Als ich aufwache liege ich zugedeckt und eingerollt auf der Couch. Ich schrecke hoch, berühre meinen Mund aus Angst gesabbert zu haben und blicke in Coles grinsendes Gesicht.
»Na? Ausgeschlafen?« Er legt einen Ordner zur Seite und setzt sich auf.
»Schei... verdammt. Warum hast du mich nicht geweckt? Wie spät ist es?« Ich springe auf und fange an, mich hektisch anzuziehen. Es ist mir unheimlich peinlich. Wie konnte mir das nur passieren!
»Sadie, entspann dich. Es ist bereits nach neunzehn Uhr. Setz dich wieder hin«, redet er beruhigend auf mich ein.
»Cole... d-das, ich... ich wollte das nicht. Tut mir leid, dass ich dich jetzt hier... also... ich hab gesagt, ich will dir keine Umstände machen. Warum hast du mich so lange schlafen lassen?«, stammele ich leicht geschockt, weil ich einfach so eingeschlafen bin. Es ist mir unangenehm.
»Du sahst müde aus. Und ich hatte auch keine Lust mehr, noch für eine Stunde ins Büro zu fahren. Unterlagen studieren kann ich auch hier«, antwortet er und fährt sich durch seine Haare.
Er trägt nur eine dunkelblaue Jogginghose und ein schwarzes T-Shirt. Seine Haare sind verwuschelt und fallen ihm ins Gesicht. Ich muss hier weg! Diese Grübchen zusammen mit seinen blauen Augen machen mich noch verrückt.
Ich springe wieder auf und ziehe mir meinen Blazer über. Zupfe meinen Rock zurecht und will gerade in meine Pumps schlüpfen. »Ich gehe jetzt besser, ich möchte dir nicht länger zur Last fallen. Wie komme ich von hier zur-.«
»Sadie, setz dich! Und entspann dich mal. Du bist nicht lästig - obwohl ... nein Scherz beiseite. Du störst nicht. Außerdem brauchst du von hier bis zu dir über eine Stunde mit den Öffentlichen. Was hältst du davon, wenn wir gleich schon die Details der Objekte in Kanada überfliegen, ich bestelle noch eine Kleinigkeit zu essen und du kannst heute Nacht in meinem Gästezimmer übernachten«, schlägt er mir ernst und ohne anzügliches Grinsen vor.
»Ich weiß nicht. Außerdem habe ich gar keine Sachen hier«. Ich kann es dazu nicht glauben, was ich hier höre und bin verunsichert, ob er mich nur wieder in irgendeiner Weise piesacken will. So oft, wie er es damals getan hat, wäre es jetzt auch nichts Neues.
»Ich kann dir Sachen von mir geben. Außerdem ist morgen Samstag. Außer natürlich, du hast heute noch etwas vor oder es wartet jemand zuhause auf dich?«, will er neugierig wissen.
»Ähm nein. Äähh...« Ich bin hin und her gerissen. Bei dem alten Cole will ich eindeutig nicht bleiben. Bei meinem Chef mag ich nicht widersprechen. Oder aber gibt es vielleicht einen neuen Cole? Ich sollte es vielleicht herausfinden. Sehr geschickt übrigens die Frage, ob jemand auf mich wartet. Hier auf jeden Fall keiner.
»Okay. Kann ja nicht Schaden, wenn wir schon vorarbeiten. Außerdem muss ich noch die Zimmer reservieren und so weiter. Da weiß ich nicht was du für Ansprüche stellst«. Hilflos schaue ich zu ihm rüber und scheine etwas panisch zu wirken.
»Komm mit«. Er deutet mir mit einer Handbewegung, dass ich ihm folgen soll und bringt mich in sein Schlafzimmer bzw. sein Ankleidezimmer und gibt mir eine Sportshorts, ein T-Shirt, Socken und eine Boxer von sich. Sein Schlafzimmer ist im Gegensatz zum Rest der Wohnung sehr hell. Weiße Wände, helle Einrichtung und für meinen Geschmack zu ordentlich. Dann führt er mich in sein Gästezimmer mit anliegendem Duschbad.
»Du hast alles, was du brauchst?«, fragt er freundlich mit einem warmherziges Lächeln. Also das hat er eindeutig noch drauf. Ich schmelze schon wieder vor mich hin.
»Ja, alles bestens«, beteuere ich mit einem schüchternen Lächeln, welches er erwidert und das Gästezimmer verlässt.
Die Dusche tut wirklich gut und ich fühle mich gleich frischer. Seine Sachen sind mir allesamt viel zu groß. Er ist schließlich gut zwanzig Zentimeter größer als ich. Mit noch feuchten Haaren mache ich mich auf den Weg zurück in den Wohnbereich. Eigentlich hätte ich einen Gürtel gebraucht. Schmunzelnd komme ich bei Cole an und setze mich neben ihn.
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LOVE RECOVERED
ChickLitBest #1 Chicklit 05/2018 Alles, was ich mir geschworen hatte, war in dieser einen Nacht vergessen: Dass ich mich in seiner Gegenwart niemals betrinke. Dass ich ihn niemals küsse. Dass ich niemals weniger als drei Kleidungsstücke trage und... Dass...
