2. Der nette junge Koreaner

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Als Kpop-Fan hatte ich nur das übliche Fangirl-Koreanisch gelernt (Oppa, Saranghae, Annyeonghaseo...), aber wirklich sprechen konnte ich es nicht, also versuchte ich es weiter auf Englisch. Nachdem ich gefühlt tausend Leute angequatscht hatte, platzte mir der Kragen! Ich hatte sowas von die Schnauze voll! Aus Frustration holte ich tief Luft und brüllte so laut, dass ich ein leichtes Kratzen im Hals verspürte: "DOES ANYBODY HERE SPEAK ENGLISH?!"

Einige drehten sich zu mir um, das war das Einzige, was ich von hier aus erkennen konnte, doch verstanden hatte es wohl Niemand, denn Niemand antwortete. Keiner blieb auch nur stehen. Keiner konnte mir helfen. Keiner wollte mir helfen. Mein Gesicht blieb reglos, obwohl ich am liebsten geweint hätte. Ich blieb stumm, obwohl ich am liebsten geschrien hätte. 

Frust, Verzweiflung und ein bitterer Geschmack auf meiner Zunge ließen mich zu Boden sinken. Meine Knie berührten den Asphalt. Er war eiskalt. Warum musste ich ausgerechnet heute meine löchrige Jeans anziehen? Im Zug hatte ich meine Jacke ausgezogen, sollte ich also hier auf der Straße die Nacht verbringen müssen, würde ich es keines Falls überleben. Was sollte ich nur tun?

Nervös fummelte ich an meinem Freundschaftsarmband herum. Es war ein schlichtes schwarzes Satinband auf das drei Perlen aufgefädelt worden waren. Eine war blau, eine grün und eine lila. Jede stand für eine von uns. Wenn sie doch nur hier wären, meine beiden besten Freundinnen. Ich hätte sie sofort angerufen, wenn ich mein Handy dabei gehabt hätte und sie wären sofort gekommen, um mich abzuholen. Nur leider war das nicht möglich...

"Hey, I do speak English", sagte eine Stimme hinter mir. Die Stimme kam mir seltsam Bekannt vor...

Ich drehte mich langsam um. Vor mir stand ein Junge, mit - soweit ich das erkennen konnte - hellbraunen Haaren. In meinem Hirn baute sich mehr und mehr ein Verdacht auf...

Schnell erhob ich mich vom Boden und klopfte mir den Dreck von der Hose, den ich natürlich ebenfalls nicht sehen konnte.

"Do you need some help?", fragte er mit einem vermeintlichen Lächeln auf den Lippen. (Maaann! Wieso war ich nur kurzsichtig?!)

"Yes, I wanted to travel home by train, but then I took the wrong one and then someone stole my bag and my glasses and now I can't go anywhere, because I'm scared of getting hit by a car. I don't even know where I am!", sprudelte es aus mir heraus.

"Well, you are in Seoul, South Korea."

"Yes!" Ich ballte meine Hand zu einer Faust, weshalb der Junge mich vermutlich komisch ansah. "Oh, I'm just glad, that it's not North Korea!", erklärte ich lächelnd. Er nickte langsam, doch seinen Gesichtsausdruck konnte ich natürlich nicht erkennen.

"It's pretty cold today. Do you want to come with me?" Ich zögerte. Einer fremden Person zu folgen würde allem widersprechen wofür meine Eltern diesen Selbstverteidigungskurs in der Grundschule bezahlt hatten. Andererseits war die Wahrscheinlichkeit noch jemanden mit ähnlichen Englisch-Kenntnissen zu treffen sehr gering. Ich entschied mich dafür, bei dem kleinsten Anzeichen von Gefahr sofort wegzurennen. Selbst, wenn ich dann auf eine Straße laufe würde...

"Okay", sagte ich unsicher. Er setzte sich in Bewegung und ich folgte ihm.

"What's your name?", fragte er.

"Emma, and yours?"

"My name is Namjoon." Ich blieb stehen.

"Kim Namjoon?" Er nickte und bestätigte somit meinen Verdacht. "BTS?" Meine Augen wurden groß. Er nickte erneut.

"But don't feel uncomfortable now. I just want to help you!" Mein Gesicht fühlte sich plötzlich warm an. Nun würden meine Ohren rot werden. Schnell zog ich mir die Kapuze meines Pullis über den Kopf. Jedes Mal, wenn mir etwas peinlich ist oder ich aufgeregt bin, werden meine Ohren feuerrot, was total bescheuert aussieht.  "Where are you from?", fragte Namjoon, um die unangenehme Stille zu durchbrechen, die sich für einige Sekunden über uns gelegt hatte.

"I'm from Bavaria in Germany." Mein Blick war starr auf den Boden vor mir gerichtet, obwohl ich diesen nicht mal erkennen konnte. Erneutes Schweigen. "Why are you going around here? Don't you worry Fans could find you?", fragte ich vorsichtig.

"Not really. That never happens", erzählte er. "I'm not that striking."

"But your hair-"

"That's why I have this." Er zog etwas schwarzes aus seiner Jackentasche. Eine Mütze, die er sich sofort über den Kopf zog.

"Why didn't you do this earlier?"

"I forgot about it." Ich musste grinsen.

"Hey, there's a hole in your cap."

"Oh, no! I bought it yesterday!" Plötzlich musste ich laut loslachen. Das war total Klischeehaft! "There we are", sagte er auf einmal. Vor lauter auf den Boden starren hatte ich gar nicht darauf geachtet, wo wir hingelaufen waren. Es war eine ziemlich abgeschiedene kleine dunkle Gasse. Keine Menschenseele weit und breit. So langsam dachte ich doch darüber nach mich auf die Kursweisheiten aus der Grundschule zu verlassen und wegzulaufen. Nur weil er Idol ist, heißt das nicht, dass er nicht auch irgendwie gestört sein kann...




Annyeong!

So, das zweite Kapitel ist jetzt also auch schon draußen. Ich hoffe es hat euch gefallen.

Vielleicht findet ihr ja raus welche Perle am Freundschaftsarmband für wen steht. ;)

~👽 

When the life is kidding you... ||BTS ff||Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt