wenn wir Angst davor hätten, sie zu verlieren. Aber wir verkriechen uns weiter hinter unseren Phobien und unseren Ängsten, lassen uns von Psychiatern behandeln und werden geheilt und vergessen dabei ganz, dass wir uns um die selbst verständlichen Dinge kümmern müssen. Denn selbstverständliche Dinge sind es meistens gar nicht. Die Liebe einer Person zu spüren ist nicht selbstverständlich, und sie kommt ganz und gar nicht einfach so.
Wir sehen alles als selbstverständlich an. Das Strahlen der Sonne, das Leuchten des Lichts. Unser Zuhause, die Liebe eines Menschen. Und wir merken erst, was wir haben, wenn es nicht mehr da ist, wenn die Sonne nicht schein und das Licht gedämmt ist, wenn unser Zuhause weit weg und die Liebe fort ist. Was wir bräuchten wäre eine Angst. Eine Angst, die uns davor abhält, alles selbstverständlich zu sehen. Eine Angst, die uns immer auf Trapp hält, für alles danken lässt, aber dennoch nicht einschränkt.
Vielleicht reicht auch einfach das Wissen, in einigen Tagen weg zu fliegen, 7000 Kilometer weit weg, weg von allem, was man in den letzten Wochen als selbstverständlich erachtet hatte. Bei Melissa zumindest reichte es. Es war beinahe ein Gram zu wissen, dass alles vorbei sein würde, in einigen Sekunden, noch weniger Minuten, noch weniger Stunden, noch weniger Tagen. In solchen Momenten zeigt man seine besten Seiten, versucht alles Böse zu verstecken. Man wird betrunken, nur von einem Blick von einer Berührung, einem Atemhauch, einem Kuss. Und dann, schließen wir in jenen noch so kostbaren Momenten die Augen, versuchen die Zeit zu halten, doch es funktioniert nicht, der Zeiger läuft und Läuft und wird zu einem miesen Verräter. Ein ganz, ganz mieser Verräter. Und man würde ihn am liebsten Anschreien, den Sekundenzeiger und manchmal auch den der Stunden, aber es funktioniert nicht, egal wie sehr man auch innerlich toben würde. Die Zeit läuft und sie läuft, viel schneller, als sie es eigentlich sollte.
Es ist vergleichbar mit einer Schmach, viel schlimmer, als man es sich vorstellen könnte.
Und dann musste es einem noch gelingen, jeden Moment zu genießen und nicht aufzugeben, sondern einfach immer noch glücklich zu sein. Vielleicht waren Melissa und Jason mittlerweile auch einfach so gut darin, Dinge zu verdrängen, dass sie es einfach vergaßen. Aber es verschwand nie ganz, dieses mulmige Gefühl, diese Fragen im Kopf, diese Ungewissheit. Sie blieb und war konstant, wie ein kleiner Riss im Herzen, der schmerzte, gerade wenn man vergaß, dass er existierte.
Melissa wusste nicht, wie sie die Situation zwischen ihnen in Worte fassen sollte. Sie konnte es nicht beschreiben. Manchmal reichen Worte einfach nicht, manchmal können sie nicht einmal ansatzweise darstellen, wie man sich fühlt. Manchmal bleiben Worte eben nur Worte, ohne Bedeutung, ohne Sinn. Einfach nur aneinander gereihte Worte, die jemand sagt oder aufschreibt, gerade so, wie es ihm passt aber sie beschreiben nichts, denn sie können es nicht.
Schon seit fast einer Woche schwieg Melissa lieber, als das sie etwas sagte. Sie genoss jeden Moment mit vollen Zügen. Jede Sekunde, jede Minute zog sie ein, als hinge ihr Leben davon ab. Für ein machen wäre es einfach. Er würde einfach sagen, sie sollte bleiben. Da bleiben, wenn doch Paris auf sie wartete. Und vielleicht sollte sie es auch einfach tun, bleiben. Vielleicht würde sie es tun, würde nicht auch Paris nach ihr Rufen, ihr Magazin, ihr Leben. Alles dort wartete auf sie und auch, wenn es mittlerweile so weit weg schien, so erinnerten sie die mittlerweile täglichen Anrufe von Joel riefen sie wieder in ihr Gedächtnis. Eigentlich war es lächerlich. Sie würde sich ja wohl von ihrem Magazin, von ihrem beinahe traurigen Leben in Paris trennen können. Aber sie konnte es nicht. Sie wusste selbst nicht wieso. Vielleicht hing sie doch viel mehr als Froide, als sie es geglaubt hatte. Immerhin hatte sie sich dort alles alleine aufgebaut, alles. Froide war ihr Baby und sie würde es nicht einfach gehen lassen, ganz sicher nicht.
Aber dann, dann war da Jason. Dann war da sein Lächeln, sein Strahlen. Und all die Dinge, die sie unternahmen. Jason nannte es Urlaub von dem ganzen Stress nach der Hochzeit. Nach der traumhaften Hochzeit. Nach der wundervollen Hochzeit, an die Melissa wohl noch unglaublich lange zurückdenken würde und dabei ein Lächeln im Gesicht haben würde. Allein, wenn sie an Jason denken würde. An den Moment, als er auf die Bühne marschierte, die Hände zitternd, das Lächeln eher eine Grimasse. Und das Endresultat. Die Rede, auf Grund der einige im Saal einfach mal den Atem angehalten hatten. Wie eine wundervolle Symphonie, die auf einmal jeden zum Verstummen gebracht hatte, weil sie einfach so schön war, zu schön, um sie zu unterbrechen. So schön, dass man gar nicht wahr haben wollte, als es vorbei war.
Oder die Art, wie sie getanzt hatten. Engumschlugen, ihr Kopf an seiner Schulter, liederlang, den ganzen Abend lang. Jason mieses Lachen als Melissa den Brautstrauß gefangen hatte. Sie hatte sich nicht einmal dafür aufstellen lassen wollen. Und er? Er hatte gelacht, sie in die Armen geschlossen, und gemeint, dass wäre ein Zeichen. Weiter erklärt hatte er das nicht, wie sie oft. Er hatte es einfach gesagt. Und Melissa hatte nichts gesagt, sie hatte nur daran gedacht, wie sie gehen würde. Dass sie gehen würde. Sie würden die Vollkommenheit wegwerfen und sie fühlte sich schon jetzt schuldig.
Jason sagte zwar nichts, aber sie wusste, dass es ihn auch belastete. Er war stiller wie sonst, zog sich immer mehr zurück. Nach der Hochzeit war er noch voller Elan gewesen. War in den nächsten Tagen aus dem Bett gesprungen wie von Taranteln gestochen und erwartete von Melissa nichts geringeres, als es ihm gleich zu tun. Und ehe sie es geschafft hatte, wirklich etwas zu essen oder wach zu werden, schleppte er sie nach draußen und sie hatte keine Ahnung wohin, ging einfach mit ihm, vertraute ihm. Am Ende landeten sie irgendwo mitten in der Wildnis, waren nur noch umgeben von Bergen und Wäldern und Flüssen.
Wandern, hatte Jason gesagt und genickt und Melissa hatte ihn fassungslos angestarrt. Hatte ihn gefragt, ob er eigentlich noch bei Sinnen war. Und wie immer hatte er gelacht, sie an der Hand genommen und war einfach losmarschiert. Melissa hatte keine Ahnung, wo sie sich befand oder wohin sie gingen. Und es gab durchaus Momente, da glaubte sie, Jason wusste es auch nicht. Dazu kam, dass sie wandern über alles hasste. Wem machte es auch schon Spaß, durch die Gegend zu laufen? Jason. Der zog jeden Zentimeter der Natur auf. Nahm jedes Mal tief Luft, als bekäme er nicht genug davon.
Riechst du das? Hatte er sie gefragt. Das ist frische Luft. Keine von Abgasen verpestete. Er war aufgegangen in der Zeit, die sie in diesem Wald verbracht hatten. Melissa sagte nicht viel, versuchte vergeblich, zu sehen, was Jason sah. Jason sagte dafür umso mehr. Philosophiert über das Geschenk der Natur, über das unverschämte Recht, das der Mensch sich nahm, sie zu zerstören. Menschen seien die größten Monster, hatte er gesagt. Weil es nichts gibt, das sie aufhalten könnte. Nur sie selbst. Und dazu haben sie bei weitem nicht die Eier in der Hose.
Und dann, irgendwann, waren sie oben auf einem Berg angekommen. Unten ihnen lag ein Tal. Es war ein atemberaubender Anblick. Ihr Atem ging stoßweise, etwas anderes hätte Melissa auch gewundert, nach der Strecke die sie zurückgelegt hatten. Und dann hatte Jason etwas gesagt, was Melissa das Blut in den Adern hatte gefrieren lassen. Siehst du das Tal? Es ist unendlich. So wie wir. Melissa hatte zu ihm aufgesehen, ohne High Heels war sie doch ein ganzes Stück kleiner wie er. Er hatte ganz ehrfürchtig nach unten gesehen, schien ihren Blick nicht einmal zu bemerken. Er war ganz in Gedanken versunken, wirkte voll und ganz friedlich, voll und ganz zufrieden.
Weil Unendlichkeit gar nicht in Jahren gemessen wird, weil sie viel mehr an Taten gebunden ist, war er fortgefahren. Melissa hatte genickt, auch wenn sie nicht sicher war, was er damit gemeint hatte. Aber eins wurde ihr klar, in dem Moment, als sie ihn ansah, wie er so friedlich neben ihr stand, den Arm um sie gelegt und als seine Stimme nicht mehr wie ein flüstern war. Er würde sie nicht aufhalten. Wenn sei gehen würde, würde er sie nicht aufhalten.
Denn wir sind unendlich. Weil Unendlichkeit gar nicht an Jahren gemessen wird. Weil Unendlichkeit viel mehr an Taten gebunden ist.
Weil sie keine Unendlichkeit brauchten. Sie waren das perfekte unperfekte Team. Niemand würde ihnen die Zeit nehmen können, die sie hatten. Aber Jason würde auch keine weitere Zeit erzwingen. Er würde sie nicht zurückhalten er würde einzig und allein auf ihre Entscheidung warten und dann würde er sie akzeptieren. Und dieser Gedanke machte Melissa wahnsinnig. Würde er wenigstens etwas sagen, würde er sie anflehen, zu bleiben oder ihr an den Kopf werfen, dass sei sich egoistisch verhielt, dann wäre es einfacher. Dann würden sie streiten können. Dann hätte Melissa vielleicht einen Grund zu gehen. Und würde sich nicht ganz so schuldig fühlen.
Denn genau das tat sie. Sie fühlte sich schuldig. Die ganze Zeit.
Egal, ob sie neben einander saßen, zuhause, auf dem Sofa und fernsahen oder ob sie gemeinsam am Frühstücktisch saßen. Egal, ob Jason sie wieder irgendwo hin entführte oder ob sie gemeinsam in einem Restaurant saßen oder im Schnellimbiss um die Ecke, sie fühlte sich schuldig, wenn er etwas sagte, wenn er sie ansah, genauso wie immer, obwohl sie doch wusste, dass sie ihn verletzte.
Und sie konnte es nicht mehr. Nach zwei Tagen konnte sie es nicht mehr. Da waren sie nachhause gekommen. Sie waren in einen Club gegangen. Gemeinsam. Sie hatten getrunken, nicht viel, aber dennoch reichlich. Und Jason hatte den ganzen Abend nicht von ihr abgelassen, genauso wenig wie sie es getan hatte. Und dann waren sie nachhause gekommen, hatten sich geküsst. Ihre Körper hatten Feuer gefangen, entzündet von einem einzigen simplen Kuss. Es waren einfache Berührungen, dieselben wie immer, aber doch so anders, doch so viel intensiver. Jason hatte ihren Nacken geküsst, so wie er es immer tat. Und auf einmal waren ihr Tränen in die Augen gestiegen.
„Stopp“, hatte sie geschrien und Jason von sich geschoben. Er hatte perplex aufgesehen, ganz schuldig. Melissa schnaubte spöttisch, als sie das sah. Er fühlte sich schuldig? Dabei tat er doch gar nichts. Er war perfekt. Es war sie, sie war diejenige, die sich Schuldig fühlen musste.
„Das geht so nicht“, hatte sie gewimmert, „ich kann nicht so tun als wäre alles normal. Es ist nicht alles normal. Ist dir eigentlich klar, dass ich in vier Tagen aus dieser beschissenen Tür marschieren werde und dann nicht mehr wieder kommen werde? Wie kannst du es einfach so hinnehmen? Wie kannst du mich immer weiter küssen, mich immer weiter zum Lachen bringen, obwohl du weißt, dass ich geh. Und du weißt es, Jason. Du weißt, dass ich geh. Du weißt es noch mehr wie ich. Also warum tust du mir das an?“
Er hatte sie danach nur angesehen. Lange hat er gar nichts gesagt. Im Endeffekt hatte er gar nichts dazu gesagt, immer noch nicht. Er hat sie wieder geküsst. Das war alles. Er hatte sie wieder geküsst. Hatte ihr die Tränen von den Wangen gestrichen und hatte sie wieder geküsst. Aber er hatte nichts gesagt.
Und am nächsten Tag auch nicht. Und am nächsten. Im Gegenteil, er nahm sie überall mit hin. Ins Kino, ins Bietz. Es gab keine Sekunde, die sie nicht miteinander verbrachten. Und je mehr Zeit sie miteinander verbrachten, desto mehr schwiegen sie. Ihr Lächeln wurde trauriger, nicht mehr ganz so strahlend. Ihre Augen hörten auf zu Funkeln. Auf Küsse folgten Seufzer, jeder war ein wenig mehr Abschied. Ein wenig mehr Abschied, jeden Tag, bis zum jetzigen.
Melissa wusste, dass der Abschied wehtun würde. Sie wusste, dass sie am Boden zerstört sein würde. Aber das er sie innerlich zerreißen würde, jeden Tag ein wenig mehr, dass hätte sie nicht gedacht.
Das sie bis zum letzten tag damit warten würde, ihre Koffer zu packen, weil es die Dinge endgültig machen würde, hätte sie nicht gedacht. Dass Jason sie in der letzten Nacht in seine Arme schließen würde, dass er sie fest umklammert hielt, die ganze Nacht, hätte sie nicht gedacht. Dass sie kein Auge zu bekam in dieser Nacht, hatte sie gedacht, und doch schlief sie fest wie ein kleines Kind. Wegen ihm. Wegen Jason schlief sie die ganze Nacht und doch würde sie gehen.
Und als sie am nächsten Morgen aufwachte und den Geruch von frischen Pfannkuchen vernahm, fühlte sie sich wie gelähmt. Sie brauchte eine haleb Ewigkeit, um sich aufzurichten und sich fertig zu machen. Es fühlte sich alles irgendwie falsch an, alles beinahe surreal.
Irgendwann kam sie in der Küche an und gab Jason einen Kuss. Er sah aus wie immer. Seine Haare waren mittlerweile relativ lang und standen frühs immer in alle Ecken ab. Er trug kein T – Shirt, legte all seine Tattoos frei. Er hatte sich ein neues stechen lassen, auf das rechte Schulterblatt. Das Zeichen für Unendlichkeit. Er reichte ihr eine Tasse Kaffee, so, wie er es jeden Tag tat. Sie schwiegen beide, während Melissa ihren Kaffee trank und Jason denn ganzen Berg Pfannkuchen verschlang. Melissa fragte sich, wie er dies schaffte. Sie bekam keinen Bissen herunter, zu groß war der Kloß, der in ihrem Hals steckte. Irgendwann stand Jason auf und verschwand. Melissa blieb sitzen. Nach einer Weile kam Jason wieder, zog sich gerade die Jacke über.
„Kommst du?“, fragte er. Melissa nickte. Sie hatte in den letzten Wochen aufgehört, fragen zu stellen – sie ließ die Dinge einfach auf sich zukommen. Aber als sie sah, wie Jason Koffer die Treppe hinunterschleppte – ihre Koffer – wurde sie stutzig. Ihr Flug würde erst in einigen Stunden gehen. Wo wollte er jetzt schon hin?
Dennoch fragte sie nicht. Sie wollte es gar nicht wissen, wenn sie es recht bedachte. Was immer Jason tun würde, es würde schon gut werden. Manchmal überraschte es Melissa selbst, wie viel sie in Jasons Hand legte. Dass sie ihm voll und ganz vertraute. Am liebsten würde sie sich manchmal dafür ohrfeigen. Sie benahm sich wie ein verliebter Teenager, ein Teenager, der auf Grund seiner rosaroten Brille den Wald vor lauter Bäumen nicht sah. Aber es fühlte sich richtig an, und allein dieses Gefühl reichte ihr, zumindest für den Moment.
Sie sagte nichts, als Jason die Koffer in dem Auto verfrachtete, und genauso wenig sagte sie, als er losfuhr. Auch als er letztlich am Bietz hielt, sagte sie nichts, sondern stieg einfach nur mit ihm aus.
„Willst du denn nicht wissen, was wir hier machen?“, fragte Jason, als sie Hand in Hand zum Bietz gingen.
„Nein“, erwiderte Melissa.
„Wie jetzt? Du bist nicht neugierig?“
„Nein.“
„Dir juckt es nicht unter den Fingern mich zu fragen, was wir eigentlich hier machen?“, fragte er und sah sie durchdringlich an. Es war das erste Mal an diesem Tag, dass er sie wirklich ansah. Und nicht nur aus dem Augenwinkel betrachtete. Melissa versuchte ihm ein Lächeln zu schenken, doch schien sie dazu nicht in der Lage zu sein. „Nein, tut es nicht. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass du es mir gelich verraten wirst.“
„so so. Und was macht dich hierbei so sicher?“
„Du platzt ja beinahe von dem Drang, es mir zu erzählen“, neckte Melissa ihn. Jason sah sie sprachlos an. Dann lachte er.
„Oh nein, Baby, da liegst du ja sowas von falsch. Und jetzt beweg deinen knackigen Hintern hier rein.“
Empört schlug Melissa nach ihm, dann aber ging sie wirklich ins Bietz hinein. Auch wenn sie es nicht zugegeben hatte, war sie neugierig. Natürlich war sie neugierig. Bei Jason konnte man sich nie sicher sein, was er erneut ausgeheckt hatte. Oder wie es enden würde.
Das erste, was ihr auffiel, war, dass es ganz dunkel war. Komisch, eigentlich sollte das Beitz schon offen sein. Sie wollte sich gerade zu Jason umdrehen und ihn fragen, ob etwas nicht stimmte, da ging das Licht an.
„Bon voyage!“, rief auf einmal eine Menge auf sie ein und Melissa glaubte ihren Augen nicht zu trauen, wenn sie da alles vor sich sah. Es waren beinahe alle Kinder, die ins Bietz gingen, anwesend. Selbst die, die sich sonst nur ganz selten blicken ließen. Sebastian und Davis waren ebenfalls da. Genauso wie Tom und Sam. Und sogar ihre Eltern standen dort, auch wenn sie ziemlich fehl am Platz wirkten. Wie von alleine hoben sich Melissas Mundwinkel an und sie begann zu strahlen. Sie wusste gar nicht, was sie sagen oder was sie tun sollte. Und sie danke Jason dafür, dass er ihr diese Entscheidung abnahm, in dem er die Arme von hinten um sie schlang und damit scheinbar alle anderen im Raum dazu aufforderte, Melissa zu knuddeln.
als sie dann endlich jeden einmal in ihre Arme geschlossen hatte, wurde Melissa überhaupt klar, was das alles hier bedeutete. Niemand hatte damit gerechnet, dass sie blieb. Und auch Jason war sich sicher, dass sie gehen würde. Und sie alle akzeptierten es. Stellten sogar ein verdammtes Fest auf die Beine, um sie zu verabschieden.
Keiner machte ihre einen Vorwurf daraus, wie sie handelte. Keiner nahm das Wort egoistisch auch nur in den Mund. Und dabei wusste sie es doch selbst. Dass sie mit dieser Aktion die vermutlich egoistischste Person auf erden war. Aber dennoch lächelten alle sie an und wünschten ihr alles Gute, obwohl sie es nicht verdiente. Und sie verdiente es wirklich nicht. Und irgendwann wurden ihr all die lachenden Gesichter und all diese gute Laune einfach zu viel und sie verschwand durch die Hintertür nach draußen.
Ja, manchmal war es eben einfacher, vor seiner Angst wegzurennen. Melissa hatte Angst davor, zu gehen. Aber sie hatte noch mehr Angst davor, zu bleiben. Sie stand es sich nicht gerne ein. Dass sie Angst hatte. Davor, wie weit das mit Jason gehen könnte, würde sie alles einfach auf sich zu kommen lassen. Und deshalb ergriff sie die Flucht. Sie hatte Angst, sich an Jason zu binden. Noch mehr, als sie es jetzt schon tat. Dass alles, alles, was sie in den letzten Monaten erlebt hatten, war schön gewesen. Wundervoll. Abe nur, weil sie wusste, dass es danach vorbei sein würde. Sie würde sich nicht an ihn binden können, nicht für immer. Und nicht, wenn sie nicht wüsste, wie alles enden würde. Sie würde ihm… ja, sie würde ihm erlauben, sie zu verletzten. Was, wenn er eines Tages aufwachen würde, und merken würde, dass sie ihn gar nicht verdiente? Dann würde sie alleine dastehen. Schon wieder. Und dass würde sie nicht schaffen, da wusste sie. Und deshalb nahm sie dieses Ende an. Auch wenn es kein Happy End war. Auch wenn es kein perfektes Ende war. Sie würden trotzdem Unendlich sein. Ihre Liebe, all das, was sie erlebt hatten, würde für immer halten und es würde sie immer erreichen. Und wer weiß, vielleicht würden sie alles kaputt machen, wenn sie bleiben würde. Es war feige, das wusste Melissa. Aber auch wenn sie sich gerne etwas anderes sagen würde, wusste sie, dass sie es nicht schaffen würde, zu bleiben. Sie würde lieber so mit Jason auseinander gehen, als sich später mit ihm zu streiten und dann nie wieder ein Wort mit ihm wechseln zu können. Sie wollte gerade wieder zurückgehen, da wurde die Türe von der anderen Seite geöffnet. Beinahe hätte sie sie abgekriegt, hätte sie nicht so schnell reagiert.
„Bee“, begrüßte Davis sie, „ich habe dich gesucht. Wir müssen langsam aufbrechen.“
„Ich weiß“, erwiderte Melissa nickend. Sie lächelte ihn an. Sie mochte ihn. Er war ein ehrlicher Mensch. Er nickte ebenfalls.
„Ich habe gedacht, dass du bleibst, Bee.“
„Ich weiß… ich glaube… irgendwo habe ich selbst dass auch gedacht.“
„Ach wirklich?“, fragte Davis und schüttelte den Kopf, „das glaube ich nicht.“
Melissa verschränkte widerwillig die Arme vor der Brust. „Wie meinst du das?“
„Das du genau wusstest, dass du gehst. Und Jason wusste es auch. Ihr habt es beide gewusst, weil ihr beide es nicht ertragen könnt, euer Herz in die Hände eines Anderen zu geben. Ihr beide seid euch ähnlicher, als euch bewusst ist.“
Melissa schüttelte den Kopf. „Das ist jetzt auch egal, Noah. Es ist vorbei. Ich werde in zwei Stunden im Flieger sitzen. Und dann bin ich über 7.000 Kilometer weg. Und du und ich wissen, dass mich keiner aufhalten wird. Weder ich, noch Jason, noch sonst jemand. Ich denke, dass müssen wir einfach akzeptieren.“
„Müssen wir das? Oder stellt ihr euch mal wieder so stur, wie sich ein Mensch nur stellen kann?“
„Noah, mein Leben ist in Paris. Ich habe dort mein Magazin, meinem Job…“
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Show me how to love
General Fiction“Was ist Liebe? Ist es das, was uns den Atem raubt? Was unser Dopamin dazu bringt, Purzelbäume zu schlagen? Ist es dieses Glück, dass uns die Sprache verschlägt? Oder ist es das Ziehen in der Brust, das wir spüren, wenn wir jemanden in die Augen seh...
