„Gott was war los, wo warst du?" fragte mich Jona besorgt mit einem Hauch Ärger in ihrer Stimme.
„Ich brauchte frische Luft, ging mir nicht so gut." Sagte ich, was nicht einmal ganz gelogen war.
„Jess, ich habe mir Sorgen gemacht! Hättest du uns nicht Bescheid geben können? Dan konnte mir auch nichts weiteres mehr sagen. Um ehrlich zu sein hat er gar nicht mehr geredet, mit keinem von uns. Was ist denn bloß los mit euch beiden? Muss ich irgendetwas wissen, Jess?" fragte sie mich jetzt etwas leiser, sodass man sicher sein konnte, dass die anderen uns nicht hören würden.
„Nein, es geht mir auch schon wieder besser." Ließ ich sie wissen und lächelte sie an. Sie wusste, dass ich ihr nicht die Wahrheit sagte, doch sie kannte mich gut genug um zu wissen, dass ich es ihr wahrscheinlich sagen würde, wenn ich dafür bereit war, deshalb nickte sie nur und ging mit mir ins Haus.
„Hast du noch Hunger?" fragte sie und als ich den Kopf schüttelte strich sie mir noch einmal über den Rücken und lächelte aufheiternd, ehe wir beiden in unseren Betten verschwanden. Ich war bereits so müde, dass ich in einen traumlosen Schlaf sank, zu müde zu weinen, zu müde um über ihn nachzudenken.
Die nächsten Tage und Wochen zogen sich unendlich lang. Ich blieb die meiste Zeit zu Hause, verscharrte mich in meinem Zimmer und versuchte mit all dem klarzukommen. Ich hatte viele Nächte wachgelegen und mir vorgestellt, was Daniel mir an diesem einen Abend noch sagen wollte, doch ich kam jedes Mal wieder zu dem Schluss, dass es nichts brachte, denn ich hatte mich entschieden und selbst wenn ich mich umentscheiden würde wäre es nun zu spät. Letzteres war wohl der wahre Grund, warum ich ihn nicht nochmal darauf ansprach. Ich hatte meine Chance verpasst und nun war es so wie es war. Ich hatte meinen besten Freund verloren. Natürlich hatte ich noch Jona, aber sie war komplett anders.
Freddy und Dan trafen sich nun öfters bei ihm und ich bekam ihn fast gar nicht mehr zu Gesicht. Ab und zu traf ich ihn kurz im Flur, oder machte ihm die Tür auf, aber das wars. Ich vermisste ihn, auch wenn er mir mein Herz gebrochen hatte. Er sah schlechter aus denn je, als ich ihn das letzte Mal sah. Er hatte tiefe dunkle Ringe unter den Augen und er war blasser als sonst. Zudem hatte ich den Eindruck, dass er abgenommen hatte. Ich erwischte mich dabei wie ich Mitleid für ihn entwickelte und ich hatte diesmal nicht den Drang mich für dieses Gefühl rechtfertigen zu müssen. Auch wenn er mit mir gespielt hatte, wünschte ich ihm trotzdem nicht ihn so leiden zu sehen. Ich hatte Angst um ihn, ja, er war mir nicht egal. Ich hasste ihn nicht, ich wünschte ihm nichts Schlechtes, ich wollte ihm nicht mehr aus dem Weg gehen, denn tief in mir wusste ich, dass ich ihn eigentlich niemals aufgehört habe zu lieben.
Ich habe lange gebraucht das zu realisieren, doch ich bin mir sicher, auch wenn die Trennung unserer viertelstündigen Beziehung nicht leicht war und ich Dinge gesagt hatte, die ich am liebsten zurücknehmen würde spürte ich trotzdem noch dieses Gefühl, dass an mir nagte. Es hatte ein großes Loch in meine Brust gefressen und mit jedem Tag an dem es nicht erwidert wurde und ich ihn nicht sah wurde es nur noch größer. Ich brauchte ihn, doch ihm das zu sagen nach all dem, was ich ihm an den Kopf geworfen hatte war schwerer, als ich es mir je ausgemalt hatte. Ich schämte mich, dass ich ihn so angeschrien hatte, die Dinge die ich behauptet hatte...Ich glaube es war mein Stolz, der mich zurückhielt.
Daniel P.O.V.
Ich hasste es sie nicht mehr zu sehen. Sie fehlte mir, ihr Lachen, ihre Witze, die Art wie sie meinen Namen sagte, ihre gute Laune, einfach alles. Ich wollte jeden Tag zu ihr gehen und ihr alles erklären, ihr sagen wie leid es mir tat, es wieder gut machen, doch ich musste mich jeden Tag aufs Neue zurückhalten. Sie hatte mir klar zu verstehen gegeben, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollte und ich ihr nichts mehr bedeutete. Freddy löcherte mich anfangs immer mit Fragen, was mit mir los sei, warum wir nichts mehr mit Jess und Jona unternahmen, warum wir uns auf einmal bei mir trafen und nicht mehr bei ihm. Es war nicht einfach ihn anzulügen, aber Jess schien es für das Beste zu halten, nicht einmal Jona hatte sie es erzählt, deshalb konnte ich nur dasselbe tun und es ebenfalls für mich behalten.
„Wie läuft es eigentlich mit Sophie?" fragte mich Freddy, der mich wahrscheinlich nur fragte, damit er auf dem neuesten Stand war, nicht weil er sich wirklich für Sophie interessieren würde.
„Ich habe Schluss gemacht." Erklärte ich ihm gleichgültig.
„Oh, warum das? Seit wann?"
„Wir passten nicht zusammen. Ich habe es ihr an unserem letzten Abend in unserer Hütte am Meer gesagt, als sie mich anrief. Du hast mir das Telefon weitergereicht, weißt du noch?"
„Acht, stimmt. Aber du wirst wohl keine Schwierigkeiten haben eine andere zu finden." Sagte er mir zwinkernd, während er mich mit seinem Arm anstupste.
„Ich will gar keine andere mehr finden. Ich will etwas ernstes, ich hatte sogar schon etwas, aber ich habe es mir versaut. Ich habe sie enttäuscht und jetzt will sie nichts mehr von mir wissen. Man Freddy, sie ist etwas ganz besonderes und alles was ich mir je gewünscht habe." Sagte ich und hielt mich davon ab weiterzureden und womöglich noch den Namen seiner Schwester sagte.
„Bist du dir sicher? Es gibt viele Frauen da draußen und selbst du hast nur einen Bruchteil von ihnen überhaupt gesehen."
„Ich bin mir absolut sicher, ich habe noch nie so etwas für irgendjemanden gefühlt, nicht mal ansatzweise."
„Dann musst du daf-"
„-Sag jetzt bloß nicht ‚dann musst du dafür kämpfen'"
„-Dafür kämpfen." Fuhr er fort und grinste mich dabei an. „Wenn du dir sicher bist, dass sie die Einzige ist, dann musst du sie irgendwie zurückbekommen. Egal was sie dir gesagt hat bereut sie jetzt vielleicht schon. Du darfst es dir nicht so einfach machen. Manchmal wissen selbst sie nicht, was sie wirklich wollen und schlimmer kann es wohl kaum kommen, oder?"
„Du hast Recht, Schlimmer kann es nun wirklich nicht kommen." Gab ich zu.
„Und Man, du siehst echt scheiße aus, also mach dass sie dich zurücknimmt und es dir endlich wieder besser geht. Und kämm dir die Haare." Fügte er noch hinzu, als er auf das Nest auf meinem Kopf deutete, worauf ich leicht lächelte.
DU LIEST GERADE
Pride and Prejudice -Daniel Radcliffe
Fanfiction#1 in danielradcliffe #8 in brothersbestfriend Jess ist ein Mädchen, das keine hohen Ansprüche und Erwartungen an das Leben hat und lebt auch dementsprechend. Sie ist in sich gekehrt und bildet sich ein alles und jeden zu kennen, bis sie realisiert...
