Immer noch sehe ich Niall's Augen strahlen, als ich diesen einen Satz gesagt habe. Keine Ahnung, warum, aber das hat ihn verdammt glücklich gemacht. Er hat nichts gesagt, hat mich einfach nur noch näher an sich gezogen und kleine Küsse auf meinem Gesicht verteilt und immer wieder Ich liebe dich gemurmelt.
Ich habe einfach nur gelächelt und die Augen geschlossen. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Und am nächsten Morgen wieder in seinen Armen aufgewacht.
Inzwischen hat er es sich zur Aufgabe gemacht, mir jeden Platz in London zu zeigen, wo ich vor meiner Amnesie schon war. Nur hat er jetzt wieder Proben, Konzerte und Interviews, weil sein Urlaub oder eher seine Beurlaubung wegen meinem Unfall vorbei ist und ich sitze gerade zum ersten Mal ein Wochenende komplett alleine daheim, weil er in am anderen Ende von England ist.
Er hat mir gezeigt, wie man den Fernseher bedient und den Receiver und ich musste ihm versprechen, unbedingt sein Interview anzusehen.
Morgen will er mit mir das Gelände besuchen, wo sie ihre Alben aufgenommen haben. Weil ich da oft war.
Er gibt einfach nicht auf. Er will, dass ich mich erinnere. Letztens waren wir in einem Café. Starbucks heißt das. Er hat für mich bestellt. Meinen Lieblingsmuffin. Niall hat gesagt, dass mir das bekannt vorkommen muss. Ist es aber nicht. Das Gebäck war zwar wahnsinnig gut, aber sie haben meinem Gehirn nicht wirklich auf die Sprünge geholfen. Ziemliche Niederlage für ihn.
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Es ist nur knapp eine Woche her, dass ich aus dem Krankenhaus raus bin, aber es hat sich einiges eingependelt. Wir schlafen in einem Bett, essen gemeinsam, sehen Abends gemeinsam fern. Er erzählt, ich höre zu. Kleine Anekdoten, Witze, Sachen über mich, ihn... Alles einfach. Sachen, die mir einen Einblick in mein altes Leben verschaffen. Ich kann mit ihm lachen, bin glücklich bei ihm... Aber ich habe immer noch keine tieferen Gefühle für ihn. Und in absehbarer Zeit muss ich ihm das sagen, weil er drängt. Irgendwie. Das Interview schaue ich mir an. Aber es langweilt mich irgendwie. Niall sitzt auf einem Sofa und wenn er eingeblendet wird, sieht man sein gequältes Gesicht, auch wenn er stetig lächelt. Wenn ich eins über ihn gelernt habe, dann das, dass er ein furchtbarer Perfektionist sein kann. Vor allem wenn es um Musik geht. Kurz vor Ende dew Interviews wird er darauf angesprochen, warum in der letzten Zeit so oft im Krankenhaus gesehen wurde, aber das weiß ich auch nur, weil ich mir danach einen Artikel im Internet über das Interview angesehen hab. Zur Werbung bin ich nämlich eingeschlafen. Einfach weil ich müde war und diese Couch ein Traum ist.
Niall wird schon nicht nach Details fragen. Wahrscheinlich weiß er eh aus Erfahrung, dass ich vor dem Fernseher einschlafe. Wenn ich das in meinem alten Leben überhaupt getan habe.
Aber wenn, dann wird er es wissen. Das könnte ich ihn auch mal fragen. Meine Macken, meine Angewohnheiten.
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„Hey Kleines“. Als ich Sonntag Mittag aufwache, scheint mir die Sonne ins Gesicht. Und ein überglücklicher Niall strahlt mich an.
„Morgen“, nuschele ich und vergrabe mich wieder in meiner Decke, aber er legt sich zu mir und zieht mich in seine Arme. Ich seufze leise und mache die Augen wieder zu. Er fasst das völlig falsch auf. Er will seine Josy zurück, aber die gibt es nicht mehr. Und irgendwie hab ich nicht so das Gefühl, als hätte er sich damit schon abgefunden.
„Hast du das Interview angeschaut?“. Ich schüttele nur ganz leicht den Kopf. Der soll mich schlafen lassen. „Du bist eingepennt, stimmt's? Naja egal... Ich mach jetzt Mittagessen... Spezielle Wünsche?“ Wieder schüttele ich den Kopf. Wie kann man nur um diese Uhrzeit so verdammt fröhlich sein? „Na gut, dann halt nicht... Heute geht’s zum Studio und dann zeig ich dir alles“. Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn und verschwindet wieder. Ich sollte ihm das echt sagen, dass ich keine Gefühle für ihn habe. Auch wenn es ihn umbringt. Und wenn er mich zurück schickt? Wenn er praktisch Schluss macht? Nein... Niall würde kämpfen. Er würde es einfach auf die Amnesie schieben. Sagen, dass die Gefühle zurückkommen. Irgendwann. Er gibt nicht auf. Er kann mich nicht fallen lassen. Wo soll ich denn hin?
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„Josy... Kommst du?“. Langsam schleiche ich aus dem Haus, zu Niall's Auto. Eigentlich will ich nicht zu seinen Proben, nicht zu den ganzen Leuten. Eigentlich will ich einfach hier bleiben, weiter meine Bücher neu durchlesen und meine Filme neu anschauen. Meine Fotoalben durchsehen und mich über jedes Bild wie ein kleines Kind freuen, auch wenn die meisten furchtbar sind. Aber es sind Bilder, die meine Vergangenheit zeigen. Bilder, die mich auf verschiedenen Stationen meines Lebens zeigen. Als Baby, als Kleinkind, bei meiner Einschulung. Zur Geburt meiner Schwester, zu Niall und mir. Alles einfach. Ich setze mich neben Niall auf den Beifahrersitz, seufze. Es wäre alles so viel einfacher, wenn ich mein Gedächtnis noch hätte. Oder wieder hätte. Aber schön langsam gewöhne ich mich an den Gedanken. Dass es weg ist. Für immer. Ich sehe die Stadt an mir vorbei ziehen, sehe grüne Flächen, Parkhäuser. Niall's Hand liegt auf meinem Oberschenkel und er sieht immer wieder zu mir rüber, lächelt mich an. Ja, für ihn ist es toll, dass ich überlebt habe. Manchmal hab ich sogar das Gefühl, es ist ihm egal, dass ich mich an nichts mehr erinnere. Er ist einfach nur glücklich, dass ich hier bin, bei ihm und nicht längst woanders, in Brighton zum Beispiel. Dass ich ihm irgendwie eine Chance gebe.
„Soo... da wären wir“ Ich schrecke hoch, als er den Wagen parkt und sofort auf meiner Seite steht und mir die Tür aufhält, mir sogar beim Aussteigen hilft. Ich bedanke mich mit einem schwachen Lächeln bei ihm und warte, bis er seine Sachen aus dem Kofferraum geholt hat. Gemeinsam gehen wir auf das große Gebäude zu. Es ist keine einzige Menschenseele zu sehen und darüber bin ich wirklich froh. Das letzte, was ich jetzt gebrauchen könnte, ist eine Horde kreischender Mädels, die um ein Autogramm betteln als wäre es heilig. Und dabei einen Lärm veranstalten, dass man glaubt, die Welt würde untergehen.
Ich lasse mich auf eine der Stühle fallen, sehe mich um, als mir jemand oder etwas die Sicht versperrt.
„Josy! Oh Gott! Schön, dich zu sehen! Wir hatten gedacht, du bist vielleicht gestorben, weil die ganze Zeit Niall so schlecht drauf war und du nicht mehr bei Proben dabei warst, aber dir geht gut... Aaalso... Wo warst du ganze Zeit?“. Ich sehe auf, sehe in das Gesicht eines Jungen mit braunen Haaren.
„Ehm... Hi“, murmele ich. Wer ist das? „Sorry... Aber wer bist du?“. Jedes Mal, wenn ich diese Frage stelle, ist es mir peinlich. All diese Leute kennen mich und ich sitze da und habe keine Ahnung, wer da eigentlich vor mir steht. „Louis... Ich bin ein Freund von Niall, ich singe auch. ... Was ist mit dir los, Josy?“. Er setzt sich neben mich und legt einen Arm um meine Schulter. Ich seufze und beginne zu erklären. Immer wieder wirft er mir einen mitleidigen Blick zu und als ich geendet habe, springt er auf. „Okay. Wir zeigen dir jetzt das ganze Gelände“. Ich grinse leicht über Louis, folge ihm aber durch das ganze Gebäude „Wir starten in der Cafeteria und zum Schluss wir gehen ins Studio, wo die anderen Jungs gerade ihre Aufnahmen machen."
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„Siehst du... Und das sind die Managerräume. Und da sind Toiletten. Und jetzt gehen wir ins Studio", Louis grinst mich an und wartet, bis ich auf meinen Krücken bei ihm bin.
Ich bezweifle zwar, dass ich mich jetzt hier besser zurecht finden werde, aber immerhin hab ich das Gefühl, einen Freund gefunden zu haben. Oder wiedergefunden zu haben. „So und hier ist der Vorraum. Guck, da hinten sitzen wir immer und warten bis die anderen fertig sind",grinst er und zeigt auf eine Bank im Schatten eines großen Baumes. Irgendwas löst dieses Bild in mir aus.
Langsam humpele ich auf die Bank zu, setze mich darauf. Meine Hand streicht über das glatte Holz, die Metallschrauben. Ich schlüpfe aus meinem Schuh, vergrabe meine Zehen im Gras, atme tief ein, lehne mich zurück. Und zum ersten Mal habe ich das Gefühl, irgendetwas kommt zurück. Irgendetwas. Wie ein kleines Licht in meinem schwarzen Kopf.
„Josy? Alles okay?“. Ich öffne die Augen, Niall kniet vor mir und sieht mich besorgt an. Ich nicke, nehme seine Hand. Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmt mich.
„Ich.... Ich glaube, ich war hier schon mal“.
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Frozen
FanfictionAls Jocelyn aufwacht, weiß sie nicht mal mehr ihren Namen. Sie weiß nicht, wo sie ist. Sie weiß nicht, wie ihr Leben abgelaufen ist. Das Einzige, an das sie sich erinnert, ist ein lauter Knall und dann Schwärze. Nichts als Schwärze. Sie weiß nicht...
